Viele fröhliche Momente
24.07.2026 MutschellenLächeln trotz Krebsbehandlung
Die Rudolfstetter Gemeinderätin Nicole Pfäffli arbeitet als Onkologiepflegerin
Die Diagnosen ihrer Patientinnen und Patienten werfen diese meist aus dem bisherigen Leben. Trotzdem ist die Pflege dieser ...
Lächeln trotz Krebsbehandlung
Die Rudolfstetter Gemeinderätin Nicole Pfäffli arbeitet als Onkologiepflegerin
Die Diagnosen ihrer Patientinnen und Patienten werfen diese meist aus dem bisherigen Leben. Trotzdem ist die Pflege dieser Krebspatienten etwas vom Schönsten, was sich Nicole Pfäffli vorstellen kann.
Roger Wetli
«Bei uns wird viel gelacht», sagt die Rudolfstetter Gemeinderätin Nicole Pfäffli. Sie meint dabei die Onkologieabteilung des Spitals Limmattal, die von ihr geleitet wird. Pfäffli gibt Auskunft über ihren Beruf in der Sommerserie «Was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch». Sie betont: «Eine Krebsdiagnose ist heute kein automatisches Todesurteil.» Und sie weiss: «Jeder geht mit dieser Nachricht anders um. Wobei die Gespräche mit den direkten Angehörigen manchmal fast wichtiger sind als diejenigen mit den Krebspatienten.»
Als Onkologiepflegerin behandelt sie die Betroffenen mit der zuvor bestimmten Therapie. Zu den Chemotherapien kommen heute Immun- und Antikörpertherapien hinzu. Nicole Pfäffli und ihr Team beraten ihre Krebspatienten dazu und erklären ihnen, bei welchen Symptomen sie sich rasch wieder im Spital Limmattal melden sollten.
Grosse Dankbarkeit
«Wir lernen unsere Patienten sehr gut kennen», erklärt die Rudolfstetter Gemeinderätin einen Teil des Reizes ihres Berufs. «Die Gespräche drehen sich auch nur selten ausschliesslich um den Krebs. Ganz im Gegenteil. Oft möchten sie gerade nicht über dieses Schicksal sprechen.» Ein anderer sehr positiver Aspekt ihres Berufs sei die grosse Dankbarkeit, die sie sehr oft erfährt. «Das kann sehr rührend sein. Etwa dann, wenn sich eine geheilte Person später wieder bei uns meldet.» Aber auch die Angehörigen würden ihnen zu verstehen geben, wie sehr sie die Arbeit des Teams der Onkologieabteilung schätzen.
Serie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Nicole Pfäffli
Krebspatientinnen und -patienten behandelt die Rudolfstetter Gemeinderätin Nicole Pfäffli in ihrem Beruf als Onkologiepflegefachfrau. Trotz der teilweise grossen Schicksalsschläge ihrer Patientinnen und Patienten betrachtet sie ihre Tätigkeit als eine der schönsten überhaupt. Eine, bei der sie viel Dankbarkeit erfährt.
Roger Wetli
«Wir behandeln viele Patientinnen und Patienten, die ihren Krebs überleben und danach geheilt sind», klärt Nicole Pfäffli auf. Sie weiss: «In der Bevölkerung herrscht immer noch die Annahme, dass eine Krebsdiagnose automatisch ein Todesurteil ist. Das stimmt aber nicht.»
Sie muss es wissen. Seit 12,5 Jahren arbeitet die ausgebildete Pflegefachfrau HF auf der Onkologieabteilung des Spitals Limmattal in Schlieren. Die Leitung des Pflegeteams übernahm sie vor 7 Jahren. Es ist mittlerweile auf 15 Personen angewachsen. «Ich arbeite in einer Zukunftsbranche», weiss Pfäffli. «Denn die Anzahl der Krebsdiagnosen nimmt zu.» Als Onkologiepflegerin ist sie für die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten zuständig. Über die Art der Therapie entscheidet zuvor die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit den Betroffenen. «Trotzdem beraten wir noch viel und sind für die Details der Therapie zuständig», erklärt sie. Für die Bekämpfung eines Tumors gibt es verschiedene Methoden. Neben der sehr bekannten Chemotherapie werden auch Antikörper- oder Immuntherapien durchgeführt. «Diese weisen je nach Medikament unterschiedliche Nebenwirkungen auf, über die wir Bescheid wissen müssen.»
Erste Ansprechperson
Nicole Pfäffli und ihr Team verabreichen diese Therapien, überwachen in dieser Zeit die Patientinnen und Patienten und klären sie auf, bei welchen Symptomen sich die Krebserkrankten bei ihrer Abteilung melden müssen. «Das Informieren sowie Beraten zur Therapie ist wichtig. Die Patientinnen und Patienten gehen danach nach Hause und müssen dann dort von sich aus handeln, falls es zu Beschwerden kommt», erklärt Nicole Pfäffli. «Hohes Fieber oder massiver Durchfall deuten zum Beispiel auf starke Nebenwirkungen hin.» Über sehr vieles dürfe ihr Team selbst entscheiden. «Dafür bilden wir uns ständig weiter. Die Krebsbehandlungsmethoden entwickeln sich rasend schnell. «Sie ist sich bewusst: «Bei der Behandlung übernehmen wir eine sehr grosse Verantwortung.»
Der Rudolfstetter Gemeinderätin ist es wichtig, eine Vertrauensbasis aufzubauen. «Während der Behandlungszeit lernen wir uns gegenseitig sehr gut kennen. Mit einigen Patientinnen und Patienten haben wir über Jahre zu tun.» Oft möchten diese während der Behandlung nicht über ihren Krebs reden, sondern über etwas ganz anderes. «Einzelne Fälle gehen einem sehr nahe und ich vergesse sie über Jahre nicht.» Wichtig sei dabei, dass sie im Team über solche Schicksale reden könne.
Ihre Patientinnen und Patienten kommen aus dem ganzen Einzugsgebiet des Spitals Limmattal. So begegnet sie auch schon mal behandelten Personen in ihrem Dorf. «Bin ich in Begleitung von jemand anderem, grüsse ich nicht von mir aus, sondern schaue immer zuerst, wie das Gegenüber reagiert. Sonst ist für meine Begleitung klar, dass es sich um eine Patientin oder einen Patienten handelt. Verschwiegenheit ist bei uns sehr wichtig», erklärt Nicole Pfäffli.
Betreuung der Angehörigen manchmal fast wichtiger
Während der Behandlung würden sie und ihr Team den Patientinnen und Patienten beratend und unterstützend zur Seite stehen. «Gerade bei den ersten Begegnungen mit uns sind die Patientinnen und Patienten stark mit ihrem Schicksal konfrontiert. Viele können es noch gar nicht richtig fassen. Der Kopf kommt oft später.» Mit der Diagnose würden sie aus ihrem bisherigen Leben geworfen. Wobei die Patientinnen und Patienten ihren Krebs oft besser akzeptieren könnten als deren nahe Angehörige. Jeder gehe mit der Diagnose anders um. «Das Gespräch mit den Angehörigen ist manchmal fast wichtiger als mit den Betroffenen, denn die Angehörigen möchten helfen, sehen aber keine Möglichkeiten und fühlen sich in der leeren Luft», weiss Nicole Pfäffli. «Dabei zählt für die Patientinnen und Patienten meist nur schon die Anwesenheit oder die Erreichbarkeit ihrer Angehörigen. Das versuchen wir dann zu vermitteln.»
Team steht hinter der Wahl zur Gemeinderätin
Nicole Pfäffli ist in Rudolfstetten aufgewachsen. Im letzten Herbst wurde sie in den Gemeinderat gewählt. «Ich rechnete mir keine grossen Chancen aus und war entsprechend überrascht und erfreut», schaut sie zurück. «Wobei mich die Politik schon immer interessiert hat.» Sie hätte gerne schon früher für den Gemeinderat kandidiert. «Die persönlichen Umstände stimmten aber nicht.» Jetzt passe es. «Ich arbeite im Ambulatorium sozusagen zu normalen Praxisöffnungszeiten. Das erleichtert die Gemeinderatstätigkeit. Diese wäre weniger gut möglich, wäre ich im Schichtbetrieb angestellt.» Zudem werde sie stark von ihrem Team unterstützt, wenn sie zum Beispiel an einen Gemeinderatstermin müsse, es in der Praxis aber zu zeitlichen Verzögerungen komme. «Sie übernehmen dann für mich.»
Gerne erinnerte sich Nicole Pfäffli an die Reaktion ihres Teams nach den Gemeinderatswahlen. «Sie hatten riesig Freude und beschenkten mich mit allen möglichen Dingen, die ich als Gemeinderätin brauchen könnte.» Als Gemeinderätin würde sie Rudolfstetten von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Sie lese jetzt sehr viel und habe auch an den Gemeinderatskursen des Kantons teilgenommen. «Von meinem Beruf profitiere ich im Gemeinderat insofern, als ich das Gesundheitswesen gut kenne. Das hilft beispielsweise im Bereich der Spitex», erklärt sie. Aber auch ihre Weiterbildungen in Personalführung kämen im Gemeinderat zum Tragen. Noch grösser sei der gegenseitige Profit aber in der Feuerwehr. Dort amtet Nicole Pfäffli als Chefin der Sanität. «Ich erhalte da immer wieder Fragen zu generellen gesundheitlichen Themen.»
Ihren Traumberuf gefunden
Ihren Beruf als Onkologiepflegefachfrau bezeichnet sie als «wunderschön». «Er ist sehr vielseitig. Ich kann an und mit den Patientinnen und Patienten arbeiten. Deshalb möchte ich auch nicht mehr wechseln.» Natürlich gebe es auch traurige Momente. «Jedoch wird bei uns auch oft gelacht», erzählt sie. Gerade die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten sowie von deren Angehörigen sei meist sehr gross. Gerne erinnert sich Nicole Pfäffli an eine Person, die während ihrer erfolgreichen Krebsbehandlung ihre wunderbar glänzenden und langen Haare verloren hatte. «Ein paar Jahre später erschien sie wieder in unserer Praxis, strahlte und präsentierte uns stolz ihre nachgewachsenen Haare. Solche Erlebnisse zeigen mir, dass ich in meinem Beruf etwas Wichtiges bewirken kann.»


