Vorbildfunktion einnehmen
16.06.2026 Mutschellen, WidenGemeinderat stellte die Legislaturziele vor
Wie hoch soll die Konzession sein, die der Wärmeverbund Mutschellen fürs Benützen des öffentlichen Raums entrichten muss? Ein Antrag, diesen höher anzusetzen als vom Gemeinderat vorgesehen, scheiterte ...
Gemeinderat stellte die Legislaturziele vor
Wie hoch soll die Konzession sein, die der Wärmeverbund Mutschellen fürs Benützen des öffentlichen Raums entrichten muss? Ein Antrag, diesen höher anzusetzen als vom Gemeinderat vorgesehen, scheiterte deutlich. Zum Höhepunkt der Versammlung geriet der kulturelle Auftakt.
Erika Obrist
Es hat sich eingebürgert, dass die Gemeindeversammlung in Widen mit einem kulturellen Beitrag beginnt. Mal gestaltet diesen Auftakt ein Ensemble der Musikschule, mal tritt ein einheimischer Chor auf. Was am letzten Donnerstag in der Mehrzweckhalle geboten wurde, haben die Versammlungsteilnehmenden an diesem Ort noch nie gehört: Opernsängerin Diana Wilder, in Widen wohnend, trug drei Lieder vor. Fast andächtig still war es in der Halle während ihres Vortrags. Der Applaus am Ende ihres Auftritts war kräftig und lang.
Kaum hatte die Behandlung der traktandierten Geschäfte danach ihren Anfang genommen, stand Diana Wilder bereits wieder im Zentrum des Geschehens: Es wurde über ihr Einbürgerungsgesuch, das auch ihren Mann und ihre beiden Kinder beinhaltete, befunden. Es wurde ebenso einstimmig angenommen wie die anderen beiden Einbürgerungsgesuche.
Erstmals eine Nettoschuld
Es scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein: Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 1,63 Millionen Franken – und trotzdem weist die Gemeinde erstmals seit vielen Jahren wieder eine Nettoschuld aus. Das liegt an den hohen Nettoinvestitionen von gegen 7,3 Millionen Franken. Ausgegeben wurde dieses Geld hauptsächlich für die neue Asylunterkunft sowie für die Erweiterung der Schulanlage. Unter dem Strich «geht es unserer Gemeinde gut», wie Gemeinderätin Susanne Gygax bilanzierte. Die Rechnung wurde nach ihrer Präsentation der Kennzahlen einstimmig genehmigt.
Mit grossem Mehr genehmigt wurde der Konzessionsvertrag der Gemeinde Widen mit dem AEW Wärmeverbund Mutschellen, der sich derzeit im Bau befindet. Realisieren und betreiben wird diesen Wärmeverbund die AEW Energie AG. Damit die Wärme von der Heizzentrale zu den Kundinnen und Kunden kommt, müssen Leitungen verlegt werden. Diese werden hauptsächlich in den Strassen geführt, also im öffentlichen Grund. Als Entschädigung für die Benutzung des Bodens erhält die Gemeinde 0,15 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) verkaufter Wärme an die Kundschaft. Die Gemeinde rechnet mit jährlichen Einnahmen von rund 10 350 Franken im Jahr. Das war nicht allen Teilnehmenden genug: Es wurde der Antrag gestellt, die Abgabe auf 1 Rappen pro kWh zu erhöhen. Diesen Antrag unterstützten nur ganz wenige im Saal, der gemeinderätliche Vorschlag mit 0,15 Rappen pro kWh wurde mit grossem Mehr angenommen. Danach war auch das gesamte Vertragswerk in trockenen Tüchern.
Gemeinsam mit der Bevölkerung hat der Gemeinderat in zwei Workshops definiert, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln soll. Anhand der Ergebnisse dieser Workshops hat er acht Leitsätze erarbeitet und zu jedem Ziele definiert, die in der Amtszeit 2026 bis 2029 umgesetzt werden sollen.
Diese Leitsätze und Ziele stellte Ammann Peter Spring an der «Gmeind» vor. So soll die Verwaltung dienstleistungsorientiert und kundenfreundlich arbeiten sowie die Effizienz dank Digitalisierung erhöhen. Bei der Bildung will die Gemeinde eine verlässliche Arbeitgeberin sein, einen zukunftsgerichteten Lernort bieten und die Gemeinschaft fördern. Die Sicherheit und die Ordnung im öffentlichen Raum werden mit diversen Massnahmen gestärkt. Bei der Mobilität legt die Gemeinde den Schwerpunkt auf eine leistungsfähige Infrastruktur mit flüssigem Verkehr sowie der Minimierung der Lärmbelastung. Auch will die Gemeinde das Zusammenleben von Jung und Alt fördern und die Kinderspielplätze ausbauen. Bei der Förderung der Artenvielfalt will die Gemeinde eine Vorbildfunktion einnehmen und dadurch die Bevölkerung für eine naturnahe Gestaltung ihrer privaten Umgebung motivieren. Bei der Infrastruktur stehen Qualität und Funktionalität im Vordergrund: Bei den gemeindeeigenen Liegenschaften und Anlagen soll eine vorausschauende Investitions- und Mittelplanung die Entwicklung steuern. Weiter sollen der Steuerfuss stabil gehalten und die Schulden mittelfristig abgebaut werden.
Es ist ein grosses Bündel, das der Gemeinderat geschnürt hat und dessen Inhalt die Tätigkeit des Rats leiten wird.
Die Beschlüsse
An der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle nahmen 102 von 2651 Stimmberechtigten teil. Sie stimmten allen Vorlagen des Gemeinderats mit grossem Mehr oder einstimmig zu. 1. Ja zum Protokoll vom 13. November 2025. – 2. Ja zu drei Einbürgerungsgesuchen. – 3. Ja zum Rechenschaftsbericht 2025. – 4. Ja zum Konzessionsvertrag mit dem AEW-Wärmeverbund Mutschellen. – 5. Ja zu drei Kreditabrechnungen: a) Sanierung Pflanzerbachstrasse inklusive Abwasser- und Wasserleitung; b) Sanierung Wasserleitungen im Bereich Schulanlage und Pflanzerbachstrasse 18; c) Erstellung Pumptrackanlage Sportzentrum Burkertsmatt. – 6. Ja zur Rechnung 2025.
Sämtliche Beschlüsse mit Ausnahme der Einbürgerungen unterliegen dem fakultativen Referendum.
--eob

