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14.08.2026 Region BremgartenMehr Psychologe als Fahrer
Was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Jens Malek, Gemeinderat und Busfahrer
Nach vielen Stationen in seinem Leben hat der Künter Gemeinderat Jens Malek als Busfahrer seine Berufung gefunden. ...
Mehr Psychologe als Fahrer
Was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Jens Malek, Gemeinderat und Busfahrer
Nach vielen Stationen in seinem Leben hat der Künter Gemeinderat Jens Malek als Busfahrer seine Berufung gefunden. Er geniesst es.
Roger Wetli
«Ich hatte schon immer Freude an grossen Autos», lacht Jens Malek. Und gross sind die Busse mit 18 bis 18,75 Metern wirklich, die er für die Wicki Transport GmbH in Zufikon auf den Strecken zwischen dem Kelleramt, Baden und Zürich fährt. Malek weiss, dass viele Personen das Gefühl haben, ein Berufswechsel zum Busfahrer sei ein Abstieg. Für ihn ist es das nicht. Ihm gefällt dieser Beruf. «Zudem bin ich immer noch neugierig.»
Das hat ihm in seinem bewegten Leben sicher geholfen. Geboren in Wien und als Einjähriger mit seiner Mutter nach Chile gezogen, lebte der Halb-Schweizer/Halb-Chilene mal in der Schweiz, mal in Chile, in Brasilien und mal in Oman. Auch beruflich war Jens Malek vielfältig unterwegs. So arbeitete er als Programmierer und später im Aussendienst einer Versicherung. Mit 52 Jahren wurde der Küntener arbeitslos, fand nur eine temporäre Anstellung und bewarb sich schliesslich spontan als Busfahrer. Bereits kurz darauf fuhr er seinen ersten Linienbus. «Ich fühle mich in diesem Beruf mehr als Psychologe denn als Fahrer», erklärt er. Denn immer wieder sei Fingerspitzengefühl im Umgang mit Passagieren gefragt. Dabei hilft ihm, dass er auch eine Zeit lang im Security-Bereich tätig gewesen ist. Jens Malek möchte jetzt bis zu seiner Pensionierung Bus fahren – und vielleicht noch ein wenig darüber hinaus.
Serie – was machen Personen des öffentlichen Lebens sonst noch: Jens Malek, Künter Gemeinderat und Busfahrer
Er hat in seinem Leben schon viel gemacht und fährt jetzt seit neun Jahren Gelenkbusse der Wicki Transport GmbH in Zufikon: der Künter Gemeinderat Jens Malek. Er tut dies mit viel Leidenschaft und stets einem Lächeln auf den Lippen.
Roger Wetli
«Ich bin von Natur aus sehr neugierig und wissbegierig. Deshalb lerne ich gerne. Das hat nie aufgehört», lacht der heute 61-jährige Jens Malek. «Ich hatte auch nie Angst vor dem Scheitern und schäme mich nicht für Fehler.» Er weiss, dass von aussen ein Berufswechsel zum Busfahrer oft als Abstieg wahrgenommen wird. «Für mich ist es das nicht. Mir gefällt es», strahlt er.
Malek ist als Busfahrer auf den Linien anzutreffen, welche sein Arbeitgeber, die Wicki Transport GmbH in Zufikon, für die PostAuto AG betreibt. Ausgangspunkt ist dabei immer Bremgarten. Von dort fährt er den Bus mal nach Baden, Zürich oder ins Kelleramt. «Ich hatte einfach schon immer Freude an grossen Autos. Da passen diese Busse mit einer Länge von 18 bis 18,75 Metern hervorragend.»
Von Wien nach Chile und in die Schweiz
Malek erinnert sich: «Mit 15 Jahren bin ich bereits einen Chevrolet-Pick-up gefahren. Da lebte ich gerade in Chile.» Erzählt er aus seinem Leben, riecht das nach einem grossen Abenteuer. Geboren in Wien als Halb-Schweizer/Halb-Chilene zog er mit seiner Mutter bald nach Chile. Ein Jahr alt war er damals. Dort wuchs er auf und sprach Spanisch. Mit 19 Jahren flog er in die Schweiz und absolvierte bei Globus-Informatik die Lehre zum Programmierer. Später arbeitete er im Aussendienst einer Versicherung.
Dann war er acht Jahre lang in Brasilien und lernte dafür Portugiesisch. «Das fiel mir leicht», erinnert sich Jens Malek. Ein Abstecher führte ihn für 1,5 Jahre als IT-Manager in den Oman. Daneben arbeitete er als Tauch-Instruktor. Zum entsprechenden Brevet kam er in der Tauchschule seiner Mutter in Chile.
Später arbeitete er wieder in der Schweiz und wurde mit 52 Jahren arbeitslos. Er erhielt eine temporäre Anstellung in einer Firma, die gerade einen Einstellungsstopp beschlossen hatte. «Einen neuen dauerhaften Job in diesem Alter zu finden, war schwierig», blickt Malek zurück. In Österreich lernte er in dieser Zeit jemand von PostAuto AG kennen. «Das war Zufall», blickt er zurück. «Ich bewarb mich bei der Wicki Transport AG, wurde zwei Wochen danach zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen und fuhr vier Wochen später bereits mein erstes Postauto. Das war am 1. Juli 2017.» Die entsprechende Prüfung machte er während seiner Zeit in Brasilien. «Ich dachte, das könnte ich mal ausprobieren», zuckt Jens Malek mit den Schultern. Zumal er seit seiner ersten Zeit in der Schweiz bereits das Lastwagen-Billett hatte, weil er damals in der Feuerwehr die grossen Fahrzeuge fahren wollte.
Freundlichkeit schwindet
Und jetzt also Busfahrer – das seit neun Jahren. «Ich fühle mich in diesem Job mehr als Psychologe denn als Fahrer», lacht er. «Denn immer wieder erfahre ich die Geschichten von Passagieren oder muss bei gewaltbereiten Gästen Fingerspitzengefühl beweisen.» Ihm hilft dabei, dass er während seiner Zeit als Arbeitsloser eine Weiterbildung im Security-Bereich gemacht hatte. «Man lernt dort, wie man deeskalierend wirken kann», so Malek. Ihm fällt auf, dass sich das Verhalten vieler Passagiere während der Pandemie dauerhaft verändert hat. Das bedauert Jens Malek. «Früher wurden wir Busfahrer viel öfter gegrüsst – vielleicht von 30 Prozent der Fahrgäste. Heute tun das sicher weniger als 5 Prozent. Sie laufen einfach rein und sagen nichts mehr.» Malek vermisst die Freundlichkeit und Menschlichkeit. «Als Fahrer werden wir von den Passagieren nicht mehr wahrgenommen. Zum Glück verkaufen wir im Bus immer noch Fahrkarten. So gibt es dort wenigstens ab und zu direkte Kontakte.»
Staunen über andere Verkehrsteilnehmende
Fuhr der Küntener zu Beginn noch kleinere Busse, werden heute von der Wicki Transport AG ausschliesslich Gelenkbusse eingesetzt. Deren Antrieb erfolgt zunehmend elektrisch. «Das Fahrgefühl ist sehr angenehm. Sie beschleunigen feiner und regelmässiger und sind besser klimatisiert», lobt Jens Malek diesen technischen Fortschritt. Bisher hatte er einen einzigen kleinen Aufpraller im Depot in Zufikon. Sein Fahrzeug rutschte beim Bremsen in die Hallenwand. Im Strassenverkehr passierte ihm das bisher nie. «Als Busfahrer muss ich immer vorausschauend mein Fahrzeug steuern. Denn bremse ich abrupt, könnten Fahrgäste verletzt werden.»
Als Busfahrer sei er eigentlich für alle Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Dies, weil er eines der längsten Fahrzeuge überhaupt auf den Strassen lenkt. «Ich arbeite täglich daran, die Fehler, die Unachtsamkeit und das egoistische Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmenden gelassen zu nehmen.» Das mache ihn mittlerweile auch ruhiger, auch wenn er privat unterwegs sei. «Gelingt einem das nicht, übt man den Beruf des Busfahrers nicht lange aus», ist Malek überzeugt. Trotzdem staunt er darüber, wie auf den Strassen jeder mit sich selber beschäftigt ist. «Sie blinken nicht, missachten Rechtsvortritte und schauen auf ihre Handys. Sie schieben ihre Verantwortung damit an mich und meine Berufskollegen ab.» Als Busfahrer versuche er stets freundlich zu sein. «Ich hoffe, damit auch die anderen Verkehrsteilnehmenden anzustecken. Aber schlussendlich kann ich nur mich selber ändern – und nicht die anderen.»
Trotzdem steigt sein Puls, wenn er über eine Szene wie diejenige spricht, die er in seinem Wohnort Künten erlebt hat. «Ich hielt den Bus an und ein Mann lief mit seinem kleinen Kind vor dem stehenden Bus über den Fussgängerstreifen. In dem Moment überholte ein Fahrzeug den Bus und hätte beinahe das Kind überfahren.»
Fast wie eine Familie
Apropos Künten: Gerade im Bereich öffentlicher Verkehr profitiert der Gemeinderat immer wieder durch sein Wissen. Kandidiert hat er einst aus purer Neugier, ohne sich grosse Wahlchancen auszurechnen. «Dass ich dieses Amt trotz Schichtbetrieb ausüben kann, verdanke ich meinem Chef», lobt er. «Ich darf auch mal kurzfristig frei machen. Zudem werden die Termine der Gemeinde in der Jahresplanung berücksichtigt und jeder zweite Montagabend ist für den Gemeinderat reserviert.» Für etwas Abwechslung als Busfahrer sorgt zudem, dass er sich seit acht bis neun Jahren um die Informatik der Wicki Transporte AG kümmert. «Ich fühle mich hier wohl. In dieser Firma herrschen eine gute Stimmung und ein grosser gegenseitiger Respekt über alle Stufen hinweg. Es ist fast wie in einer Familie», lacht der Küntener.
Unter anderem darum möchte Jens Malek jetzt noch bis zu seiner Pensionierung in vier Jahren – «oder vielleicht ein bisschen länger», lacht er – Bus fahren. «Das macht mir schlicht Freude. Als Busfahrer ist man gefordert, wir müssen immer aufmerksam sein, den Verkehr vorausschauend lesen, die Fahrgäste richtig einschätzen und die Arbeitskollegen verstehen und unterstützen. Ich glaube, das gelingt mir gut.»



