Kulturhäppchen à discrétion
25.09.2018 WohlenAuch das Abendprogramm des «Festivals der Sinne» zog viel Publikum an
Wer alles erleben wollte, was das Programm zu bieten hatte, der musste sich ganz schön beeilen. Und musste «Punkt&Halbi» an einem neuen Ort aufschlagen. Besser war es, ...
Auch das Abendprogramm des «Festivals der Sinne» zog viel Publikum an
Wer alles erleben wollte, was das Programm zu bieten hatte, der musste sich ganz schön beeilen. Und musste «Punkt&Halbi» an einem neuen Ort aufschlagen. Besser war es, auch mal etwas auszulassen und die besondere Atmospäre auf dem Sternenplatz zu geniessen.
Chregi Hansen
Manchmal hat es eben auch Vorteile, als Journalist unterwegs zu sein. Der Besuch des Theaters «Jetzt spricht der General» von Jörg Meier und Hans Jörg Gygli, er wäre sonst wohl unmöglich gewesen. Siebenmal spielten die beiden Wohler im viel zu kleinen Stübli des «Sternen», siebenmal bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang, musste die Mehrheit trotzdem draussen bleiben. Dem Vertreter der Zeitung wurde nach dem dritten vergeblichen Anlauf schliesslich ein Platz reserviert.
Der Besuch, er hat sich gelohnt. Hans Jörg Gygli spielte den General Fischer perfekt. Der Wirt des Merenschwander «Schwanen» war im Dezember 1830 unverhofft zum Anführer des Freiämter Sturms geworden. In einem kurzen Interview mit einem Journalisten berichtet er, sozusagen am Vorabend des Marsches, über die Hintergründe des Aufstands. Mit ihrer Mischung aus geschichtlicher Erzählung und komödiantischen Einschüben begeistern die beiden die wenigen Zuschauer, die es ins Stübli geschafft haben. Und sorgen für einen der Höhepunkte des Festivals.
Intimer Rahmen
15 Minuten dauerte das Theater, 15 Minuten war die Vorgabe, welche alle Künstler erhielten, welche in diesem Rahmen auftraten. Dafür hatten sie bis zu sieben Auftritte. «Das ist schon etwas speziell», erzählt Lisa Brunner. «Aber es ist auch spannend, jedes Mal wieder vor einem anderen Publikum zu stehen.» Sie gab im Dachgeschoss der Zahnarztpraxis Schmidli eine kurzweilige Einführung in den Poetry Slam. Auch hier war es eng und gab es nur wenig freie Sitzplätze, der intime Rahmen behagte der Künstlerin aber. «Ich trete erstmals in Wohlen auf», sagte Brunner, «aber ich hoffe, es ist nicht das letzte Mal.» Und dieser Hoffnung schlossen sich viele Zuschauer an.
Nicht nur unter dem Dach der Brugisser-Villa gab es Kulturhäppchen zu geniessen, auch drei Stockwerke weiter unten in der Kellerbar konnte man eine Entdeckung machen. Hier spielte Jonas Stadelmann alias Mr. Marble auf einer alten Orgel moderne Musik, unter anderem Songs von den «Stooges», aber auch Eigenkompositionen. «Die Orgel stammt von meiner Grossmutter. Ich wollte sie nicht entsorgen und habe einfach ausprobiert, was sich damit machen lässt», berichtet er. Die Kombination von Vergangenheit und Moderne, sie ist dabei durchaus geglückt.
Alt und modern, wunderbar vereint
Musziert wurde auch an anderen Orten. Etwa im «Sternen», in welchem das Folkensemble der Wohler Musiklehrer Weltmusik spielte. Oder im benachbarten Sternensaal, wo die sehr jungen Mitglieder der Formation «Macaloosa» mit ihrem funkigen Jazz dem Publikum einheizten. Und froh waren, dass sie sich beim letzten Setting nicht mehr an die Vorgabe der Viertelstunde halten mussten und eine Zugabe nach der anderen spielten. «Für uns war klar, dass wir bei diesem Festival dabei sind. Der Aufwand ist zwar gross, aber wir haben Freude», sagte Eva Keller, die Präsidentin des Sternensaals.
Ganz modern präsentierte sich hingegen das Schlössli. Im Inneren gab es eine spannende Performance zu sehen, draussen hingegen wurde auf das alte Mauerwerk das Video mit dem neuen Song von Tonki MC gebeamt. Der rappende Wohler Lehrer hat dem Schlössli ein musikalisches Denkmal errichtet. Auf grosses Interesse stiess auch das farbenprächtige musikalische Wasserspiel beim «Rote Hus» der ibw. Während im Gebäude selber nicht nur eine Bar, sondern auch gepflegter Jazz lockte.
Wer alles sehen und hören wollte, der hatte an diesem Abend einiges zu tun. Besser war es, sich ein paar Häppchen auszusuchen. Und zwischendurch auf dem neu gestalteten Sternenplatz einfach die Stimmung zu geniessen. Die war den ganzen Abend sehr gut, den wenigen Regentropfen zum Trotz. Der Sternenplatz mit den historischen Gebäuden rundherum, er hat das Potenzial zum Dorfplatz. Und zum Ort der Kultur sowieso.






