Eröffnung des Besucherzentrums der Swissgrid gestern Nachmittag in Niederwil
Zwischen Niederwil und Obfelden ist der Ersatz der bestehenden, rund 17 Kilometer langen 220-Kilovolt-Freileitung durch eine neue 380-Kilovolt-Leitung geplant. Dass die Leitung erneut ...
Eröffnung des Besucherzentrums der Swissgrid gestern Nachmittag in Niederwil
Zwischen Niederwil und Obfelden ist der Ersatz der bestehenden, rund 17 Kilometer langen 220-Kilovolt-Freileitung durch eine neue 380-Kilovolt-Leitung geplant. Dass die Leitung erneut oberirdisch verlaufen soll, gefällt vielen nicht. Mit einem Besucherzentrum will Swissgrid offen informieren.
Chregi Hansen
Zwar dominieren an diesem Tag in Niederwil die netten Worte und die strahlenden Gesichter. Aber nur ein Freudentag war es doch nicht. «Die Frage der Erdverkabelung ist für uns noch nicht geklärt, die geplanten hohen Masten auf dem Wagenrain bereiten uns Sorge», erklärt etwa Norbert Ender, der Gemeindeammann von Niederwil.
Der Gemeindeammann erinnert an 1291: «Es reicht uns eben nicht, dass der Bundesrat einfach sagt, dass es so ist. Wir wollen überzeugt werden.» Auch Adrian Fahrni, Leiter der Abteilung Energie, nimmt das Thema auf. «Wir sehen uns als Vermittler und wollen einen Beitrag leisten für eine gute Lösung. Dabei setzen wir uns immer auch für die lokale Bevölkerung ein. Leider gelingt das nicht immer», erklärt er anlässlich der Eröffnung des Besucherzentrums in Niederwil. Die geplante Freileitung, sie ist vielen im Freiamt weiterhin ein Dorn im Auge. Dessen ist sich auch Swissgrid bewusst. «Mit der Festlegung des Bundesrates können wir in die Detailplanung starten», sagt Matthias Schmid, Head of Project Lines bei Swissgrid. Dabei sei man durchaus bereit, Hinweise aus dem Projektbeirat aufzunehmen.
Der Baubeginn wird für 2028 anvisiert
Der von Swissgrid initiierte Projektbeirat setzt sich aus Vertreterinnen und Vertreter der Kantone, der Gemeinden sowie Umweltverbänden und Interessengruppen zusammen. Neben diversen Vertretern von Gemeinden aus der betroffenen Region sind auch verschiedene Verbände mit dabei. Sogar der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal, der sich seit Jahren für die Erdverkabelung einsetzt, hat einen Sitz erhalten. Eine erste Sitzung des Projektbeirates hat bereits stattgefunden. Ziel sei es, so Schmid, bis Ende 2024 das Plangenehmigungsgesuch einzureichen. Frühester Baubeginn wäre dann 2028, die Bauzeit dauert rund drei Jahre.
Sowohl Matthias Schmid wie auch Adrian Hässler, Leiter Infrastruktur bei Swissgrid, betonen die Wichtigkeit der geplanten Leitung. «Die Menschen brauchen tendenziell mehr Strom. Ohne ein gut funktionierendes Netz gelangt dieser aber nicht dahin, wo er benötigt wird», erklärt Hässler. Es gehe nun darum, dieses Netz fit zu machen für die Zukunft, wobei die Verbindung zwischen Nord und Süd immer wichtiger werde. Die neuen Produktionsmuster wie der Ausbau der Windkraft in Nordeuropa und die Abschaltung der Kernkraftwerke erfordern einen erhöhten Stromaustausch der Schweiz mit Europa. Die Leitung zwischen Beznau und Mettlen, zu der auch der Abschnitt Niederwil-Obfelden gehört, ist heute ein Engpass im schweizerischen und europäischen Übertragungsnetz. Der Ausbau der Leitung auf 380 Kilovolt beseitigt diesen Engpass.
In Sachen Versorgungssicherheit mit gutem Beispiel vorangehen
Mit dem neuen Besucherzentrum in Niederwil will Swissgrid aufzeigen, worum es genau geht. «Wir wollen informieren, aber uns auch austauschen und in einen Dialog treten», versichert der Projektleiter. Diesen Dialog begrüsst auch der Niederwiler Gemeindeammann. «Wir sehen die Notwendigkeit des Projekts. Trotzdem erachten wir den Entscheid für eine Freileitung als falsch», sagt er. Umso wichtiger sei es, im Dialog zu bleiben und auf Augenhöhe zu diskutieren. Auch der Kanton will sich an diesem Dialog beteiligen, wie Adrian Fahrni betont. «Unser Kanton will in Sachen Versorgungssicherheit mit gutem Beispiel vorangehen und einen Beitrag leisten zur Realisierung des Projekts», so der Abteilungsleiter.
Das Besucherzentrum an der Göslikerstrasse 6 soll in den kommenden fünf Jahren in Betrieb sein. Es finden regelmässig Führungen für Gruppen wie auch Einzelpersonen statt. Dies an fixen Daten, aber es sind auch weitere Termine nach Absprache möglich. Die Besucher kommen dabei in den Genuss eines Referates und können sich dann an den verschiedenen Infowänden und Monitoren weiter mit dem Thema befassen. Die Führung dauert rund 2,5 Stunden und ist kostenlos.
Mehr Informationen zum Projekt und zum Besucherzentrum unter www.swissgrid.ch