Steuerfuss als Knackpunkt
10.03.2026 Mutschellen, Oberwil-Lieli, KircheWiderstand gegen die Fusion der Kirchgemeinden zeichnet sich ab
Sinkende Mitgliederzahlen, sinkende Steuereinnahmen, weniger Freiwillige und weniger Personal für die Behörden: Die drei römisch-katholischen Kirchgemeinden auf dem Mutschellen prüfen ...
Widerstand gegen die Fusion der Kirchgemeinden zeichnet sich ab
Sinkende Mitgliederzahlen, sinkende Steuereinnahmen, weniger Freiwillige und weniger Personal für die Behörden: Die drei römisch-katholischen Kirchgemeinden auf dem Mutschellen prüfen einen Zusammenschluss. Am 14. Juni wird an der Urne darüber abgestimmt.
Erika Obrist
Am Hungertuch nagen sie nicht, die römisch-katholischen Kirchgemeinden Berikon-Rudolfstetten-Bergdietikon, Eggenwil-Widen und Oberwil-Lieli. Mehr noch: Mit ihren Sakralbauten, Pfarrhäusern, Begegnungszentren und dem Eigenkapital haben sie einige Vermögenswerte in den Buchhaltungen. Die Finanzen sind es also – vordergründig – nicht, welche einen Zusammenschluss notwendig machen. Vielmehr ist es der Blick in die Zukunft, welcher die drei Kirchenpflegen dazu gebracht hat, das Projekt «Zusammenschluss» in Angriff zu nehmen. Im August letzten Jahres fanden dazu erste Informationsanlässe statt. Im gleichen Monat erfolgte eine Umfrage unter den Mitgliedern: 12 Prozent machten mit; 85 Prozent der Teilnehmenden waren fürs Fortführen des Projekts.
Finanzielle Auswirkungen geklärt
Inzwischen hat die Projektgruppe, in der unter anderen alle drei Präsidenten der Kirchenpflegen vertreten sind, eine Bestandesaufnahme der Immobilien vorgenommen, die finanziellen Auswirkungen des Zusammenschlusses geklärt, einen Finanzplan über fünf Jahre erstellt sowie eine Kirchgemeindeordnung und einen Zusammenschlussvertrag ausgearbeitet. Die letzten beiden Dokumente liegen derzeit bei der Landeskirche zur Prüfung.
Im Mehrzweckraum des Kindergartens Oberwil informierte die Projektgruppe über den Stand des Projekts. Mehr als sechzig Leute wollten wissen, wohin die Reise der drei Kirchgemeinden gehen soll. Georges Rey, Präsident der Kirchenpflege Oberwil-Lieli, nannte zu Beginn nochmals die Gründe für einen möglichen Zusammenschluss. Es sind dies vor allem sinkende Mitgliederzahlen und, damit verbunden, tiefere Steuereinnahmen, weniger Freiwillige und weniger Leute, die sich in den Behörden engagieren. Das Gemeindeleben in den drei Kirchgemeinden mit den vier Pfarreien ist seit 2012 im Pastoralraum am Mutschellen zusammengefasst. «Hier ändert sich mit dem Zusammenschluss der Kirchgemeinden nichts», versicherte Georges Rey.
Änderungen gäbe es bei den Behörden und der Verwaltung. Vorgesehen sind in der ersten Amtsperiode sechs Mitglieder der Kirchenpflege, zwei aus jeder heutigen Kirchgemeinde. Die Verwaltung soll «professionalisiert» werden. Auf gut Deutsch: Es wird teurer, vor allem durch die Auslagerung der Buchhaltung an ein privates Unternehmen. Mit 0,3 Prozent Kostenzuwachs pro Jahr für die Verwaltung rechnet die Projektgruppe. Dies bei rund 1 Prozent weniger Steuereinnahmen pro Jahr.
Steuerfuss von 17 Prozent
Franz Rutzer, Präsident der Kirchenpflege Eggenwil-Widen, stellte den Finanzplan der fusionierten Kirchgemeinde am Mutschellen vor. Gerechnet wird mit einem Steuerfuss von 17 Prozent. So hoch ist er derzeit in Berikon-Rudolfstetten-Bergdietikon, Eggenwil-Widen hat 18 Prozent, Oberwil-Lieli 15 Prozent. «Wir haben die finanziellen Auswirkungen mit einem Steuerfuss von 15, 16, 18 und 19 Prozent gerechnet», so Rutzer. Mit 17 Prozent sei es möglich, jährlich einen Überschuss zu erzielen beim Mittelfluss.
Bei der anschliessenden Diskussion zeigte sich rasch, dass der Steuerfuss ein Knackpunkt beim geplanten Zusammenschluss sein könnte. Denn die zwei Steuerfusspunkte mehr in Oberwil-Lieli bedeuten 13,33 Prozent höhere Abgaben. Und dies bei «null Synergieeffekt», wie vorgebracht wurde. Anders ausgedrückt: Der Zusammenschluss führt nicht zu Einsparungen, sondern insgesamt zu höheren Ausgaben gegenüber heute.
Die Kirchgemeinden seien gewachsene Gebilde, wurde weiter vorgebracht. «Will man diese nun tatsächlich auflösen?», so eine rhetorische Frage. Zudem bringe ein grösseres Gebilde weniger Mitsprache mit sich sowie auch weniger Nähe. Die ablehnenden Wortmeldungen im Mehrzweckraum waren deutlich in der Überzahl.
Alle müssen zustimmen
Wie geht es nun weiter? Ende April findet eine weitere Informationsveranstaltung in Rudolfstetten statt. Am 14. Juni folgt in jeder Kirchgemeinde die Abstimmung über den Zusammenschluss an der Urne. «Jede Kirchgemeinde muss zustimmen, damit das Projekt umgesetzt werden kann», so Georges Rey. Erfolgt auch in nur einer Kirchgemeinde ein Nein, so ist das Projekt beendet. Bei einem dreifachen Ja stehen im November 2026 die Wahlen der neuen Kirchenpflegemitglieder, des Präsidenten sowie der Synodalen für die Amtsperiode 2027 bis 2030 an der Urne. Am 1. Januar 2027 könnte die Römisch-Katholische Kirchgemeinde am Mutschellen den Betrieb aufnehmen. Eine erste Kirchgemeindeversammlung ist im April 2027 vorgesehen.
Die Präsentation zum Informationsanlass findet man unter kathmutschellen.ch.

