Mehr Sicherheit als oberstes Ziel
01.06.2018 WohlenDie Kantonsstrasse zwischen Anglikon und Villmergen soll endlich saniert und ausgebaut werden
In Wohlen heisst die Verbindung Nutzenbachstrasse, in Villmergen hingegen Anglikerstrasse. Der Name mag unterschiedlich sein, die Probleme sind aber auf beiden ...
Die Kantonsstrasse zwischen Anglikon und Villmergen soll endlich saniert und ausgebaut werden
In Wohlen heisst die Verbindung Nutzenbachstrasse, in Villmergen hingegen Anglikerstrasse. Der Name mag unterschiedlich sein, die Probleme sind aber auf beiden Seiten der SBB-Linie gleich. Jetzt soll Abhilfe geschaffen – dazu verpackt der Kanton vier Projekte in einem.
Chregi Hansen
«Bei solchen Projekten gilt es immer, ganz viele Interessen unter einen Hut zu bringen. So etwas geht nicht ohne Kompromisse», erklärte Marius Büttiker am Schluss des Infoabends. Zuvor musste sich der Projektleiter aus der Abteilung Tiefbau des Kantons einige Kritik anhören. Allerdings ging es dabei in erster Linie um Detailfragen, das Projekt an sich wurde nicht in Frage gestellt.
Und das wundert nicht. Denn hier geht es nicht einfach um eine längst fällige Sanierung, sondern um eine generelle Verbesserung der gesamten Situation. «Es ist unser oberstes Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen», machte Büttiker deutlich. Daneben werden im Interesse der beiden Gemeinden Industrie, Gewerbe und Sportstätten besser erschlossen. Gleichzeitig können die jährlichen Kosten für den Unterhalt gesenkt werden, ist ein Anschluss an das kantonale Radroutennetz geplant und wird der Strasssenlärm gedämmt. Und nicht zuletzt befreit man den Nutzenbach aus seinem tristen Kanal und wertet ihn massiv auf, was auch dem Hochwasserschutz dient.
Neuer Kreisel bringt der Ferro einen besseren Anschluss
Um all diese Ziele zu erreichen, sind entlang der Kantonsstrasse diverse Massnahmen nötig. Nachfolgend die wichtigsten Elemente: Die Anglikerstrasse auf der Villmergerseite wird saniert und erhält einen abgetrennten Radweg, dazu wird beim Koten Coop/Cellpack ein Kreisel erstellt, über den in Zukunft auch das Ferro-Areal eine zweite Zufahrt erhält. An diesem Kreisel beteiligen sich die Unternehmen. Bei der Einmündung der Industriestrasse ist ein Mittelstreifen vorgesehen, der als Linksabbiegespur dient und auch beim Einbiegen hilft. «Denn heute müssen die LKWs beim Einspuren oft die Gegenfahrbahn benutzen», erläutert der Projektleiter.
Völlig neue Unterführung
Der finanziell grösste Brocken ist die neue Unterführung unter der Bahnlinie. «Sie entspricht überhaupt nicht mehr den heutigen Vorgaben», erklärt Büttiker. Weil die Gleise nicht erhöht werden können, muss die Strasse eben abgesenkt werden, um die nötige Höhe zu erreichen. Zudem wird der Durchgang so breit, dass zwei Fahrspuren und ein Veloweg Platz finden. «Die Nutzenbachstrasse gilt offiziell als Versorgungsroute, daher ist dieser Ausbau zwingend nötig», machte Büttiker deutlich.
Auch auf der Wohlerseite wird die Kantonsstrasse saniert und verbreitert, der Radweg wird bis nach Anglikon fortgeführt und so an das kantonale Radroutennetz angeschlossen, welches entlang der Bünz führt. Bei den Einmündungen in die Wilstrasse und die Sorenbühlstrasse sind Linksabbiegespuren geplant. Der Knoten Sorenbühlstrasse wird auf Wunsch der Gemeinde Wohlen so konzipiert, dass in Zukunft auch der Bus hier durchfahren kann – Ziel ist der spätere öV-Anschluss für den neuen Sportpark. Komplett neu gebaut wird auch die Bünzbrücke, sie wird verbreitert – auch hier können in Zukunft die Autos kreuzen und erhalten die Radfahrer eine eigene Spur.
Bach wird aufgewertet
Auf der gesamten Strecke östlich der Bahnlinie wird der Nutzenbach linksseitig aufgeweitet und mit einer neuen Bepflanzung aufgewertet. Der Bach erhält dafür einen Teil der heutigen Strasse als zusätzlichen Raum, die Strasse selber wird nach Norden verschoben – was einiges an Landbedarf mit sich bringt. Die Verbreiterung macht auch neue Brücken bei der Wilstrasse und Sorenbühlstrasse nötig – sowie eine Anpassung bei der Einmündung in die Bünz beim Mattenhofweg.
Nur wenige interessierte Zuhörer
Am Infoabend entzündete sich die Kritik vor allem an den Knoten auf der Wohler Seite. Weil die «natürlichen» Hindernisse bei der Brücke und der Unterführung wegfallen, werde es mehr Verkehr geben und es werde schwierig bis unmöglich, von der Wilstrasse oder der Sorenbühlstrasse her links Richtung Villmergen abzubiegen. Dies umso mehr, als der Kanton Tempo 60 an diesen Stellen vehement ablehnt. Ganz andere Probleme beschäftigen die Feuerwehr – sie fragt sich, wie sie während der zweieinhalbjährigen Bauzeit ausrücken soll.
Für Überraschung sorgte auch die Aussage, dass die beiden Gemeinden selber nichts zu sagen haben – bei einem Projekt dieser Dimension entscheidet der Grosse Rat abschliessend, Wohlen und Villmergen müssen einfach zahlen. Da war es vielleicht gut, dass der Infoabend kaum auf Interesse stiess – so befand sich beispielsweise nur gerade ein Wohler Einwohnerrat im Publikum.
Der Kostenteiler
Das Strassenprojekt allein kostet 25,75 Millionen Franken. Davon entfallen 6,7 Millionen auf die Anglikerstrasse, 7,5 Millionen auf die Nutzenbachstrasse; 11,57 Millionen kostet allein der Ersatz der Unterführung. Die Revitalisierung und der Vollausbau des Nutzenbaches sowie Anpassungen am Krebsbach kosten weitere 3 Millionen Franken.
An die Bachsanierung zahlt der Bund 1,054 Millionen Franken, vom Rest muss Wohlen zwei Drittel und der Kanton einen Drittel übernehmen. An den Ersatz der Unterführung bezahlen die SBB nur gerade 100 000 Franken – «und das nach harten Verhandlungen, eigentlich wollten sie gar nichts beisteuern»», erklärt Projektleiter Marius Büttiker. Die Kosten für den neuen Kreisel werden zum grössten Teil von den Anstössern übernommen, sie steuern 1,1 Millionen Franken bei.
Die übrigen Kosten teilen sich Kanton und die beiden Gemeinden nach einem bestimmten Schlüssel. Villmergen muss 4,9 Millionen bezahlen, Wohlen 6,3 Millionen (plus 1,2 Millionen für den Bachausbau) und der Kanton übernimmt 13,36 Millionen (plus 748 000 Franken für den Bach). --chh
Die Termine
Der Infoabend vom Mittwoch war der Auftakt zu einem längeren Prozess. Am 4. Juni beginnt die öffentliche Auflage der Pläne. Gleichzeitig wird die Botschaft an den Grossen Rat vorbereitet, der schon am 14. August über das Projekt befinden muss. Für die Erledigung der zu erwartenden Einsprachen wird mit einem Jahr gerechnet.
Baustart im Frühling 2021
Ab Sommer 2019 soll dann mit dem Landerwerb gestartet werden, gleichzeitig wird das eigentliche Ausführungsprojekt erarbeitet. Auch diese Phase dürfte rund ein Jahr dauern. Im Sommer 2020 werden die Arbeiten ausgeschrieben und das Submissionsverfahren eröffnet. Nach den Plänen des Kantons soll im Frühling 2021 mit den Arbeiten begonnen werden – «wenn wir Glück haben, dann können wir vielleicht schon etwas früher loslegen», erklärt Projektleiter
Marius Büttiker. Die Bauzeit ist auf zweieinhalb Jahre veranlagt – der Abschluss der Arbeiten könnte so im Herbst 2023 erfolgen. «Ich kann Ihnen versprechen, wir werden Gas geben», so Büttiker, «so wollen wir mit mehreren Baugruppen vor Ort sein.» --chh





