Zwischen Politik und Vereinsleben
24.03.2026 Politik, BremgartenNicht nur Politik
«Läbigs Bremgarte» mit neuer Führung
Ein Jahr lang wurde «Läbigs Bremgarte» ausschliesslich durch die Präsidentin Jacqueline Bedo und Vorstandsmitglied Anita Köchli geführt. Seit ...
Nicht nur Politik
«Läbigs Bremgarte» mit neuer Führung
Ein Jahr lang wurde «Läbigs Bremgarte» ausschliesslich durch die Präsidentin Jacqueline Bedo und Vorstandsmitglied Anita Köchli geführt. Seit Kurzem ist auch Franziska Wyss wieder im Vorstand. Bedo und Köchli betonen, dass «Läbigs Bremgarte» eher ein Verein als eine klassische Partei ist. Dieser äusserst sich zwar politisch, leistet aber noch viel mehr. --red
«Läbigs Bremgarte» nach einem Jahr unter einem neuen Führungsduo
Einst ins Leben gerufen mit klarem politischem Ziel stellt «Läbigs Bremgarte» 30 Jahre nach der Gründung Stadträtin und Komissionsmitglieder. Eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem will man mehr sein als eine politische Stimme. Offen auch für Menschen, die mit Politik gar nichts am Hut haben. Und bekannt als Akteur eines pulsierenden Lebens im Städtli.
Marco Huwyler
Knapp ein halbes Jahr ist es her, dass Claudia Bamert glanzvoll wiedergewählt wurde. Mit dem besten Resultat aller Bremgarter Ratsmitglieder. «Damit sind wir überglücklich», sagt Anita Köchli lächelnd. Zwar hätte man sich Bamert bei «Läbigs Bremgarte» auch als Regierungsoberhaupt vorstellen können – und durchaus möglich, dass sie Bremgarten bei entsprechender Kandidatur auch zur ersten Frau Stadtammann überhaupt gewählt hätte. «Aber in diesen Prozess haben wir uns nicht eingemischt», sagt Köchli. Das sei vollumfänglich eine persönliche Entscheidung von Bamert gewesen. «Wir bei ‹Läbigs Bremgarte› sind in erster Linie einfach froh, dass sie weitermacht.» Und in ihrem Ressort, dem BKS, könne Bamert weiterhin ein Bremgarter Gewissen in Bildungs-, Kultur-, Umwelt- und Familienfragen sein – und damit die politische Stimme und ein Aushängeschild der «Läbige», das dessen Werte bestens vertritt.
Ein Verein für alle sein
Was vielen im Städtli jedoch nicht bewusst ist: «Läbigs Bremgarte» ist gar keine Partei. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne. In erster Linie versteht man sich als Verein – der seinen Werten zwar zuweilen politisch Gehör verschafft – bei dem sich ansonsten aber intern wenig um Politik dreht. Und diesen Umstand möchte die neue Führungsspitze verstärkt im Bewusstsein der Menschen des Reussstädtchens verankern.
Seit einem Jahr ist Jacqueline Bedo Präsidentin von «Läbigs Bremgarte». «Wir haben uns seither im Vorstand bloss ein, zweimal vertieft mit lokalpolitischen Fragen beschäftigt», sagt sie. Ein Vorstand überdies, bei dem im vergangenen Jahr die Wege kurz waren. Denn neben der neuen Präsidentin war bloss Anita Köchli ebenfalls Teil davon. Beim Umbruch im März 2025 waren gleich drei von vier Vorstandsmitglieder gegangen. «Ohne Streit oder derlei – es war einfach ein Wechsel, der sich organisch ergeben hat», erklärt Köchli. Mit Matthias Kuoni und Patrick Fürst sind vor einem Jahr die beiden Co-Präsidenten abgetreten. Und mit ihnen Franziska Wyss – zumindest temporär (vergleiche Box).
Eine Präsidentin mit Erfahrung
Jacqueline Bedo war nach ihrem Antritt froh, dass sie mit Köchli noch jemanden an der Seite hatte, der zuvor vier Jahre schon im Vorstand gewesen war. Wobei es Jacqueline Bedo selbst nicht an Führungs- und Vereinserfahrung mangelt. Sie war zwar zuvor «nur» einfaches Vereinsmitglied bei den «Läbige», brachte aber als ehemaliges langjähriges Vorstandsmitglied vom WWF Aargau einen gut gefüllten Rucksack mit. Für Bedo war das Präsidium von «Läbigs Bremgarte» die richtige Herausforderung zur richtigen Zeit. «Man suchte nach dem Umbruch neue Kräfte – und ich wusste, dass das etwas für mich sein könnte», sagt die 60-Jährige. Schliesslich sei sie eine, die sich gerne für die Gemeinschaft engagiere. «Und ich konnte mir gerade die nötige Kapazität dafür freimachen.» Da lag es nahe, sich bei den «Läbigen» einzubringen. Zumal Bedo seit 30 Jahren in Bremgarten wohnt und ihr das gemeinschaftliche Leben hier am Herzen liegt.
«Jacqueline hat gleich viel frischen Wind und neue Ideen eingebracht», berichtet Kollegin Köchli vom gemeinsamen Jahr als Führungsduo. Die beiden versuchen gemeinsam die richtige Balance für den Verein zu finden. Zwischen Altbewährtem und Neuem. Und zwischen Politik und Vereinsleben. Wobei Letzteres im Alltag klar dominiert.
Reichhaltiges Programm
Das zeigt ein Blick auf das vielfältige 2026er-Jahresprogramm, auf dem sich bewährte Highlights wie die jährliche Velobörse – die auch dieses Wochenende wieder ein toller Erfolg war –, die informativen Gartenführungen der Reihe «Läbigi Gärte» oder der beliebte Flohmarkt ebenso finden wie neue Ideen.
So fand letztes Jahr erstmals der «Koffer-Märt» mitten in der Marktgasse statt, bei dem die Bevölkerung unkompliziert und ohne Anmeldung Flohmarkt- und Handarbeitsartikel via Koffer feilbieten kann. Nach der erfolgreichen Premiere folgt am 12. Juni die Zweitauflage in der Marktgasse. Auf dieses Jahr hin lanciert man ein «Repair Café», das am 9. Mai erstmals stattfindet (vgl. Ausgabe dieser Zeitung vom 20. Februar). Und ebenfalls neu, aber nach zwei Ausgaben in diesem Jahr bereits bewährt und beliebt ist das Pub Quiz im «Stiefelchnächt». «Die bisherigen Durchführungen waren grossartig», sagt Bedo zufrieden lächelnd. «Wir waren jeweils ausgebucht und die Menschen hatten grossen Spass.»
Mit der Führung «Wasser – von der Quelle zum Hahn» am Samstag, 25. April, wird überdies eine Veranstaltung wieder aufgegriffen, die bereits in früheren Jahren von «Läbigs Bremgarte» organisiert wurde. In Zusammenarbeit mit dem Werkhof erfahren die Teilnehmenden vom Brunnenmeister spannende Fakten zur wertvollen Ressource Trinkwasser und werfen einen Blick hinter die Kulissen.
Zuwachs gesucht – auf beiden Ebenen
Alles ganz und gar apolitische Aktivitäten also, die sich auch an Nichtmitglieder und eine breite Bevölkerung richten. «Wir wollen damit vermehrt wieder jüngere Menschen und Familien erreichen und dazu ermuntern, bei uns mitzumachen», erklärt Köchli. «Bei «Läbigs Bremgarte» soll man schlicht eine gute Zeit unter tollen Menschen verbringen können.» Ziel sei es letztlich, so zur kulturellen Vielfalt und der Attraktivität eines lebendigen, lebenswerten Bremgarten seinen gewichtigen Beitrag zu leisten. Dafür will der Verein wachsen, Meinungsvielfalt zulassen und für verschiedene Strömungen willkommen sein.
Und trotz alledem bleibt die Politik auch in Zukunft ein wichtiger Teil der Identität von «Läbigs Bremgarte». «Das wollen wir auf keinen Fall ändern», sagt Bedo. Auch wenn die Stossrichtung des Vorstands momentan eine andere sei – sowohl Bedo als auch Köchli sehen sich nicht als Politikerinnen – ist es der Anspruch der «Läbige», weiterhin ein politisches Bremgarter Standbein zu haben. «Wir möchten auch in Zukunft im Stadtrat und den Kommissionen vertreten sein», sagt Köchli. Gefragt sei daher weiterhin beides parallel – begeisterungsfähige Bürger und Bürgerinnen, die Vereinsaktivitäten und Veranstaltungen mittragen und anreissen –, aber auch dereinst die nächste Claudia Bamert. Und wer weiss – vielleicht stellt man irgendwann tatsächlich gar einmal den Stadtvater – oder eben die Stadtmutter.
Läbigs Bremgarte
«Läbigs Bremgarte» wurde 1980 ins Leben gerufen, wobei man bis zur Vereinsgründung zwei Jahre später noch eine Interessensgemeinschaft war. Ursprüngliches Ziel: eine autofreie Bremgarter Altstadt. Dass dies 1994 schliesslich erreicht wurde, dazu haben «die Läbigen» mit ihren jahrelangen hartnäckigen Engagements massgeblich beigetragen. Wie später auch zur Abfalltrennung, Tempo 30 in den Quartieren und vielem mehr. Mit Barbara Krom stellte «Läbigs Bremgarte» von 1994 bis 2010 zum ersten Mal eine Stadträtin. Claudia Bamert sitzt seit 2020 im Gremium.
Aktuell hat der Verein 55 Mitglieder. «Ein erfreulicher Zuwachs von 15 im letzten Jahr», wie Bedo vermeldet. Obwohl fest in Bremgarten verwurzelt, könne man auch als Einwohner umliegender Gemeinden, wie Eggenwil oder Zufikon Mitglied bei den «Läbigen» werden. «Wichtig ist nur, dass einem das Leben in und um Bremgarten am Herzen liegt.» --huy
Neu zu dritt
Anlässlich der kürzlich abgehaltenen GV hat das Führungsduo von Läbigs Bremgarte Zuwachs erhalten. Nach einjähriger Pause liess sich Franziska Wyss erneut in den Vorstand wählen. «Wir sind froh, die Verantwortung künftig wieder auf drei Schultern verteilen zu können», sagt Präsidentin Jacqueline Bedo.Wobei bei «Läbigs Bremgarte» ohnehin ganz viele Menschen selbstständig Verantwortung in einzelnen Bereichen oder dem OK von Anlässen übernehmen und sich so engagieren. «Dieser innere Antrieb und das grosse Know-how von vielen Individuen im Verein vereinfacht uns im Vorstand vieles», lächelt Bedo. --huy



