Tricksereien mit Folgen
28.04.2026 Mutschellen, Widen, Theater, Kommende EventsTheatergruppe bringt die turbulente Komödie «Haarigi Ziite» auf die Bühne
Eine Betriebsprüfung bringt den gewohnten Alltag der Friseurmeisterin Moni Meier samt ihrem Team gehörig aus den Fugen. Nicht zuletzt wegen der kreativen ...
Theatergruppe bringt die turbulente Komödie «Haarigi Ziite» auf die Bühne
Eine Betriebsprüfung bringt den gewohnten Alltag der Friseurmeisterin Moni Meier samt ihrem Team gehörig aus den Fugen. Nicht zuletzt wegen der kreativen Buchführung ihres Mannes Thomas. Wie es allen zusammen gelingt, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ist fürs Publikum höchst vergnüglich.
Erika Obrist
Wer hat nicht schon einmal «vergessen», bei der Steuererklärung etwas anzugeben? Oder bei einem Geschäft private Auslagen als Betriebsaufwand verbucht? Thomas Meier (Christian Stebler) führt die Buchhaltung des Coiffeursalons, den seine Ehefrau Moni (Manuela Meli) betreibt. Und er kennt seiner Meinung nach alle Steuerspartricks. Auf der Aufwandseite den Mitarbeiter Silvio (Renato Cei) aufführen, der gar nicht mehr im Salon tätig ist. Die Anschaffung eines Hometrainers und einer Sofa-Oase dem Betrieb belasten, obwohl diese in den eigenen vier Wänden stehen. Ein bisschen mehr Haarpflegemittel abrechnen, als gebraucht wurde. Thomas ist höchst kreativ in seiner Art der Buchführung.
Das geht solange gut, bis eine Betriebsprüfung ansteht. Zu allem Unglück ist der Prüfer Sven Stanz (Urs Groth) erstens höchst penibel, zweitens der «Verflossene» von Moni Meier und drittens der ehemalige Schulkollege von Thomas Meier. Und Letzterer hat seinem einstigen Klassenkameraden stets üble Streiche gespielt. Vergessen hat das Sven Stanz bis heute nicht. Dass die Vertreterin Claudia Schneider (Lorena Bürgisser) erst als Abgesandte der Steuerverwaltung gehalten wird, sorgt für ein köstliches Intermezzo.
Schummeln und Ausreden
Natürlich entdeckt der echte Prüfer rasch nur schwer erklärbare Positionen in der Buchhaltung. Nun beginnen zum Teil tollkühne Erklärungsversuche, Ausreden und Schummeleien, welche fürs Publikum höchst vergnüglich mitzuverfolgen sind. Kommt hinzu, dass in dem ganzen Tohuwabohu auch noch Kundinnen zu bedienen sind. Die neue Angestellte Chantal (Céline Wehrli), die eben mit Ach und Krach die Lehrabschlussprüfung hinter sich gebracht hat, ist keine grosse Hilfe. Immerhin kann sie Kaffee zubereiten und servieren.
Die sehr von sich selbst überzeugte Kundin Daniela Schärer (Priska Müller) setzt sich dauernd in den Mittelpunkt und will ihre Augenbrauen nur von Silvio gezupft bekommen, der nicht mehr im Geschäft tätig ist. Der umtriebige Thomas zeigt auch hier seine Kreativität. Amelie Haas (Anna-Klara Stebler) möchte ihre Haare im gleichen Farbton haben wie die von ihr vergötterte Taylor Swift. Und die Braut Tiffany (Tiziana Scheidegger) will eine perfekte Hochzeit – Hochsteckfrisur und erstklassiges Make-up inklusive. Die wohl anspruchsloseste Kundin scheint Gisela Hug (Sabrina Haller) zu sein. Doch der Schein kann trügen, letztlich spielt sie wacker mit beim Schummeln und Tricksen. Mittendrin die Friseurmeisterin Moni, die bald nicht mehr weiss, wo ihr der Kopf steht. Als wäre das alles nicht konfus genug, steht der von vielen Kundinnen so geliebte Silvio unvermittelt wieder im Salon.
Viel zu tun hinter der Bühne
Selbstverständlich gehört es sich bei einer Komödie, dass sich zum Schluss alles in Minne auflöst. Bis es jedoch so weit ist, spielen sich auf der Bühne zum Teil abstruse Szenen ab. Köstlich anzuschauen ist diese Produktion, sehr gut umgesetzt von den Akteurinnen und Akteuren. Laientheater auf hohem Niveau. Lachen und Staunen sind garantiert.
Erstmals zeichnet Andrea Urech verantwortlich für die Regie. Sie stand selber während Jahren auf der Bühne. Einmal die Inszenierung zu übernehmen, habe sie schon lange gereizt, erklärte sie. «Der Grossteil der Aufführenden ist sehr erfahren, die Zusammenarbeit ist toll», nannte sie die Vorteile ihrer neuen Verantwortung. Mit Zustimmung der Verfasserin des Stücks hat Andrea Urech den Schluss so umgeschrieben, dass eine vertiefte Steuerprüfung über die letzten zehn Jahre nicht mehr möglich ist und dass der Leiter des Bühnenbaus zu einem kurzen Auftritt auf der Bühne kommt.
Für das Stück «Haarigi Ziite» waren für einmal auch viele helfende Hände hinter der Bühne gefragt. Und viele Haare, kommen doch auch Perücken zum Einsatz. «Es ist ein erfreuliches Miteinander», bilanzierte Präsidentin Manuela Meli nach der Aufführung. Das zeige sich auch in der Dekoration der Tische in der Mehrzweckhalle sowie in der Bewirtung der Besucherinnen und Besucher. «Noch nie hatten wie so viele Gäste am Sonntagsbrunch wie in diesem Jahr», so Meli. Auch das ist eine Auszeichnung für die Leistung des ganzen Teams der Theatergruppe.
Noch drei Aufführungen
Wer die wirklich sehenswerte Produktion «Haarige Ziite» auch sehen möchte, der hat diese Woche noch die Gelegenheit dazu. In der Mehrzweckhalle in Widen folgen Aufführungen am Donnerstag, Freitag und Samstag. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Aber Achtung: Am Freitag und Samstag sind nur noch ganz wenige Plätze verfügbar. Billette im Vorverkauf gibt es unter www.theater-widen.ch.

