Steinböcke wollen hoch hinaus
13.03.2026 Bremgarten, MusikEin Hornquartett gastiert beim Frühlingskonzert des Orchesters Bremgarten
Das Orchester Bremgarten probt zurzeit intensiv für sein Frühlingskonzert «Unvollendet». Im Mittelpunkt steht diesmal ein junges hochkarätiges Hornquartett. Die ...
Ein Hornquartett gastiert beim Frühlingskonzert des Orchesters Bremgarten
Das Orchester Bremgarten probt zurzeit intensiv für sein Frühlingskonzert «Unvollendet». Im Mittelpunkt steht diesmal ein junges hochkarätiges Hornquartett. Die «CapriCorns» werden ihrem romanischen Namen gerecht: Verspielten Steinböcken gleich meistern sie elegant und vital musikalische Grate und Tonsprünge – unter «Bergführer» Renato Botti.
Albert Schumacher
«Unser Hornlehrer brachte uns in der Coronazeit zusammen, damit wir trotzdem weiterspielen konnten», erzählt Gian Dubach über seine Anfänge mit Muriel Haag. Dann sei die Anfrage eines Tonmeisters für ein Bachelor-Projekt mit vier Hornisten gekommen. «Das war das erste Mal, dass wir alle vier zusammen spielten.»
Muriel Haag, Gian Dubach, Luis Baumann und Florian Frutiger. Das Projekt zusammen mit einem Männerchor wurde damals mit viel technischem Aufwand ohne Publikum in der Kirche Sursee aufgenommen. Haag schwärmt: «Wir haben da gleich gespürt, dass wir als Quartett schön harmonierten.» Beim Anhören der Tonaufnahme habe man gemerkt: «Das tönt ja auf Anhieb ganz gut, ohne allzu viele Proben.»
Also beschlossen die vier zusammenzubleiben, in der Gewissheit, dass viel ansprechende Literatur für die Konstellation Hornquartett als Solo existiert. Das versprach für die Zukunft viel Arbeit, die Spass macht.
Selten sind hingegen Werke für vier Hörner und Orchester – wie das Konzert in F-Dur von Carl Heinrich Hübler –, welches das Orchester Bremgarten nun mit den «CapriCorns» aufführt. Bei den Proben im Zeughaussaal war das aufstrebende Quartett übrigens nur gerade dreimal dabei. In den restlichen Proben streute Dirigent Renato Botti jeweils die Hornpassagen gesanglich souverän ein und vermittelte so dem Orchester eine 1:1-Vorstellung des Stückablaufs.
Ein Stern am Hornhimmel
Hornist Florian Frutiger streicht heraus: «Von Schumann, dessen Ouvertüre aus op.52 das Bremgarter Konzert einleitet, kennt man auch ein Konzertstück für vier Hörner, welches für alle kommenden derartigen Werke eine echte Inspiration darstellte. In der Hornwelt gilt es als Pionierwerk, weil es einerseits sehr schwierig, aber auch sehr schön ist.» 1850 wurde dieser «Horn-Stern» in Leipzig uraufgeführt und erntete – als Reminiszenz – folgende Rezension: «Eben so seltsam die Idee genannt werden muss, ein Quadrupelkonzert für Hörner zu schreiben, eben so eigentümlich und wertvoll ist die Komposition selbst.»
Familiäre musikalische Einflüsse
Fast durchwegs haben die Mitglieder des Quartetts mehr oder weniger ausgeprägte familiäre Hintergründe. Muriel Haags Eltern sind als Laien in verschiedenen Orchestern aktiv, auch Tante und Onkel sind vom Musikvirus erfasst; Cousin und Cousine studieren gar Musik. «In diesem Clan war es für mich keine Frage, dass ich ein Instrument lernte. Nach der obligaten Blockflöte war es dann das Horn, das mich packte.» Florian Frutiger nennt es ein Privileg, dass beide Eltern Musik studierten. «Als Kind hörte ich ‹Till Eulenspiegel›, und das bekannte Hornsolo hat mir den instrumentalen Kick gegeben.» Bei Luis Baumann aus Celerina – mit Muttersprache Rätoromanisch – war der Einfluss weniger ausgeprägt: «Meine Mamma sang gerne und spielte Klavier, mein Grossvater machte bei einer Ländlerkapelle mit. Als die Mutter in einem Opernchorprojekt mitwirkte, durfte ich dabei sein, und da wurde ich angesteckt.» Gian Dubachs Eltern lernten sich über die Musik kennen, die Mutter spielt Cello als Amateurin, der Vater singt im Chor. «Meine Mutter hatte eine CD mit Mozarts Hornquartetten, und das löste meine Hornliebe aus.»
ETH oder die 7. Symphonie von Mahler?
Die vier «CapriCorns» treffen sich wöchentlich zu Proben in Zürich, wo sie auch studieren. Muriel Haag möchte an der Uni Biologin werden, die drei männlichen Musiker nennen als ETH-Ziel Bauingenieur, Elektrotechniker und Architekt. Aber alle schliessen einhellig nicht aus, dass sie künftig ein Musikstudium anstreben. Und aufgrund der Rückmeldungen von ihren Musiklehrern trauen sie sich das auch zu. Befragt nach ihrem musikalischen Traumziel, sind sie sich schnell einig: Es töne fast schon kitschig, aber die 7. Symphonie von Gustav Mahler – den Superstar am Hornhimmel mit etlichen sehr anspruchsvollen Hornpassagen – möchten sie liebend gerne spielen. Dirigent Renato Botti gelobt schmunzelnd, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen: «Im nächsten Leben.»
Bremgarter Konzert ist «etwas Besonderes»
Im Moment jedoch freuen sie sich auf das Konzert in Bremgarten. Muriel Haag betont, wie toll sie dieses Projekt finden: «Für uns alle war seit Anbeginn die Zusammenarbeit mit dem 35-köpfigen Orchester etwas sehr Besonderes, wir waren schon etwas nervös.» Und Gian Dubach stimmt bei: «Für ein Hornquartett ist es nicht die Norm, dass man mit einem Orchester spielen kann und darf – denn eigentlich ist das eine geschlossene Formation in sich. Auch darum, weil so wenig entsprechende Literatur vorliegt.» Florian Frutiger erinnert sich begeistert an die erste Probe: «Wenn wir zum Beispiel forte oder fortissimo spielen, kommt das vom Orchester zurück, man schaukelt sich gegenseitig auf, es entspinnt sich ein Dialog, eine Dialektik.»
Dem wird die Präsidentin des Orchesters nur allzu gerne beipflichten; Franziska Schmid Jäger schwärmte von dem feu sacré, dem Enthusiasmus, der Motivation des Quartetts im Vorfeld des Anlasses. Man darf sich wahrhaftig auf ein packendes Konzert freuen, mit energischen «CapriCorns», die als Bündner Wahrzeichen, aber auch «patschifig» sind und ein gemütliches Lebensgefühl ausstrahlen.
Unter dem Titel «Unvollendet» spielt das Orchester Bremgarten unter der Leitung von Renato Botti am 22. März um 17 Uhr in der Stadtkirche Werke von Robert Schumann, Carl Heinrich Hübler und Franz Schubert.

