Bratwurst ohne Senf
18.09.2018 FussballFussball, Schweizer Cup: FC Muri verliert gegen St. Gallen hoch – 2400 Zuschauer sind da
Keine Überraschung, keine Sensation. Der FC St. Gallen gewinnt humorlos gegen den FC Muri 0:7 und zeigt sich schon früh als Partykiller.
Stefan ...
Fussball, Schweizer Cup: FC Muri verliert gegen St. Gallen hoch – 2400 Zuschauer sind da
Keine Überraschung, keine Sensation. Der FC St. Gallen gewinnt humorlos gegen den FC Muri 0:7 und zeigt sich schon früh als Partykiller.
Stefan Sprenger
Immerhin ein Freiämter war nach dem Spiel glücklich. Matthias Hüppi, seit jahrzehnten in Berikon wohnhaf, krallt sich nach dem Spiel ein Stuhl und sitzt auf den grünen Rasen. Der frühere Fernsehmoderator und heutiger Präsident des FC St. Gallen ist gut gelaunt: «Genau so haben wir uns das vorgestellt. Wir haben die Sache ernst genommen und haben gezeigt, wer der Chef auf dem Platz ist.»
Sein FC St. Gallen zeigt dies schon früh. Nach sieben Minuten steht es 0:2. Die grosse Fussballparty verliert ihre besondere Stimmung. Spätestens bei Halbzeit – und dem 0:5 – ist die Sache sonnenklar. Das Super-League-Team erlaubte sich keine Experimente gegen die Murianer, die vier Ligen tiefer kicken. «Das hat mit Respekt vor dem Gegner zu tun», sagt Hüppi.
Fans bleiben friedlich, nur Pyros und Rauch
Die Murianer hätten sich insgeheim mehr erhofft. Trainer Miodrag Dedic war nach Spielschluss enttäuscht. «Wir dürfen verlieren, aber nicht so. Zwei Tore nach sieben Minuten, das war schon heftig.» Trotzdem: Es gab im Stadion Brühl ein Fussballfest vor 2400 Zuschauern. Mehr als beim Spiel des FC Aarau gegen Neuchâtel Xamax. Auch die St.-Gallen-Fans machten keinen Radau. Ein paar Pyros und viel Rauch veranstalteten die Anhänger. «Es blieb aber friedlich, das war mir besonders wichtig», sagt Hüppi. So gab es für den FC Muri zwar ein grosses Spiel, aber absolut nichts zu holen – wie eine Bratwurst ohne Senf.
Trotz Pleite ein einmaliger Anlass
Impressionen vom Cup-Spiel in Muri mit 2400 Zuschauern im Stadion und mehreren Zehntausend an den TV-Bildschirmen
17 Jahre, 7 Gegentore
Fussball, Schweizer Cup: Muris Torwart Silvan Sigg war beim 0:7 gegen St. Gallen im Fokus
Das Schweizer Fernsehen wollte vor dem Cup-Kracher eine Dokumentation mit ihm drehen, doch der Verein intervenierte. Es sei zu viel für einen 17-Jährigen. Silvan Sigg machte seine Sache gegen das Super-League-Team hervorragend. Er schildert seine imposanten Eindrücke.
Stefan Sprenger
«Das war schon, na ja, ziemlich eindrücklich.» Silvan Sigg ist nach dem Spiel noch in einer anderen Welt. Zuvor hatte er alle Torwarthandschuhe voll zu tun. Besonders im ersten Durchgang. «Dort spürte man den Klassenunterschied sehr heftig», sagt der Fahrwanger. Er muss fünfmal hinter sich greifen. Nach sieben Minuten führt St. Gallen schon 0:2. Hat er ein Lieblings-Gegentor? Sigg muss lachen. «Das zweite Tor, der Weitschuss ins Eck, das war schon ziemlich grandios gemacht», sagt der Torhüter.
In den ersten 45 Minuten hat er zudem Hunderte St.-Gallen-Fans im Rücken. «Das war eindrücklich, sehr laut, sehr speziell.» Er selbst steht manchmal in der Südkurve der Grasshoppers als Fan. Allerdings war es etwas anderes, selbst auf dem Platz zu stehen. «Eine gute Erfahrung.»
Der Verein schirmte den jungen Torwart im Vorfeld an das Cupspiel gegen Muri ab. Er kriegte einen Maulkorb. Der Lastwagenmechaniker-Lehrling, der mit 14 Jahren sein Debut in der ersten Mannschaft des FC Sarmenstorf gab, wurde vom
Schweizer Fernsehen im Vorfeld ausgewählt für eine Dokumentation. Das Kamerateam hätte ihn in den Tagen vor dem Cup-Spiel porträtiert.
Sportchef: «Das wäre zu viel gewesen für ihn»
Marc Täschler, Sportchef des FC Muri, sagt: «Das wäre zu viel gewesen für ihn, deshalb nahmen wir ihn aus der Schusslinie. Er ist erst 17 Jahre alt, das dürfen wir nicht vergessen.» Täschler lobt den jungen Mann: «Er hat eine gute Leistung gezeigt. Ohne ihn hätten wir noch mehr Gegentore kassiert.» Der Sportchef sagt weiter, dass organisatorisch alles geklappt hat. Jedenfalls das Drumherum. Auf dem Feld sah es anders aus. «Unser Traum sah natürlich anders aus. 0:2 nach sieben Minuten – das war bitter. Aber für den Verein und für unsere Erfahrung war es eine gute Sache», so Täschler.
«Gezeigt, was dringelegen wäre»
Der junge Silvan Sigg gibt nach dem Spiel Interviews. Nun darf er. Er wirkt gefasst und kann seine Erlebnisse nur schwer in Worte fassen. «Ich bin froh, dass die zweite Halbzeit nicht so torreich war wie der erste Durchgang.» Ich glaube, dort haben wir gezeigt, was dringelegen wäre», so Sigg. Ein Ehrentor wollte den Murianern doch nicht gelingen.
Alltag am Mittwoch
Am Mittwoch (20 Uhr) geht für den FC Muri der Alltag in der Meisterschaft der 2. Liga interregional weiter. Zu Gast auf der Brühl ist der FC Olten, der von Ex-FC-Wohlen-Trainer Ryszard Komornicki gecoacht wird. Die Solothurner haben nach fünf Spielen ein Unentschieden geholt und vier Niederlagen (darunter ein 0:3 gegen Wohlen U23) kassiert. Die Murianer wollen nach dem 4:0-Sieg gegen die U23 auch Olten schlagen.
APROPOS
500 Würste verkaufte man beim Stand, wo die Fans des FC St. Gallen feierten. Die Jungs des FC Merenschwand waren dort am Arbeiten im Auftrag des FC Muri. «Wir haben Bier am Laufmeter verkauft», sagt Damian Biderbost vom FC Merenschwand. Die Fans seien friedlich und freundlich gewesen. Und: Es gab keinen Senf, nur Bratwurst. Dies sei eine Sicherheitsauflage gewesen, sonst hätten die St. Galler – die ihre Wurst bekanntlich nie mit Senf essen – vielleicht deswegen noch begonnen zu randalieren.
79. Minute: Vor der Tribüne fliegt ein Ball mitten ins Gesicht einer Zuschauerin. Bier fliegt durch die Luft. Und die Frau wankt und ist benommen. Mehrere Zuschauer eilen daher und wollen helfen. Der Frau – die sich dann hinsetzt – geht es wenige Minuten später besser.
Viel Kritik musste Ronny Minkwitz einstecken für seine tiefhängenden Hosen. «Eine Frechheit, wie er rumläuft. Und zwar eine bodenlose», sagt FC-St.-Gallen-Stürmer Roman Buess nach Spielschluss. Minkwitz stichelt zurück. «Ein richtiger Mann braucht eben viel Platz.» Buess und Minkwitz kennen sich aus früheren Zeiten beim FC Wohlen. Und beide sind bekannt für robustes Sprücheklopfen. «Wir haben uns lieb», versichert Minkwitz. Auffällig war es allerdings trotzdem, wie tief unten seine kurzen Hosen hingen (siehe Bild).
Geschlossen ans Spiel des FC Muri kamen die Handballer des TV Muri. Besonderes Detail: Während die Fussballer aus dem Klosterdorf den FC St. Gallen im Cup zugelost kriegten, bekommen es die Handballer selber ebenfalls mit St. Gallen zu tun. Voraussichtlich am Sonntag, 30. September, spielen die 1.-Liga-Handballer des TV Muri im Schweizer Cup gegen St. Otmar St. Gallen aus der Nationalliga A. Sollten die Murianer nach sieben Minuten auch «nur» mit 0:2 zurückliegen, wäre dies allerdings als Erfolg zu werten.
Nico Stadelmann vom FC Mutschellen sass auf der Tribüne und beobachtete seinen Bruder Michael, der in der Murianer Verteidigung alle Füsse voll zu tun hatte. Bei seiner Auswechslung in der 65. Minute sagt Nico: «Mein Bruder war nicht viel am Ball, aber ich glaube, er hat sich keinen grossen Bock erlaubt. Er wird heute Abend sicherlich müde sein.»
Stefan Sprenger












