Zwischen Anspruch und Realität
06.03.2026 MutschellenWorkshop zur Erarbeitung der Legislaturziele 2026/29
Erstmals zieht der Gemeinderat die Bevölkerung bei der Planung der Legislaturziele mit ein. Rund 30 Personen diskutierten engagiert über Entwicklung, Verkehr, Schule und Zusammenleben.
...Workshop zur Erarbeitung der Legislaturziele 2026/29
Erstmals zieht der Gemeinderat die Bevölkerung bei der Planung der Legislaturziele mit ein. Rund 30 Personen diskutierten engagiert über Entwicklung, Verkehr, Schule und Zusammenleben.
Sabrina Salm
Konzentriert, engagiert, bisweilen kontrovers. An vier Tischen wird geschrieben, diskutiert, argumentiert. Klebezettel wechseln die Plätze, Ideen werden priorisiert. Wer hier sitzt, will mitreden. «Nicht die Faust im Sack machen, sondern mitdenken», bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt.
Der Gemeinderat von Widen hat Neuland betreten. Erstmals lud er die Bevölkerung ein, die Legislaturziele gemeinsam zu erarbeiten. Gut 30 Personen folgten der Einladung und machten sich an zwei Workshopabende Gedanken zur Weiterentwicklung ihres Dorfes. Gemeindeammann Peter Spring zeigt sich erfreut: «Wir haben uns gefragt, wie wir die Einwohnerinnen und Einwohner mit ins Boot holen können.» Mit dem Workshop gehe man nun mal einen neuen Weg, um die strategische Ausrichtung der kommenden Legislatur festzulegen.
Was die Widerinnen und Wider bewegt
Zuerst wurden Themen gesammelt, die die Gemeinde bewegen könnten. Anschliessend gewichteten die Teilnehmenden ihre Prioritäten. Entwicklung und Attraktivität, Finanzen, Bildung und Umwelt, Verkehr und Infrastruktur, Verwaltung und gesellschaftliches Zusammenleben – an diesen Schwerpunkten wurde nun vertieft gearbeitet. Schnell wird klar, wo der Schuh drückt. Die Alterspolitik sowie das Management des Generationenwechsels beschäftigen viele. Ebenso die Sicherheit für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende. Auch das Image der Kreisschule Mutschellen liegt den Anwesenden am Herzen. «Sie braucht dringend wieder ein gutes Image – wieder eine Qualität», heisst es am Tisch Bildung und danach im Plenum. Weitere Anliegen reichen von der Förderung erneuerbarer Energien über attraktiven Wohnraum für ältere Menschen bis zur Schaffung multikultureller Begegnungszonen. Die Digitalisierung der Gemeindeverwaltung soll vorangetrieben, der Bustakt nach Baden verdichtet und das Velowegnetz gestärkt werden. Auch der Durchgangsverkehr entlang der Bremgarterstrasse wird kritisch hinterfragt. Widen solle steuergünstig bleiben sowie mittelfristig schuldenfrei sein. «Und wir wollen ein sauberes und sicheres Dorf bleiben.»
Ein Ansatz, kein Beschluss
Daneben finden sich Visionen, die bewusst offen gedacht sind. «Ob umsetzbar oder nicht, sei dahingestellt», sagt Spring und verweist auf ein früheres Projekt: «So ist beispielsweise auch der Hasenbergturm entstanden.» Beim Workshop wurde nach diesem Prinzip der Wunsch nach einem Bauernmarkt oder einem öffentlichen Werkhaus geäussert. Dem Gemeinderat ist bewusst, dass 30 Personen keine repräsentative Mehrheit abbilden. «Aber es ist ein Ansatz», betont Spring. Die Durchmischung der Teilnehmenden sei erfreulich gewesen, auch wenn man sich noch mehr junge Stimmen gewünscht hätte. Insgesamt überwiegt die positive Bilanz.
Unterstützt wurde der Gemeinderat von Judith Gähli von Gemeinde-Support AG. Sie begleitet den Prozess fachlich und strukturell. Solche Workshops seien wichtige Instrumente für Transparenz und strategische Ausrichtung, sagt sie. Nach der Ideensammlung folgte die Konkretisierung. Die gesammelten Inputs wurden strukturiert, geschärft und für die Weiterbearbeitung vorbereitet. Leitfragen halfen, die Diskussion zu fokussieren und aus allgemeinen Anliegen konkrete Handlungsfelder zu formen. Das Rohmaterial ist reichhaltig. Nun beginnt die eigentliche Arbeit für den Gemeinderat. Er steht vor der Aufgabe, aus teilweise gegensätzlichen Erwartungen tragfähige Legislaturziele zu formulieren.
Grosses Spannungsfeld
Das Spannungsfeld zwischen finanzieller Stabilität, gesellschaftlichen Bedürfnissen und infrastrukturellen Investitionen ist gross. «Wir versuchen, die eine oder andere Festlegung aus dem Workshop miteinzubeziehen», sagt Spring.
Zunächst werden die Ergebnisse ausgewertet und den Teilnehmenden vorgestellt. Als Dank für ihr Engagement sind sie zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. «Dass der Gemeinderat so etwas anbietet, finde ich toll. Das muss man unterstützen», sagt eine Teilnehmerin.
Welche Themen letztlich in den Legislaturzielen 2026/29 verankert werden, liegt in der Verantwortung des Gemeinderats.

