Steife Brise für Bahnhofspläne
01.05.2026 Bremgarten, BaugewerbeBahnhofpläne werden konkreter
Umgestaltung von Bremgartens Eingangstor gibt zu reden
Sechs Jahre ist es her, dass die Verantwortlichen das Siegerprojekt erkoren. Nun, nach dem Inkrafttreten der BNO, konnte man der Bevölkerung einen ...
Bahnhofpläne werden konkreter
Umgestaltung von Bremgartens Eingangstor gibt zu reden
Sechs Jahre ist es her, dass die Verantwortlichen das Siegerprojekt erkoren. Nun, nach dem Inkrafttreten der BNO, konnte man der Bevölkerung einen Gestaltungsplan zu diesem neuen Bremgarter Bahnhof mit zwei Neubauten, einer umgestalteten Zürcherstrasse und einem Busbahnhof präsentieren. Bereits die Infoveranstaltung diese Woche zeigte – die Details des Projekts dürften noch zu reden geben. --huy
Die Präsentation des neuen Gestaltungsplans bewegt die Bremgarter Gemüter
Am Montag startete die öffentliche Mitwirkung für die Zukunftsgestaltung des Gebietes rund um den Bremgarter Bahnhof. Gleichzeitig lud die Stadt zusammen mit weiteren Verantwortlichen zur öffentlichen Infoveranstaltung. Dort wurde bereits klar – ganz ohne Gegenwind aus der Bevölkerung dürften die Pläne kaum abgesegnet werden.
Marco Huwyler
«Wo sind die hochwertigen Freiräume?», «Ich sehe lauter irritierende Ausnahmen!», «Wo profitieren eigentlich wir Bremgarter?» – plötzlich ging es hitzig zu und her im Zeughaussaal. Gehässig und persönlich gar zuweilen. Mit Applaus und höhnischem Gelächter nach gewissen Voten.
Dabei hatte zu Beginn doch noch alles wie aus dem Bilderbuch geklungen. An einem schönen Bremgarter Frühlingsabend. Die vier Mosaiksteine (Zürcherstrasse, Bushof, Gleisanlagen und Bahnhofs-Gebäude), die sich künftig zu einem harmonischen Ganzen als neues städtisches Eingangstor vereinen, wurden abermals vorgestellt. Mit Luftbildern aus Bremgarten von 1940 bis heute, welche die gestiegene Bedeutung des Areals ersichtlich machen. Die Besuchenden wurden aufdatiert über Fortschritte der einzelnen Projekte, die auf so wichtigem städtischem Gebiet umgesetzt werden, dass es der Lage wegen (Kernzone) eine Gestaltungsplanpflicht braucht. Nach dem Inkrafttreten der Bau- und Nutzungsordnung liegt dieser Plan nun vor und konnte präsentiert werden – wobei die Bevölkerung via Mitwirkungsverfahren bis zum 26. Mai partizipieren darf.
Nur Gewinner?
Ein städtebauliches Projekt, das eigentlich scheinbar nur Gewinner kennt. Der Kanton, der damit sein Bus- und Kantonsstrassennetz modernisiert und die Verdichtung im Wachstumsschwerpunkt Bremgarten vorantreibt. Die AVA, welche ihre Infrastruktur ihren modernen Anforderungen angleicht und gleichzeitig zwei lukrative Renditeobjekte bauen kann. Und die Stadt, welche beim Eingangstor vergleichsweise günstig eine neue ÖV-Drehscheibe erhält – und attraktive Wohnungen bzw. Gewerberäume für neue (steuerzahlkräftige) Einwohner und Firmen.
Zwei prägende Gebäude
Sechs Jahre ist es mittlerweile her, dass «Drop By» des Architekturbüros Schneider&Schneider von den Verantwortlichen zum Siegerprojekt für die Gestaltung erkoren wurde. «Das Konzept hat mit seiner Vision damals überzeugt und tut das noch heute», schwärmt Manuela Ronchetti, von der Planwerkstatt AG, welche darauf basierend mithalf, einen neuen Gestaltungsplan zu entwickeln. Die beiden Gebäude «Gleis 1» – das Bahnhofsgebäude, das auf dem Dach des Bushofs aufgebaut ist – und das 27 Meter hohe «Reusstor» gleich anschliessend auf dessen Ostseite mit seinen acht Oberund zwei Untergeschossen, «die sich harmonisch zum Stadtbild mit dem bisherigen City-Center einfügen und doch einen klaren Akzent setzen». Das Planungsbüro in der Person von Ronchetti wies insbesondere auf die Vorzüge der Umgebungsgestaltung im Vergleich zum Status quo hin. Eine entflochtene Fussgängerzone, die öffentliche Zugänglichkeit begrünter Umgebungsabschnitte, neue Veloabstellplätze und – die wegfallende unübersichtliche Einund Ausfahrt zum Parkhaus des City Centers. Denn dieses soll künftig unterirdisch mit den Parkflächen der neuen Gebäude verbunden werden und eine Einfahrt beim «Reusstor»-Gebäude erhalten. «Zudem wurden die Anlieferungen zu den einzelnen Geschäften optimiert», erklärte Ronchetti – und lieferte damit unbeabsichtigt den Anstoss zu einer offenen Diskussion.
Plötzlich ein Schlagabtausch
«Alles klar – das wird aber in der Praxis mit Sicherheit nicht funktionieren. Nicht mit diesen Platzverhältnissen», warf jemand ein, als ihm Ronchetti das Konzept mit den einzelnen Anlieferslots auf Nachfrage nochmals erläuterte. Und plötzlich war man mittendrin im Frage-Antwort-Spiel – wo doch die Präsentation doch noch mitnichten abgeschlossen gewesen wäre. Denn weitere Hände schnellten in die Höhe. Ronchetti sah sich unvermittelt im Kreuzfeuer von verschiedensten Einwänden und versuchte sich – immer wieder mit Unterstützung des städtischen Abteilungsleiters Stefan Walder, Stadtrat Sandro Schmid und Stadtammann Stephan Troxler – so gut es ging in Beantwortung und Beschwichtigung.
Beispiel: «Wo bleiben eigentlich die Spielplätze bei einem so grossen Wohnprojekt?» Ronchetti: «Dafür hat es schlicht keinen Platz.» Und – angesichts von angedachten Single- und Paarwohnungen – «Man muss sich auch fragen, ob eine ÖV-Drehscheibe der richtige Ort für Spielplätze wäre?» Der umjubelte Konter: «Man kann sich aber auch fragen, ob es der richtige Ort für solche grossen Rendite-Gebäude ist!»
So ging es hin und her im Zeughaussaal. Einer Wortmeldung folgte die nächste. Die Abstandsunterschreitung der geplanten Gebäude zur Zürcherstrasse wurde moniert. Die 55 kantonalen Vorbehalte zum Projekt. Der geringe Anteil von Freiräumen, wo diese doch eigentlich vorgeschrieben wären. Die beabsichtigte Nutzung der Hochhäuser – wobei alternative Vorschläge («Alterswohnungen», «Der neue AVA-Hauptsitz») auf dem Fuss folgten. Mit dem Gestaltungsplan hatte solches freilich irgendwann nicht mehr viel zu tun – und so oblag es Stadtammann Troxler schliesslich, elegant die Reissleine zu ziehen. «Wir haben beim Apéro noch viel Zeit für weitere Diskussionen», warf er charmant, aber bestimmt ein. «Danke für euer aller Engagement!»
Der Grundtenor bleibt positiv
Bevor man sich indes dem Befeuchten der Kehlen widmete, nahm Troxler noch via Smartphone-Abstimmungstool «Mentimeter» – wie mittlerweile an städtischen Veranstaltungen Usus – den Puls der Anwesenden. Und das offenbarte durchaus Erstaunliches: Die rund 50 Gekommenen waren allen Diskussionen zum Trotz immer noch mehrheitlich positiv zum Gesamtprojekt eingestellt – wie bereits zu Beginn des Abends.
«Das ist doch gar nicht mal so schlecht», befand auch Theo Rau anschliessend im kleinen Kreis. Der Alt-Stadtrat hatte die Diskussion ums wegweisende Projekt, wie viele Exponenten aus der Bremgarter Politik und Wirtschaft, gespannt mitverfolgt. Doch auch wenn die Grundstimmung eine Positive bleibt, ist davon auszugehen, dass die steife Brise, die den Details des Projekts aus verschiedenen Richtungen entgegenbläst, in den kommenden Monaten eine Fortsetzung erfährt. Denn was «Mentimeter» ebenfalls zeigte – man bleibt kritisch engagiert und an Partizipation interessiert in Bremgarten. Rund die Hälfte derjenigen, die abstimmten, gab an, sich an der Mitwirkung sicher oder vielleicht zu beteiligen. Es wird deshalb spannend, was die nächsten Tage diesbezüglich alles so mit sich bringen an Vorschlägen – und wie diese anschliessend weiterverfolgt und diskutiert werden.
Der Entwurf des Gestaltungsplans Bahnhofsareal liegt noch bis zum 26. Mai öffentlich auf. Die Dokumente sind zudem auf www.bremgarten.ch einsehbar. Hinweise und Vorschläge können schriftlich beim Stadtrat eingereicht werden.



