«Wünsche Wohlen nur das Beste»
06.08.2024 Sport, Fussball«Auf einen Kaffee …» mit Alain Schultz, ehemaligem Fussballer und jetzigem Co-Trainer des FC Baden
Als langjähriger Spieler des FC Wohlen und FC Sarmenstorf hat sich Alain Schultz in der Region einen Namen gemacht. Nachdem er zuletzt Trainer der U23 ...
«Auf einen Kaffee …» mit Alain Schultz, ehemaligem Fussballer und jetzigem Co-Trainer des FC Baden
Als langjähriger Spieler des FC Wohlen und FC Sarmenstorf hat sich Alain Schultz in der Region einen Namen gemacht. Nachdem er zuletzt Trainer der U23 des FC Wohlen war, hat er jetzt den Posten als Co-Trainer bei Challenge-League-Absteiger Baden übernommen.
Josip Lasic
Sie haben mit dem FC Baden zum Saisonauftakt die U21 der Young Boys mit 2:0 besiegt. Sind Sie zufrieden?
Alain Schultz: Es war eine unglaublich solidarische Leistung. Die Jungs haben um jeden Ball gekämpft und sind unglaublich viel gelaufen, das hat grosse Freude gemacht. Als ich kam, hatten wir nur drei Spieler im Kader, zwanzig kamen neu. Aber der Eindruck ist da, dass die Mannschaft langsam zusammenpasst.
Mit Patrik Gjidoda und Younes Oussadit haben zwei Ex-Wohler die Tore erzielt. Ist das für Sie etwas Besonderes?
Ich freue mich sehr für beide. Gjidoda war viel unterwegs und hat viel für die Mannschaft gearbeitet, und Younes haben wir am Ende als schnellen Spieler für die Konter gebracht. Der Plan ist perfekt aufgegangen.
Wohnen Sie noch in Wohlen?
Ja, seit 2015, also bald zehn Jahre.
Das erste Mal zum FC Wohlen kamen Sie aber bereits in der Saison 2002/03.
Genau. Das war die erste Saison in der Nationalliga B. Die hiess damals noch so. Und wir haben noch auf der Paul-Walser-Stiftung gespielt. Der FC Aarau hat damals die U21 aufgelöst und die jungen Spieler ausgeliehen. Die meisten an Concordia Basel und den FC Wohlen. Und ich, der in Basel gewohnt hat, bin überraschenderweise in Wohlen gelandet.
Hätten Sie sich damals vorstellen können, dass Sie in der Region so heimisch und beim FC Wohlen zur Vereinsikone werden?
Nein, so etwas kann man im Vorfeld nicht wissen. Wenn man zu einem neuen Verein kommt, kann es sein, dass es passt, aber ebenso, dass man nach einem halben Jahr unbedingt wegwill.
Als Sie nach Wohlen kamen, spielte der FC Aarau noch in der Nationalliga A, Wohlen und Baden in der Nationalliga B. Heute spielt Aarau nur noch in der Challenge League, Baden in der Promotion League und Wohlen in der 1. Liga. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Fussball wird immer schneller. Baden konnte nicht so schnell vom Amateurin den Profibereich wechseln. Mittlerweile ist es schwer, so in der Challenge League zu bestehen. Das Problem ist nicht die Qualität, sondern die Regenerationszeit. Wenn man unter der Woche ein Auswärtsspiel hat, kommt man spät nach Hause und muss am nächsten Morgen wieder arbeiten, während die gegnerischen Spieler regenerieren können. Ich habe mit einigen Spielern gesprochen. Gegen Ende der Saison fühlten sie sich richtig ausgebrannt.
Vor einigen Jahren war Francesco Gabriele Ihr Trainer bei Wohlen in der Challenge League. Er hat aus damaliger Sicht argumentiert, dass es für den Aargauer Fussball ideal wäre, wenn Aarau in der Super League, Wohlen in der Challenge League und Baden in der Promotion League wäre. Ist das heute realistisch?
Mittlerweile gibt es zahlreiche Auflagen im Profifussball, die für viele Clubs schwer zu erfüllen sind. Aber als unrealistisch würde ich es nicht bezeichnen. Aarau war oft nahe dran am Aufstieg. Und wenn Yverdon oder Stade Lausanne-Ouchy in der Super League spielen können, ist es auch für Aarau machbar. Für Baden ist eine Challenge League vermutlich eher zu stemmen als für den FC Wohlen, da dort auch die Stadt dahinter ist und hilft. Die letzte Saison hat gezeigt, dass es machbar ist. Und auch ein FC Wohlen in der Promotion League ist nicht unrealistisch.
Viele Amateurvereine zahlen ihren Spielern viel Geld. Ist es nicht mittlerweile auch finanziell schwierig, in diesen Ligen zu bestehen?
Ich habe noch ein gewisses Verständnis dafür, dass man in der 1. Liga den Spielern gewisse Entschädigungen zahlt. Aber das passiert auch in der 2. Liga und das finde ich eine Frechheit.
Sie haben in der 2. Liga beim FC Sarmenstorf nichts erhalten?
Nein. Ich bin dorthin, weil mit Mike Winsauer ein guter Freund von mir Trainer war, und habe wie alle anderen den Mitgliederbeitrag gezahlt. Dafür haben wir auch jede Saison eine komplette Ausrüstung erhalten. Es war ohnehin eine sehr schöne Zeit dort. Ich glaube, wir hatten dort die perfekte Mischung an Spielertypen im Team. Das war eine echt gute Truppe.
Spielen Sie nach wie vor bei den Senioren in Sarmenstorf?
Ja, bei den Senioren 30+ oder 40+. Aber ich habe kaum noch Zeit (lacht). Die Trainings kann ich nicht besuchen, aber die Spiele sind meistens freitags nach 20 Uhr. Da kann ich direkt nach dem Training in Baden dorthin. Bei den Senioren muss man zum Glück nicht mehr gross einlaufen, sondern geht direkt auf den Platz (lacht). Ich möchte dem Verein verbunden bleiben, da es ein cooler Club ist, mit dem ich viele schöne Erinnerungen verbinde. Als wir im Schweizer Cup gespielt haben, ist jeweils das halbe Dorf erschienen. Und wenn Feste stattfinden, muss man keine Helfer suchen. Jeder im Verein kommt. Jetzt ist Sarmenstorf in die 3. Liga abgestiegen, aber das ist kein Beinbruch. Sie werden trotzdem ihre 300 Zuschauer haben.
Ihr Verein ist aber sicherlich der FC Wohlen?
Ja, sicher. Ich habe über zehn Saisons für den Club gespielt und war zuletzt auch Trainer.
Kann man davon ausgehen, dass Sie eines Tages zurückkommen? Sie wären ja prädestiniert, eines Tages Cheftrainer der 1. Mannschaft zu werden?
Man soll niemals nie sagen, aber das hängt von vielen Dingen ab. Auch davon, welche Pläne die Vereinsführung für die nächsten Jahre hat. Das entscheide ich nicht alleine. Ich mache jetzt andere Erfahrungen, die für mich und meine Trainerkarriere wichtig sind. Was in zwei, drei Jahren ist, wird man sehen. Aber der aktuelle Trainer Piu ist ein guter Freund von mir. Ich wünsche der Mannschaft und ihm für die nächste Saison nur das Beste. Und wenn ich Zeit habe, wird man mich sicher auch auf den Niedermatten als Zuschauer antreffen.

