Wo bleibt das neue Gastro-Reglement?
22.03.2024 BremgartenRausstuhlen noch nicht erlaubt
Am 1. Juni des vergangenen Jahres wurde an der «Gmeind» in Bremgarten ein Antrag angenommen, der den Stadtrat dazu auffordert, das Gassenreglement zu überarbeiten. Passiert ist bisher wenig. Insbesondere die ...
Rausstuhlen noch nicht erlaubt
Am 1. Juni des vergangenen Jahres wurde an der «Gmeind» in Bremgarten ein Antrag angenommen, der den Stadtrat dazu auffordert, das Gassenreglement zu überarbeiten. Passiert ist bisher wenig. Insbesondere die Saisonregelung, die es den Wirten untersagt, in der «Wintersaison» hinauszustuhlen, ist vielen weiterhin ein Dorn im Auge. Gerade momentan, wo der Frühling zum draussen Verweilen einladen würde. --huy
Altstadt-Wirte kämpfen immer noch mit Regel-Korsett
An der Sommer-«Gmeind» 2023 wurde ein Antrag angenommen, der die Überarbeitung des Gassenreglements fordert. Unnötige Hürden für das Wirten in der Altstadt sollen aus den Paragrafen der Stadt gestrichen werden. Viel passiert ist bisher nicht. Nun sollen sich offenbar Studenten der Sachlage annehmen.
Marco Huwyler
Es sind keine leichten Tage für die Bremgarter Gastronomie. Ausgerechnet zum Frühlingsbeginn hat man gleich zwei Hiobsbotschaften zu verdauen. In einem Städtli, das diesbezüglich eh schon genügend Baustellen aufweist (im wahrsten Sinne des Wortes – die Situation am Bogen lässt grüssen), schliessen diesen Monat mit dem «Stadthof» und dem «Gnusswerk» gleich zwei prominente Altstadtrestaurants (vgl. Berichterstattung dieser Zeitung). Das Wirten in Bremgarten scheint schwierig.
Antrag im Juni angenommen
Die Altstadt-Gastronomie kämpft mit den branchenüblichen Schwierigkeiten. Aber darüber hinaus auch mit Hürden, die eigentlich nicht sein müssten. Das hatte auch GLP-Politiker Sandro Schmid vor längerer Zeit festgestellt. Auf Anregung der Gastronomie unterbreitete er dem Stadtrat vor der letzten Sommer- «Gmeind» deshalb zehn konkrete Vorschläge zur Änderung des sogenannten «Gassenreglements». Vorschriften, welche die Freiheit der Wirte unnötigerweise einschränken, sollten abgeschafft werden. Beispielsweise die Saisonregelung, wonach ein Draussen-Wirten in Bremgarten an Daten gekoppelt ist.
Weil über konkrete Änderungen im Gassenreglement jedoch nicht verbindlich an einer «Gmeind» befunden werden kann, wurde Schmids Antrag schliesslich allgemeiner gehalten: Der Stadtrat sollte das Gassenreglement überarbeiten und optimieren. Die Stimmberechtigten stimmten dieser Forderung – entgegen der Empfehlung des Stadtrates – letztlich zu und nahmen den GLP-Antrag an. Die Regierung fasste damit den Auftrag, bei den Spielregeln für die Gastronomie im Städtli über die Bücher zu gehen.
«Gnusswerk» bekommt kein Frühlings-Goodbye
Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen und die Wirte kämpfen immer noch mit denselben Schwierigkeiten. So beispielsweise «Gnusswerk»-Besitzer Juri Tirez. Mit seinem Restaurantbetrieb ist bald Schluss. Ende März schliesst das «Gnusswerk» für immer seine Türen. Bis dahin würden die Betreiber ihr kleines Restaurant gerne nochmals richtig auskosten und mit möglichst vielen, die mögen, einen stimmigen Abschied feiern. Am schönsten wären dafür natürlich ein paar laue Frühlingstage unter den Sonnenstrahlen beim Eingangstor zur Altstadt. Doch die Gastronomen mit der exklusiven Lage gleich neben dem Spittelturm dürfen nicht hinausstuhlen in ihren Abschiedstagen. Das sieht das Gassenreglement so vor. Erst am 15. April ist dies gemäss der Bremgarter Saisonregelung zugelassen. Egal, wie schön das Wetter bis dahin auch sein mag.
Der Sparrunde zum Opfer gefallen
Mindestens zwei Jahre werde es dauern, bis das neue Gassenreglement in Kraft tritt, hiess es nach der Annahme des Antrags am 1. Juni. Doch das wäre der Optimalfall gewesen, wenn man sich der Sache auch angenommen hätte.
Bislang ist aber wenig geschehen. Im Zuge der Sparrunde beim Budget 2024 wurde im Rathaus beschlossen, dass dafür zum jetzigen Zeitpunkt die Mittel fehlen. «Aufgrund der angespannten finanziellen Lage können für die Erarbeitung einer breit abgestützten Umfrage im Altstadtperimeter keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden», heisst es vonseiten der Stadt. Wenngleich man auch nicht gänzlich untätig geblieben ist. «In der Zwischenzeit hat der Stadtrat mit der Fachhochschule Kontakt aufgenommen und prüft die Durchführung der Umfrage im Rahmen einer Studierendenarbeit», sagt Stadtschreiber Beat Neuenschwander. «Falls daraus ein Studienprojekt gemacht werden kann, erfolgt der Projektstart in den nächsten Tagen.»
Was das genau heisst? An wen man sich richtet? Woran man sich orientiert? Welche Anspruchsgruppen man miteinbezieht? Was das Ziel ist? Wie der grobe Zeitplan aussieht? – All diese Fragen bleiben aber weiterhin ungeklärt. «Der Zeitplan ist in Arbeit. Die Anspruchsgruppen werden im Rahmen des Projekts definiert», sagt die Stadt auf Nachfragen lediglich. «Wir werden zu gegebener Zeit über das Projekt orientieren.»
Schmid bemängelt fehlenden Willen
Sandro Schmid findet das nicht nur schade, sondern auch stossend. «Es zeigt, dass das Anliegen dem Stadtrat nicht wichtig ist», sagt er. «Immer noch nicht.» Das ziehe sich durch die ganze Thematik. «Unser Antrag zur Überarbeitung des Gassenreglements wurde ja bekanntlich zur Ablehnung empfohlen. Das alleine zeigt die Bereitschaft für Veränderung», findet er lakonisch. Und nun, da der Wählerwille den Stadtrat dazu verpflichtet habe, gehe man das Ganze halbherzig an. «Die Verzögerung wurde uns beiläufig als Sparwille verkauft», sagt er. Dass sich nun plötzlich Studierende der Sache annehmen sollen, findet Schmid suboptimal. «Es ist eine kostengünstige, bequeme Lösung – aber am Ende dauert es lange und ist wohl wieder nichts Richtiges.»
Der Oppositionspolitiker findet es schade und unverständlich, dass die Stadt nicht auch aus Eigenantrieb tätig wird. «Ich bin überzeugt – man könnte an einer Sitzung entscheiden, dass man die Saisonregelung aufhebt, bis das neue Reglement in Kraft tritt. Dann wäre schon viel gewonnen.» Schliesslich sei das während Corona auch ohne Weiteres möglich gewesen.
Keine belebten Gassen
Stattdessen bleibt alles beim Alten. Schmid läuft momentan mit schwerem Herzen durch seine Altstadt, die trotz Frühlingssonne auf den Gassen einigermassen ausgestorben daherkommt. Lachende Menschen vor den Lokalen, die bei Kaffee oder einem Bierchen das schöne Altstadtleben und frühlingshafte Temperaturen geniessen, bleiben bis am 14. April nicht erwünscht. «Das geht mir nicht in den Kopf und ist für mich nur schwer zu ertragen.»