Vor allem zur Freude der Kinder
10.07.2026 BremgartenEs wuselt im Städtli
Michael Schaller ist Schöpfer eines Bremgarter Wimmelbuches
In einem neuen Bremgarter Werk gibt es allerhand Spannendes zu entdecken. Ein Wimmel-Spass für Gross und Klein.
Marco ...
Es wuselt im Städtli
Michael Schaller ist Schöpfer eines Bremgarter Wimmelbuches
In einem neuen Bremgarter Werk gibt es allerhand Spannendes zu entdecken. Ein Wimmel-Spass für Gross und Klein.
Marco Huwyler
Eigentlich hat er seinen Lebensmittelpunkt schon lange nach Biel verlegt. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet der mittlerweile 40-Jährige im zweisprachigen Bijou am Jurasüdfuss. Doch die Wurzeln Schallers liegen in und um Bremgarten, wo er aufwuchs und seine Jugendjahre verbrachte. «Ich kenne hier immer noch jede Ecke», lächelt er. «Und ich komme jederzeit unheimlich gerne zurück. So viele Erinnerungen, Beziehungen und Erlebnisse sind hier begründet. Jahre, die mich geprägt haben.» Einen Teil davon hat Schaller nun auch in einem zeichnerischen Werk verarbeitet, das seit einigen Wochen in der «Spiel-Unke» der Altstadt erworben werden kann. Ein Wimmelbuch mit Schauplätzen quer durchs Städtli. Zwei Jahre hat Schaller immer wieder nebenbei daran gearbeitet. «Ich bin kein klassischer Autor oder Bilderbuchzeichner», betont er. Schaller machte dies zum ersten Mal. «Und dabei wird es aller Voraussicht nach auch bleiben. Es ist eine einmalige Herzenssache.» Im Vordergrund stand bei seinem Wimmelbuch stets der Spass. Und die Motivation, etwas zu schaffen, das andere erfreuen könnte. Insbesondere auch Kinder, die in seiner Heimatstadt aufwachsen und durchs Bremgarten von heute wuseln.
Michael Schaller hat ein Wimmelbuch über Bremgarten gezeichnet
Seit ein paar Wochen ist es im Handel. Das liebevolle Werk mit kleinen Szenen, Handlungen, Tieren und Menschen – an bekannten Schauplätzen in Bremgarten. Der Schöpfer blieb eigentlich anonym. Mit uns hat er dennoch über sein Wimmelbuch und dessen Hintergründe gesprochen.
Marco Huwyler
Einen Autor sucht man vergebens. Weder auf dem Umschlag noch im Innern ist irgendein Name zu finden. «Ich bin dabei nicht wichtig», sagt Michael Schaller achselzuckend. «Es soll ein Werk über Bremgarten sein. Zeitlos und nicht an einen Namen gebunden.» Wer Freude an seinem Wimmelbuch habe, dürfe es verwenden, wie auch immer er möchte. Einen Anspruch an Copyright oder dergleichen stellt er nicht. «Man darf es vervielfältigen, kopieren, teilen, neu drucken – das spielt mir alles keine Rolle», sagt der Schöpfer. Weder Profit noch Ruhm will er für sein Werk haben. Hauptsache, er könne damit Menschen eine Freude machen. «Vor allem den Kindern», lächelt Schaller. «Und allen, denen Bremgarten am Herzen liegt.»
Eine einmalige Sache
Dabei hat er doch zwei Jahre lang daran gearbeitet und viel Herzblut investiert. Bei einem Brocki-Besuch fing alles an. «Ich habe mich da beim Blättern in einem alten Wimmelbuch völlig verloren», erzählt Schaller. Da dachte er sich: «Schade, dass es solches nicht über Bremgarten gibt.» Schliesslich wäre das Städtli mit seinen wunderbaren Gässli, Bauwerken und Naturschauplätzen unverwechselbarer Charakteristika doch prädestiniert für derlei.
Die Idee ging Schaller nicht mehr aus dem Kopf. Und eines Tages setzte er sich hin. Er, der hauptberufliche Vermessungszeichner, malte so, wie er es noch nie tat. Bunt, wild, comicartig und humorvoll. Zwar sei er ab und zu auch in der Freizeit künstlerisch tätig – «aber ich zeichne sonst schwarz-weiss – in komplett anderem Stil». Nun aber malte er die Bremgarter Holzbrücke mit dem Bremgarter Panorama – und alles, was ihm dazu in den Sinn kam. Mit viel Fantasie, Detailreichtum und Farbe. Das machte Schaller grossen Spass. Doch vorerst blieb es einmalig und der Anblick einzelnen Freunden vorbehalten. «Die bestärkten mich aber darin, doch ein ganzes Wimmelbuch daraus zu machen», erzählt Schaller. Und so machte er sich wieder an die Arbeit. Zur Holzbrücken-Zeichnung kamen sieben weitere. Vom Obertorplatz mit Spittelturm über die Marktgasse, den Schulhausplatz mit Pyramidenbrunnen, den Hexenturm oder die BD-Bahn mitten durchs Zentrum. Bremgarten in all seinen Facetten.
Ganz vieles zu finden
Wie es Wimmelbüchern so eigen ist, sind darauf nicht nur die charakteristischen Stadtmerkmale zu sehen, sondern auch zahlreiche immer wiederkehrende Protagonisten. Schaller hat dabei seine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse, Anekdoten und prägende Figuren in sein Werk einfliessen lassen.
So taucht etwa ein Hund immer wieder auf. Ein treuer ehemaliger Gefährte während Schallers WG-Zeit in der Altstadt. Ein Schwan zeigt ein Erlebnis mit einem aggressiven Tier, das vor einigen Jahren das Reussufer unsicher machte. Der Bremgarter Löwe ist natürlich vertreten – in seinem charakteristischen Seitenprofil. Ein Mensch mit Irokesenschnitt zeigt ein Städtli-Original von einst. «Er ist auch ein Hinweis darauf, dass unterschiedlichste Menschen im Städtli zu Hause sind und hier ihre Daseinsberechtigung haben», wie der Zeichner betont. Das Kuzeb, dessen Betreiber und politische Ansichten haben den Weg ebenfalls ins Wimmelbuch gefunden. «Weil die Kultur dort meine Jugend in Bremgarten und meine Überzeugungen geprägt hat», sagt Schaller.
Ein persönliches Abbild
Der Samichlaus ist auch vertreten. Er erinnert an den Christchindli-Märt. «Und daran, dass der Chlaus dort unüblich gelb ist», wie der Zeichner bemerkt. Viele städtlibekannte Läden und Restaurants kommen vor. Wie Bennys Bio-Panetteria, das «Hardys», das «Bijou» oder das ehemalige Schuhgeschäft Borner. Auch Menschen hat Schaller verewigt. Walter Friedli etwa. «Der mein Schulpolizist war und uns einst zeigte, wie man Fussgängerstreifen überquert.» Guido Wirth, der langjährige Gesamtschulleiter, findet sich ebenfalls. «Er war auch mein Lehrer.» Eine Piratenbande symbolisiert Zusammenhalt und die Freundschaften, die der Zeichner im Städtli knüpfen durfte. FCZ-Sprayereien nehmen den Vandalismus hops, der an verschiedenen Ecken im Städtli grassiert. «Es ist einfach alles ein Abbild davon, wie ich Bremgarten erlebte.»
Die Hälfte ist schon weg
Manches kann Schaller auch gar nicht genau begründen. So finden sich auch Giraffen und Elefanten im Wimmelbuch. Auch eine brühende Kaffeekanne kommt immer wieder vor. «Ich habe gezeichnet, was mir durch den Kopf ging», lächelt der Urheber.
Das Werk lädt dazu ein, diese und viele weitere Dinge zu suchen, Zusammenhänge zu entdecken und dabei auch der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. 100 Exemplare hat Schaller von seinem Bremgarter Wimmelbuch drucken lassen. Rund die Hälfte davon wurde bereits kürzlich an der Vernissage in der «Spiel-Unke» verkauft. Ein Anlass, der den Schöpfer beseelt hat. «Dass Kinder fast eine Stunde lang in meinem Buch blätterten und immer wieder begeistert etwas fanden und nachfragten. Das machte mich glücklich.»
Das Bremgarter Wimmelbuch ist ausschliesslich in der «Spiel-Unke» in der Schlössligasse 1 in der Bremgarter Altstadt erhältlich.




