Viel Kampf, kein Lohn
24.03.2026 Sport, Fussball1. Liga: FC Wohlen – Grasshopper Club Zürich U21 1:4 (1:1)
Die U21 des Grasshopper Club Zürich zeigt auf den Niedermatten, wieso sie Tabellenführer sind. Wohlen betreibt viel Aufwand gegen den Leader, zeigt Kampfgeist und kommt trotzdem unter die ...
1. Liga: FC Wohlen – Grasshopper Club Zürich U21 1:4 (1:1)
Die U21 des Grasshopper Club Zürich zeigt auf den Niedermatten, wieso sie Tabellenführer sind. Wohlen betreibt viel Aufwand gegen den Leader, zeigt Kampfgeist und kommt trotzdem unter die Räder.
Josip Lasic
Nach dem Abpfiff ist Santiago Brunner wie der Rest der Wohler frustriert. Das 1:4 gegen Spitzenreiter ist ein bitteres Resultat. Gemessen am gezeigten Kampfgeist der Freiämter fiel es vielleicht auch zu hoch aus. «In der ersten Halbzeit haben wir gut mitgehalten. Das Unentschieden zur Pause war sicher verdient. In der zweiten Hälfte haben sie mehr Druck gemacht, aber auch da haben wir lange stark dagegengehalten», so Brunner. «Sie hatten nicht so viele Chancen. Aber sie waren sehr effizient.»
Vor der Partie betonte der Stadionsprecher des FC Wohlen, dass die zweite Mannschaft des Rekordmeisters die Gruppe 2 der 1. Liga classic nach Belieben dominiert. Die Gäste traten entsprechend auf. Die junge Mannschaft agierte spritzig und gedankenschnell. Jede Aktion wirkte durchdacht. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde liess das Heimteam Matteo Mantini zu einfach zum Abschluss kommen. Auch Nico Ammann im FCW-Tor sah beim Distanzschuss nicht gut aus. 0:1. Danach fand Wohlen besser ins Spiel. Captain Alban Pnishi sass nach seiner Verletzung nur auf der Bank. Trainer Piu wollte kein Risiko eingehen. Die Innenverteidiger Brunner und Luca Nascimento hielten dem Druck des Rekordmeister-Nachwuchses aber stand. Auch ihre Mitspieler zeigten Kampfgeist, und Wohlen erarbeitete sich Chancen. Nach einer halben Stunde belohnte sich die Mannschaft: Nach einer schönen Kombination mit Noel Romano und Dramane Sissoko traf Djordje Komatovic zum Ausgleich. Direkt nach dem Tor hätte Dramane Sissoko das Spiel drehen können. Er reagierte bei einem Missverständnis zwischen der GC-Verteidigung und dem Torwart gedankenschnell, lupfte den Ball über den Gäste-Keeper – und spitzelte ihn anschliessend aus spitzem Winkel am leeren Tor vorbei.
Fehler teuer bezahlt
Vielleicht hätte das Spiel ein anderes Ende genommen, wenn Sissoko getroffen hätte. Das Gleiche gilt für eine Aktion zu Beginn der zweiten Halbzeit. Nach einem Sissoko-Pass konnte Noel Romano alleine auf den gegnerischen Goalie zulaufen. Doch sein Abschluss misslang. Ein Gegner wie GC verzeiht solche verpassten Chancen nicht. Die jungen Zürcher trainieren täglich und haben die Ambition, den Sprung in die Super League zu schaffen. Diese Energie brachten sie auf den Platz. Es war zu befürchten, dass die tapfer kämpfenden Wohler irgendwann konditionell nicht mehr mithalten können. Und dass sie müde genug werden, damit ihnen Fehler unterlaufen. Nach einer Stunde traf genau das ein. GCs Christian Nsonga Fopossi Kouam wurde bei einem Freistoss sträflich alleine gelassen. Er brachte die Zürcher per Kopf wieder in Führung. Wenig später folgte eine stark herausgespielte Aktion des Leaders. Fopossi Kouam, steter Aktivposten und Gefahrenherd, konnte mit einem Treffer in die rechte obere Ecke abschliessen. 1:3. «Sie hören gefühlt nicht auf zu rennen», sagt Brunner über den Gegner. «Wir hatten keine Zeit auszuruhen, keine Zeit nachzudenken. Einer Aktion folgt gleich die nächste. Das macht es sehr schwierig, gegen so ein Team zu bestehen.» Denn genauso wie verpasste Chancen in der Offensive verzeihen die Zürcher auch kleinste Fehler in der Defensive nicht. Einen solchen Fehler beging Edison Golaj in der 80. Minute. Er wollte eine Flanke mit der Brust annehmen, doch der Ball sprang zu weit weg – direkt zu Dardan Destani, der zum 4:1 traf.
Das Ergebnis ist bitter, die Niederlage eine Enttäuschung für die kämpfenden Wohler. Die Freiämter müssen sich eingestehen, dass der Gegner die bessere Mannschaft war. In der Gruppe tritt vermutlich kein anderes Team mit einer solchen Intensität auf wie die U21 von GC. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass eine Chance verpasst wurde. Mit etwas mehr Effizienz im Abschluss und weniger Fehlern in der Verteidigung hätte der FCW dem Spitzenreiter Punkte abnehmen können.
Gegen die anderen Mannschaften der Liga kann Wohlen mit einer solchen Leistung jedoch bestehen. Auch Brunner versucht das wenige Positive mitzunehmen. «In der Rückrunde merkt man in jedem Spiel, dass wir wirklich ein Team sind. Das hat man auch heute gespürt. Sie mögen individuell die besseren Spieler haben, aber wir sind als Mannschaft aufgetreten, haben füreinander gekämpft. Wenn wir so weitermachen, werden wir unsere Punkte holen.»
«Bin nicht so enttäuscht»
Wohlen-Trainer Piu versucht sich auf das Positive zu fokussieren
Nach dem Spiel ermutigt Piu sein Team und möchte sich nicht zu sehr auf das Ergebnis fixieren. «Wer nur auf das Resultat schaut, könnte meinen, sie hätten uns dominiert. Doch das war über weite Strecken nicht so», erklärt der Trainer. «Bis zum 1:2 war es ein offenes Spiel zwischen zwei guten Teams. Wir hatten durch Sissoko und Romano die Chance zur Führung, nutzten sie nicht und verloren schliesslich. Schade.» Piu zollt auch dem Gegner Respekt: «Man sah, dass sie spritziger waren. Ein junges Team, das fast täglich trainiert. Sie haben verdient gewonnen. Aber wir hatten unsere Chancen und machten vermeidbare Fehler. Das Resultat fiel etwas zu hoch aus.»
Aus den drei Heimspielen gegen Zug 94, Besa Biel und GC U21 holte Wohlen nur vier Punkte. «Der Kampfgeist stimmte in allen drei Spielen. Gegen Zug verloren wir zwei Punkte. Dem jetzigen Spiel trauere ich nicht nach. Natürlich ist es unschön, zu Hause zu verlieren. Doch ich bin nicht so enttäuscht, weil ich den Willen sah. Spielen wir nächste Woche so, gewinnen wir sicher.» Dann folgt das vierte Heimspiel in Serie. Der Tabellenvierte aus Muttenz kommt auf die Niedermatten. Die Baselbieter haben sechs Punkte mehr als Wohlen. Eine Dominanz wie die des Leaders aus Zürich wird man von Muttenz wohl nicht sehen. Die Prognose, dass man mit ähnlicher Leistung gewinnen müsste, dürfte zutreffen. «Aber wir müssen diese Leistung erst auf den Platz bringen. Wenn wir nachlassen, wird es gefährlich. Der Kampfgeist muss derselbe bleiben.» --jl

