Sieben Geschichten
26.02.2019 FussballFussball, Testspiel: FC Wohlen – FC Muri 3:0 (2:0)
Drei Tore, zwei zufriedene Teams, ein Sieger. Das Freiämter Sonnenschein-Derby sorgt für gute Laune – und viele Geschichten. Beispielsweise die gebeutelten Brüder Burkard, die ...
Fussball, Testspiel: FC Wohlen – FC Muri 3:0 (2:0)
Drei Tore, zwei zufriedene Teams, ein Sieger. Das Freiämter Sonnenschein-Derby sorgt für gute Laune – und viele Geschichten. Beispielsweise die gebeutelten Brüder Burkard, die Neuverpflichtung Bamba oder der ungewöhnliche Abgang von FCW-Goalie Dominik Stutzer.
Stefan Sprenger
Geschichte Nummer 1: Der doppelte Schiavano. Neuzugang Thomas Schiavano scheint ein Glücksgriff zu sein. Bereits nach wenigen Minuten trifft der neue FC-Wohlen-Stürmer zum 1:0. Der 22-Jährige wird in die Tiefe geschickt und schiebt clever ein. FC-Muri-Goalie Yanick Hofer, der seit dem Winter wohl ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat (aber immer noch ein starker Goalie ist), hat keine Chance. Genauso wie beim zweiten Treffer von Schiavano. Der neue Torjäger ist schnell, fiink und clever – er tunnelt Goalie Hofer zum 2:0 vor dem Seitenwechsel. Übrigens: Das dritte Tor erzielte der Brasilianer Victor Pelae mit einem tollen Kopfball nach wunderschöner Flanke. Auch Pelae ist ein neuer Stürmer.
Minkwitz zum FC Wohlen?
Geschichte Nummer 2: Ronny Minkwitz: hohe Technik, tiefe Hose. Der FC hält phasenweise gut mit. Die Brühl-Elf ist auch gespickt mit erfahrenen Spielern, viele davon haben ihre Vergangenheit beim FC Wohlen. Luigi Milicaj, Cristian Ianu, Simone Parente, Yanick Hofer, Fabian Burkard oder Ronny Minkwitz. Besonders Letzter fiel nicht nur durch seine tief hängenden Fussballhosen auf. Minkwitz ist technisch einer der besten auf dem Feld. Er ist kaum mit fairen Mitteln vom Ball zu trennen und stellt den FC Wohlen bei diesem Testkick immer wieder vor Probleme. Mit seiner Spielweise sorgt er für den Überraschungsmoment bei den Murianern. Es ist bekannt, dass der FC ihn im Sommer zurück auf die Niedermatten holen will. Jetzt erst recht. In Wohlen hat er schliesslich seine Freundin, einige Freunde und er wohnt 500 Meter vom Stadion entfernt – und er würde perfekt ins Team passen (spielerisch und menschlich). «Ex-Wohler sind immer ein Thema», sagt Adrian Meyer, Leiter Sportkommission des FC Wohlen. Und Minkwitz sagt: «Ich bin beim FC Muri und konzentriere mich auf die Aufgaben hier. Was in Zukunft kommt, wird man sehen.»
Die Burkards und die Verletzungen
Geschichte Nummer 3: Das Verletzungs-Mysterium der Burkard-Brüder. Beim Freiämter Derby zwischen und Muri hätte es zum Bruder-Duell zwischen Fabian Burkard (23, FC Muri) und Jan Burkard (18, FC Wohlen) kommen können. Doch die beiden «Burkis» wurden in Vergangenheit oft von Verletzungen heimgesucht. Besonders der Aussenverteidiger Fabian vom FC Muri. Immer wieder hatte er in Vergangenheit muskuläre Probleme. Doch während er im Test-Derby spielen kann (und seine Sache stark macht), muss der jüngere Burkard – der beim FC Aarau einen Profi-Vertrag hat – pausieren. Im Testspiel gegen Red Star Zürich zog sich der Verteidiger des FC Wohlen einen Muskelfaserriss zu. «Unglaublich, aber wahr», sagt Fabian. Die Burkards sind enorm anfällig auf muskuläre Probleme. «Es fing bei beiden im Alter von 18 Jahren an», erklärt Fabian. «Bislang konnte noch kein Physiotherapeut und kein Arzt eine genaue Ursache nennen. Wir wissen mittlerweile nicht mehr, was wir glauben können und was nicht.» Die Burkard-Brüder stehen vor einem Mysterium und hoffen, dass dieser «Muskel-Alptraum» ein Ende findet.
Schultz-Comeback und zufriedene Trainer
Geschichte Nummer 4: Der Captain ist bald zurück. Alain Schultz schaut sich das 3:0 von der Tribüne aus an. Seine Meinung: «Gut, dass wir zu null gespielt haben.» Sein Verbesserungsvorschlag: «Der letzte Pass muss besser werden und die Chancenauswertung auch.» Der Captain, der sich im September 2018 einen Kreuzbandriss zuzog, wird bald wieder mittun können. Seit letzter Woche ist er wieder im Mannschaftstraining und kann voll mitmachen. «Ich denke, dass es gegen YF Juventus zu einem Teileinsatz reichen könnte.» Das wäre dann am ersten Heimspiel der Rückrunde, am Samstag, 9. März.
Geschichte Nummer 5: Die erfreuten Trainer. Miodrag Dedic und Piu waren nach dem Freiämter Test-Derby vor 125 Zuschauern und bestem gut gelaunt. Piu meint, man habe «vieles umgesetzt, was gefordert war». Was besser werden muss, sind nach wie vor die Konzentrationsfehler, die den Gegner aufbauen. Ein Thema, das schon seit Beginn der Saison vorhanden ist. Vor dem Rückrundenstart auswärts bei Leader Lausanne-Ouchy (Samstag, 17 Uhr) ist Piu «zuversichtlich». FC-Muri-Trainer Miodrag Dedic sagt trotz 0:3-Niederlage: «Ich bin mit der Leistung meines Teams sehr zufrieden.» Vor allem in der ersten Halbzeit sei man «sehr diszipliniert gestanden». Zwei Eigenfehler führten jedoch zu Gegentreffern. In drei Wochen startet in die Rückrunde, reist am 5. März für eine Woche ins Trainingslager nach Ägypten. Dort haben die Klosterdörfler weiter Zeit, um an den Feinheiten zu arbeiten.
Bamba kommt, Stutzer muss gehen
Geschichte Nummer 6: Giovani Bamba kommt. Er ist in Fribourg geboren, 19 Jahre alt und Angolaner. Nachdem er die fussballerische Ausbildung in der Westschweiz gemacht hat, wechselte er 2018 zum FC Sion. Dort hat er einen 5-Jahres-Vertrag. «Er soll nun bei uns Spielpraxis holen», sagt Adrian Meyer vom FC Wohlen. Bamba kann im defensiven Mittelfeld als Sechser oder in der Innenverteidigung eingesetzt werden. Mit 1,90 m Körpergrösse hat er eine starke physische Präsenz. Sein Wechsel ist so gut wie fix. Ausserdem soll der FCW kurz vor einer Verpflichtung eines weiteren Stürmers sein.
Geschichte Nummer 7: Dominik Stutzer ist seit Jahren Torhüter beim FC Wohlen. Von den Junioren bis zur Challenge League war der Benzenschwiler war dabei. Doch nun muss er gehen. Was ist passiert? In den letzten Wochen hat sich der 21-Jährige sehr oft vom Training abgemeldet, manchmal erfolgt die Abmeldung im letztem Moment. «Sein Verhalten gegenüber Mannschaft und Staff war im neuen Jahr unkollegial und entsprach nicht dem, wie es in der höchsten Amateurliga Voraussetzung sein müsste», meint Adrian Meyer vom FCW. Er spricht auch von «anderen Ereignissen», die man aber nicht weiter auszuführen brauche. Stutzer sei nicht mehr Teil der ersten Mannschaft des FC Wohlen. Man habe Olivier Joos – und mit dem Neuzugang Anthony Pinthus, «einen ambitionierten Torhüter, verpflichtet, der sich positiv in die Mannschaft einbringt». Was sagt Dominik Stutzer? «Ich konnte leider nicht immer im Training sein wegen der Arbeit.» Stutzer spricht zudem von Missverständnissen. Beispielsweise von der Geschichte am Flughafen in Kloten vor wenigen Wochen. Der FC Wohlen kam gerade zurück aus dem Trainingslager in Spanien. Als das Team aus dem Flugzeug steigt und durch das Gate geht, sieht es Dominik Stutzer. Er konnte nicht mit ins Trainingslager wegen der Arbeit, kam aber gerade zurück aus einem Wochenend-Trip in Rom. Unglücklich. «Dass es so endet, ist sehr schade», sagt Stutzer. Wie zu hören war, gab es zwischen ihm und dem FC Muri schon Kontakt.



