Ganz vieles richtig gemacht
06.11.2018 WohlenDie Jubiläumsausgabe von «Dreiraumkultur plus» wird nicht die letzte gewesen sein
Neu ist der Verein für Kultur Wohlen für die Organisation zuständig. Er kann eine positive Bilanz ziehen. «Wir sind sehr zufrieden», ...
Die Jubiläumsausgabe von «Dreiraumkultur plus» wird nicht die letzte gewesen sein
Neu ist der Verein für Kultur Wohlen für die Organisation zuständig. Er kann eine positive Bilanz ziehen. «Wir sind sehr zufrieden», sagt Präsident Jonas Arnet. Und macht sich schon Überlegungen zur 11. Ausgabe im kommenden Jahr.
Chregi Hansen
Es war ein Experiment. Und es ist absolut gelungen. Der Samstagabend von «Dreiraumkultur» startete nicht mit Musik, sondern mit Poetry-Slam im Sternensaal. Lisa Christ hatte die nicht einfache Aufgabe, ein sehr durchmischtes Publikum zu unterhalten und auf den zweiten Abend des Festivals einzustimmen.
Beide Seiten mussten sich erst aneinander gewöhnen. Die Künstlerin daran, dass das Publikum zwischendurch Bier holt oder zum Rauchen den Saal verlässt – so wie es sich die Jungen eben von Rockkonzerten her gewöhnt sind. Die Zuhörer wiederum erkannten, dass nicht nur laute Gitarrenklänge, sondern auch leise Worte Wirkung entfalten. Viele waren wohl zum ersten Mal an einem Kulturanlass im Sternensaal dabei – bereut hat sein Kommen aber kaum einer. Slam-Poetin Lisa Christ überzeugte mit Wortwitz, Tempo und skurrilen Alltagsbeobachtungen.
Wenn sich Kultur durchmischt
Und was die Organisatoren erhofft hatten, traf ein. Der Kulturhappen im Sternensaal zog etliche eher ältere Kleinkunstliebhaber an. Und viele von ihnen gönnten sich nachher noch das eine oder andere Konzert – schliesslich hatte man Eintritt für das ganze Festival bezahlt. Und so kam es, dass es vor allem am Samstagabend sehr eng wurde in den vier Lokalen. Besonders den Auftritt der Lokalmatadoren «Mr Marbles Puddle Stompers», die sich stilistisch rundum erneuert präsentierten, konnte so mancher nur von ausserhalb mitverfolgen. Und im Pub wurde es anschliessend so eng, dass auch ein «Stage Diving» gefahrlos möglich war, runterfallen konnte man bei all den Leuten nicht.
«Der Zuschaueraufmarsch am Samstag war eine Wucht. Es war vermutlich eines der besten Ergebnisse in den letzten zehn Jahren», sagt denn auch Jonas Arnet, der Präsident des Vereins für Kultur Wohlen. Aber auch mit dem Freitagabend war man zufrieden. Mehr als 350 Eintritte zählte man insgesamt, der erhoffte Turnaround nach dem Einbruch im letzten Jahr wurde erreicht, auch das Feedback der Besucher war fast ausnahmslos positiv. «So macht es Spass», freut sich Arnet. Und er gibt gleich auch eine Garantie ab: «Wenn die Welt nicht untergeht, findet ‹Dreiraumkultur› auch im kommenden Jahr wieder statt.»
Erstmals übernahm ein Verein die Organisation des Festivals. Das hat sich bewährt. «Das hat sich gelohnt, wir konnten viel mehr Ressourcen nutzen», so die Bilanz des Präsidenten. Für den noch jungen Vorstand war «Dreiraumkultur plus» eine erste Bewährungsprobe. «Bei der Sommerbar waren noch ganz viele Leute involviert. Diesen Anlass hat der Vorstand jetzt selber organisiert. Dabei konnten wir auch ganz viel lernen», erzählt er. Die vielen Zuhörer und die tolle Stimmung in und auch vor den Lokalen war der verdiente Lohn für den Aufwand.
Gelungene und misslungene Stilbrüche
Gelohnt hat es sich auch, Stilbrüche im Programm einzubauen. So lässt sich immer wieder neue Musik entdecken. Beispielsweise die hypnotischen Klänge des Duos «Hyperculte», das am Freitag für einen Höhepunkt sorgte. Und dessen Musik einen totalen Gegenpol zum ersten Konzert des Abends bot. Denn zum Auftakt des Festivals begeisterte der Engländer Dollar Bill als Ein-Mann-Blues-Band mit Gitarre, Schlagzeug, Mundharmonika und Gesang das Publikum.
Trotzdem sieht Jonas Arnet auch Verbesserungspotenzial. Dies betrifft das Programm des zweiten Abends. Da sorgten die «Monofones» als zweitletzte Band für eine riesige Party, bevor dann der in Schweden lebende Silas zum Abschluss sphärische Klänge zum stillen Zuhören präsentierte. «Das hat nicht funktioniert, das Publikum war aufgeheizt und hatte nicht die Musse, sich auf diese Musik einzulassen», muss Arnet erkennen. Darauf müsse man nächstes Jahr besser achten, fügt er an.
Konzept funktioniert
Unter dem Strich bleibt aber die Erkenntnis, dass Konzept und Organisation bestens funktionieren. Und dass «Dreiraumkultur» in Wohlen eine Zukunft hat.





