Zufriedene Verlierer
16.06.2026 BremgartenBNO endlich vor Vollendung
Zwei Unterschutzstellungen abgelehnt, Summe aller Dachdurchbrüche nicht beschränkt. Dadurch, dass die «Gmeind» zweimal «Nein» sagte am Donnerstag, bestätigt sie ihre Entscheidung von vor eineinhalb Jahren. ...
BNO endlich vor Vollendung
Zwei Unterschutzstellungen abgelehnt, Summe aller Dachdurchbrüche nicht beschränkt. Dadurch, dass die «Gmeind» zweimal «Nein» sagte am Donnerstag, bestätigt sie ihre Entscheidung von vor eineinhalb Jahren. Diesmal soll der Beschluss in Aarau akzeptiert werden.
Es ist kompliziert. Eine lange Geschichte. Und mit viel Ärger und Unverständnis verbunden. Dabei ginge es doch eigentlich nur um drei vermeintliche Details, die der Souverän an der ausserordentlichen BNO-Gemeindeversammlung im Herbst 2024 geändert haben wollte. Doch der Kanton hat anschliessend sein Veto eingelegt – sehr zum Missfallen aller Bremgarter Beteiligten.
Konkret taxierte er die Nicht-Unterschutzstellung zweier Liegenschaften und den Verzicht auf einen Passus, der die Summe der Dachdurchbrüche reglementieren wollte für «wesentliche» und damit unzulässige Änderungen. Um diese rechtskräftig durchzusetzen, hätten die Teiländerungen so nochmals das ganze Bewilligungs- und Rechtsschutzverfahren durchlaufen müssen. Entsprechende Gelder dafür waren von der «Gmeind» im Winter 2025 bereits bewilligt worden.
Diesmal Nein statt Ja
Doch das Rathaus hat in der Zwischenzeit einen Kniff gefunden, diesen teuren und langwierigen Prozess zu umgehen. Indem der Stadtrat die drei Geschäfte nochmals unverändert zur Abstimmung brachte und so tat, als würde er sie – wie ursprünglich in der BNO vorgesehen – verankern wollen, hat er sie nicht verändert. Weder wesentlich noch unwesentlich. Und so durfte das Volk sie diesmal rechtsgültig ablehnen, statt als wesentlichen Änderungsantrag – anscheinend unrechtmässig – anzunehmen.
Der Stadtrat in der Person von Debütant Sandro Schmid nahm die Scharade gebührend ernst. «Wir wollen die Geschäfte wirklich durchbringen. Es stehen keine finanziellen oder sonstigen Hintergedanken dahinter», bekräftigte er vor der Abstimmung. Ein Schelm, wer dies als Flunkerei abtat. Die drei Antragssteller vom Herbst 2024 wiederholten in der Folge die Begründungen von damals. Und das Volk folgte ihnen auch diesmal. Bloss dass es dies paradoxerweise mit einem «Nein» statt einem «Ja» zu tun hatte.
Alle drei Anträge des Stadtrats wurden folgerichtig abgelehnt. Die Versammlung erhält wohl so doch noch ihren Willen vom Oktober 2024.
«Eine fertige Sauerei»
Ohne Unmutsäusserungen an die Adresse des Kantons ging solcherlei indes auch diesmal nicht über die Bühne. «Das Ganze ist eine fertige Sauerei. Der Regierungsrat hat ruhig zu sein, wenn wir hier Entscheidungen fällen. Wir erlebten hier eine regelrechte Kantonsdiktatur!», ereiferte sich ein Votant.
Angesichts des Ergebnisses und des nun – hoffentlich – guten Endes einer unnötig komplizierten Geschichte beruhigten sich die Gemüter wieder. Für die dreifache Ablehnung gabs warmen Applaus. Wer genau hinschaute, konnte gar ein verstohlenes Klatschen des Stadtammanns erspähen. So sehen Verlierer aus, die mit ihrer Niederlage mehr als gut leben können.
--huy
