Tschüss, «Riesen»-Goalie
19.06.2026 Sport, FussballNach 18 Jahren im «Eis» des FC Mutschellen hört Goalie-Ikone Fabian Riesen auf
Mit 17 Jahren kam er in die erste Mannschaft der Mutscheller. Nun beendet Fabian Riesen mit 35 Jahren seine Zeit im «Eis». Er blickt auf glorreiche Zeiten zurück ...
Nach 18 Jahren im «Eis» des FC Mutschellen hört Goalie-Ikone Fabian Riesen auf
Mit 17 Jahren kam er in die erste Mannschaft der Mutscheller. Nun beendet Fabian Riesen mit 35 Jahren seine Zeit im «Eis». Er blickt auf glorreiche Zeiten zurück und meint: «Es gab Titel und Aufstiege – doch das Wichtigste sind die Freundschaften.»
Stefan Sprenger
So eine Laufbahn und Vereinstreue ist selbst im Amateurfussball etwas ganz Besonderes. Fabian Riesen spielt seit seinem 6. Lebensjahr für den FC Mutschellen, mit 17 kam er in die erste Mannschaft. Und jetzt endet sein Weg.
Das Alter ist ein Punkt – aber nicht nur
Am 6. Juni stand er nochmals zwischen den Pfosten. Ein letztes Mal. Es gab einen 2:1-Sieg gegen Schönenwerd-Niedergösgen. «Nochmals 90 Minuten auf der Burkertsmatt für den FC Mutschellen zu spielen, war ein schöner Abschluss», sagt Riesen. Nach über 300 Spielen war es sein letzter Auftritt für das «Eis». Warum? «Ich bin 35 Jahre alt. Das Alter ist ein Punkt. Es ist Zeit, den jüngeren Goalies Platz zu machen. Aber es würde körperlich schon noch gehen», sagt er. In letzter Zeit hat Riesen nicht mehr viel gespielt und er sah auch in Zukunft wenig Perspektive, dass er wieder vermehrt zu Einsätzen kommt. Hinzu kommen auch andere Dinge, die sich im Laufe der Jahre geändert haben (siehe Kasten). «Der Zusammenhalt früher war einzigartig gross. Das war aussergewöhnlich. Heute ist jener Zusammenhalt gut – aber eben nicht mehr wie damals.»
Die goldene Mutscheller Zeit
Mit «damals» meint Riesen die Primetime des FC Mutschellen, die goldene Zeit. 2019, als man den Aargauer Cup holte und im Schweizer Cup antreten durfte. In jener Zeit gab es auch viele Aufstiege – von der 3. Liga bis in die 2. Liga interregional. Aber es gab auch Abstiege. «Es ist unmöglich, all die Erlebnisse in Worte zu fassen. Ich durfte mit dem FC Mutschellen enorm viel erleben. Titel, Aufstiege, Pokale – aber auch ganz viele tolle Geschichten neben dem Platz. Die Trainingslager, die Partys, die heiteren Stunden. Und das Wichtigste: die vielen Freundschaften, die über die Fussball-Zeit hinausgehen und ein Leben lang halten», so Riesen.
Zu den Senioren?
Das einstige FCM-Urgestein Manuel Brunner kennt er seit seiner Kindheit. Die früheren «Eis»-Spieler Fabrice Moser oder Nico Stadelmann sind heute in seinem engsten Freundeskreis. Die Liste liesse sich noch um zahlreiche Namen erweitern. Riesen, der oft als Yann Sommer des FC Mutschellen bezeichnet wurde, möchte zu seinem Abschluss auch etwas loswerden: «Danke an alle Menschen, die mich auf diesem unglaublich tollen Weg begleitet haben. Es war genial.» Der Single-Mann aus Widen hofft, dass der FC Mutschellen in eine erfolgreiche Zukunft geht. «Wir haben starke Nachwuchsteams und sehr talentierte Junioren-Kicker. Ich wünsche dem Team nur das Beste.»
«Wer weiss …»
Der Torhüter, oft auch als «Riesen»- Goalie bezeichnet, wird in Zukunft weiterhin Sport machen. «Vielleicht bei den 30+-Senioren des FC Mutschellen. Da würden einige Jungs der goldenen Zeit spielen. Vielleicht wechsle ich auch den Verein, spiele nochmals in der 2. oder 3. Liga. Wer weiss», so Riesen. Er will nun ein paar Wochen ohne Fussball verbringen und sich dann entscheiden. Sicher ist: Der FC Mutschellen verliert nicht nur einen starken und fast schon legendären Goalie, sondern auch einen feinen Menschen, der auch neben dem Platz für Höchstleistungen bekannt war. Tschüss und machs gut, «Riesen»-Goalie.
Kritische Worte
Mit 35 Jahren ist er nicht mehr der Jüngste. Doch dies ist nicht der einzige Grund, wieso sich Fabian Riesen nun aus der ersten Mannschaft des FC Mutschellen verabschiedet. «Ich stehe nicht mehr zu 100 Prozent hinter der Philosophie des Vereins», sagt er. Riesen wählt seine Worte bewusst und weise. Er überlegt sich gut, was er sagen soll. Im Umfeld des FC Mutschellen gab es in jüngster Vergangenheit immer wieder kritische Stimmen zu hören.
«Nicht gut für unseren FC Mutschellen»
Riesen spricht es an: «Im Verein hat sich einiges geändert. Meine Meinung ist, dass wir aktuell zu wenig eigene junge Spieler integrieren in die erste Mannschaft. Aus welchen Gründen auch immer.» Die Mutscheller haben starke Nachwuchsspieler und erfolgreiche Juniorenteams. Eigentlich beste Voraussetzungen, um mit eigenen Kräften etwas auf die Beine zu stellen. «So wie damals, zur goldenen Zeit des FC Mutschellen, als wir Cupsiege und Aufstiege feierten», sagt Riesen. «Das hat sich geändert. Leider, wie ich finde. Damals bestand das Team zu einem Grossteil aus Mutschellern. Gemeinsam haben wir etwas erreicht. Und wenn es nicht reichte, sind wir eben wieder abgestiegen.» Welche Vorgehensweise nun besser oder schlechter ist, «das weiss ich nicht», sagt Riesen. «Aber ich finde den heutigen Weg nicht gut für unseren FC Mutschellen. Wenn eigene Spieler den Verein verlassen, weil externe Akteure spielen, ist das eine Entwicklung, die nicht gut ist.»
Gewichtiger Abgang: Auch Pfyl geht
Neben Riesen verlässt auch ein anderer langjähriger «Eis»-Spieler das Team. Und es ist ein enorm gewichtiger Abgang. Roger Pfyl, der wohl prägendste Spieler des vergangenen Jahrzehnts beim FC Mutschellen, wird nächste Saison nicht mehr auf der Burkertsmatt auflaufen. Pfyl war und ist einer, der stets auch Fussball spielte wegen des Zusammenhalts beim FC Mutschellen. Er hört nun «aus verschiedenen Gründen» auf, wie der 27-Jährige sagt. Pfyl wohnt neu in Baden. «Dies ist sicherlich der Hauptgrund.» Ansonsten möchte er sich nicht zur Situation beim FC Mutschellen äussern. --spr


