Titel da, Hunger bleibt
24.02.2026 Sport, HandballDie Wohlerin Seraina Kuratli ist beim Cupsieg von GC/Amicitia Zürich die prägende Figur – und das mit 18 Jahren
Sie wird zur Spielerin der Partie gekürt, glänzt mit 14 Paraden – und bleibt am Boden. Die erst 18-jährige Torhüterin ...
Die Wohlerin Seraina Kuratli ist beim Cupsieg von GC/Amicitia Zürich die prägende Figur – und das mit 18 Jahren
Sie wird zur Spielerin der Partie gekürt, glänzt mit 14 Paraden – und bleibt am Boden. Die erst 18-jährige Torhüterin Seraina Kuratli geht einen Tag nach dem dramatischen Cupsieg von GC/ Amicitia Zürich bereits wieder auf die Arbeit. «Ich werde erst so richtig feiern, wenn wir das Double haben», sagt sie.
Stefan Sprenger
Sie spielte schon an Welt- und Europameisterschaften mit der A-Nati. Stand mit ihrem Team GC/Amicitia im Playoff-Final 2025 (und verlor). Die 18-jährige Seraina Kuratli hat trotz ihres jungen Alters schon enorm viel erlebt. Und nun krallt sie sich ihre erste grosse Trophäe. Im Cupfinal im Schweizer Handball bezwingt GC/Amicitia Zürich den Rekordsieger LC Brühl mit 26:25. «Es war ein heftiges Spiel. Wir sind noch relativ jung und unerfahren. Das hat man phasenweise gemerkt», sagt Kuratli.
Und in jenen Phasen haben die Zürcherinnen aber eine starke Torhüterin. In der ersten Halbzeit liefert sie ab und läuft zur Höchstform auf. Im zweiten Durchgang ist sie zur Stelle, als es eng wird. «In den richtigen Momenten konnte ich wichtige Abschlüsse abwehren», sagt Kuratli.
Matchwinnerin bleibt demütig
Nebst Topskorerin Leonie Aellen und der erfahrenen Spielmacherin Kerstin Kündig ist Kuratli ein weiterer wichtiger Baustein dieses Erfolgs. Sie entschärft 14 von 38 Würfen auf ihren Kasten (Abwehrquote 37 Prozent). Und wird am Ende zur Spielerin der Partie ausgezeichnet. Die Wohlerin ist wie gewohnt demütig: «Der Sieg steht über allem. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen konnte, freut mich das natürlich.» Sie erzählt, dass jene Sekunden ganz am Ende der Partie ihr Highlight waren. «Der Moment, als klar war, dass wir es geschafft haben, und ich lauter fröhliche Gesichter um mich herum sah, war unbeschreiblich schön.»
«Auf solche Siege arbeiten wir hin»
Auf der Tribüne sitzt Stefan Maag, einer ihrer ersten Trainer bei Handball Wohlen, der sie stets gefördert hat. Von ihrem Stammclub und aus dem Freiamt erhält sie viele Gratulationen, «was mich enorm freut», wie sie erzählt. Die Cuptrophäe ist auch ein Lohn für ganz viel Schweiss und Training. «Wir investieren sehr viel für den geilsten Sport der Welt. Und genau auf solche Spiele und Siege arbeiten wir täglich hin. Es ist dann sehr schön, wenn das so klappt.»
Die Zürcherinnen – die erstmals seit 2005 wieder den Cupsieg bejubeln konnten – feierten übrigens gediegen mit Familien und Freunden in der Saalsporthalle. «Ich wollte nicht gross Party machen», sagt Kuratli. «Ich werde richtig feiern gehen, wenn wir das Double geholt haben», erklärt Kuratli. Die Play-offs um den Meistertitel starten dann im April, ihr Team ist aktuell Tabellenführer.
Am nächsten Tag – also gestern Montag – war die Wohlerin morgens schon wieder auf dem Weg ins OYM in Cham, wo sie aktuell in der Buchhaltung arbeitet. Im Sommer wird sie ihre Ausbildung im OYM beendet haben. Und dann? Seraina Kuratli «Mein erstes Ziel ist es, gesund zu bleiben. Ich hoffe, in unserem Team wird in der heissen Phase der Saison alles so zusammenpassen, dass es für den Meistertitel reicht.»
Wechsel ins Ausland?
Die Zukunft danach ist noch offen. Heisst: Kuratli hat Möglichkeiten, ins Ausland zu wechseln. Ein Transfer innerhalb der Schweiz kommt für sie nicht infrage. «Entweder ich bleibe bei GC/Amicitia oder gehe ins Ausland. Aktuell sind viele Fragen offen. Ob ein Wechsel jetzt Sinn macht, wird sich zeigen», so Kuratli.
Mit der Schweizer Nati will Kuratli langfristig auch grosse Erfolge feiern. Mit ihren 18 Jahren gehört sie dabei zu den vielversprechendsten Talenten in der ganzen Handball-Schweiz. «Solche Erfolge wie der Cupsieg jetzt machen natürlich hungrig auf mehr», sagt sie.


