Sind die Uferbäume eine Gefahr?
24.07.2026 Bremgarten, NaturGlück im Unglück
Einsturzgefährdete Bäume?
Bloss wenige Tage vor dem Reussfoodfestival ist dort, wo danach vier Tage lang Menschenmassen feierten, ein Baum umgestürzt. Glück im Unglück – doch kann dies wieder passieren? Betreffende Ahornbäume gibt es dort weitere. Wir haben mit dem Werkhof über Gründe, Kontrollen, Sicherheit, Massnahmen und den Bremgarter Baumbestand gesprochen. --huy
Nach einem Vorfall vor dem Reussfoodfestival stellen sich Fragen zur Sicherheit an belebten Bremgarter Abschnitten
Während den Vorbereitungsarbeiten auf das beliebte Bremgarter Festival krachte vor rund einem Monat ein tonnenschwerer Ahorn zu Boden. Offensichtlich war er nicht mehr ganz gesund. Ein Einzelfall? Oder sind die alten Bäume am Reussufer und anderswo ein Sicherheitsrisiko in Bremgarten? Der Werkhof erklärt, wie er damit umgeht.
Marco Huwyler
Man mag es sich kaum ausmalen. Was, wenn er noch ein paar Tage länger durchgehalten hätte? Der mächtige rund 12 Meter hohe Ahornbaum unweit der Holzbrücke am Reussufer vor dem Casino. Genau dort, wo der tonnenschwere Koloss während eines Unwetters am Abend des 19. Juni darniederging, versammelten sich fünf Tage später Hunderte Menschen zum fröhlichen Stelldichein. So gesehen entging man jüngst in Bremgarten um Haaresbreite einer möglichen Katastrophe.
Baumbestand wird laufend überwacht
«Wir haben Glück gehabt», gibt der städtische Werkhofleiter Oliver Burgunder unumwunden zu. Sein Werkhof ist für den Unterhalt der Bäume am Reussufer und in öffentlichem Siedlungsgebiet zuständig. Es sind Hunderte Bäume über die ganze Stadt verteilt. «Wir prüfen ihren Zustand gemäss einem Turnus regelmässig», sagt er. Jeder Baum habe eine Nummer. «Besonders exponierte oder optisch auffällige Exemplare kommen zudem in ein Register und werden häufiger kontrolliert.»
Dabei zieht der Werkhof jeweils einen Spezialisten zu Rate. «Ein Baupfleger, der sich hauptberuflich mit derlei beschäftigt.» Als gefährlich eingestufte Auswüchse werden zurückgeschnitten. Abgestorbene Äste oder sichtbar kranke Bäume regelmässig entfernt. Teils ist dies mit erheblichem Aufwand verbunden. So kommen beispielsweise Kran-LKWs oder Helikopter zum Einsatz. Das Gefahrenpotenzial des Baumbestands hat man beim Werkhof also laufend auf dem Schirm. Doch Burgunder betont nachdrücklich. «Die absolute Sicherheit, die gibt es einfach nicht.»
Von aussen scheinbar gesund
Der umgestürzte Ahorn am Reussufer war bei Burgunders Team unter Beobachtung. «Er war schon derjenige, der optisch am schlechtesten aussah von den Bäumen beim Casino», sagt der Werkhofleiter. Man hatte ihn deshalb bereits deutlich zurückgeschnitten. Bloss: «Besonders auffällig war der Baum auch wieder nicht. Er hat auch dieses Jahr kräftig neues Laub getragen und alles in allem einen gesunden Eindruck gemacht.» Der Niedergang am 19. Juni – und der Umstand, dass der umgeknickte Baumstamm dann äusserst morsch aussah – sei für sein Team eine unliebsame Überraschung gewesen. «Aber eine, die immer passieren kann.» Es sei überdies nicht der einzige Baum gewesen, der dem Unwetter an besagtem Tag zum Opfer gefallen sei – wenngleich die anderen nicht ganz so prominent lagen. «Es hat schon ziemlich heftig gewindet an diesem Abend.» Mit entsprechenden Konsequenzen.
Kosten und Verhältnismässigkeit
Burgunder erklärt, dass es durchaus Mittel und Wege gäbe, die Bäume noch gründlicher und engmaschiger zu kontrollieren. «Doch es stellt sich stets die Frage nach den Kosten und der Verhältnismässigkeit», sagt der Werkhofleiter. Auch in Bremgarten gebe es zwar einige wenige Bäume, bei denen man regelmässig eine sogenannte Tomografie durchführe, um den inneren Zustand des Stamms sichtbar zu machen. «Doch das ist bei uns bloss sehr alten, mächtigen Bäumen vorbehalten. Beispielsweise der Linde beim Kindergarten Unterstadt», erklärt Burgunder. Eine grossflächige Tomografie-Kontrolle sei mit den jetzigen Mitteln nicht machbar, nicht Usus in der Branche und auch politisch nicht gewollt.
Doch selbst wenn man noch öfter und intensiver kontrollieren würde: «In Baumnähe muss man theoretisch immer damit rechnen, dass etwas passieren kann.» Dessen sollte man sich stets bewusst sein – gerade wenn man sich bei starken Winden dort aufhält. «Was ich niemandem empfehlen würde», betont Burgunder. Denn gefährlich sei schliesslich nicht nur ein Umsturz des ganzen Baums. «Auch herabfallende Äste könne schon gravierende Auswirkungen haben.» Und solche seien noch schwerer vorhersehbar. «Die Verantwortung dafür, kann wirklich niemand vollumfänglich übernehmen», ist der Werkhofleiter überzeugt. Zumal aktuelle Verhältnisse – wie der gegenwärtige Hitzesommer – den Bäumen arg zusetzen und auch rasche Verschlechterungen bewirken können. «Es kann sein, dass wir einen Baum heute kontrollieren und für gesund und ungefährlich befinden – er aber in ein paar Wochen als Folge der extremen klimatischen Verhältnisse und Wasserknappheit stark geschwächt und anfällig ist oder gar abstirbt.»
Abklärungen angekündigt
Man wird also auch in Zukunft stets überall mit einer Restgefahr leben müssen. Auch wenn Burgunder ankündigt, dass man demnächst – nach diversen Ferienabwesenheiten – intern eine Sitzung einberufen habe, um das weitere Vorgehen am Reussufer zu besprechen. Dabei wird geklärt, ob es rund um das Casino aktuell weitergehende Massnahmen braucht – gerade was jene Bäume anbelangt, die einst zeitgleich (wohl vor rund 70 bis 80 Jahren) mit dem kürzlich umgestürzten gepflanzt wurden. Wie geht es ihnen? Haben sie genügend Platz? Kann man sie noch besser pflegen? Und vor allem: Wie kann man die Gefahr minimieren, die von ihnen ausgeht? All dies wird dabei zu klären sein.
«Die Ahornbäume präventiv zu fällen, ist für mich aber keine Option», sagt der Werkhofleiter nachdrücklich. Das wäre für Burgunder nicht verhältnismässig. Ein Abwägen wird es so oder so immer bleiben. Ein Abwägen, das auch jeder für sich selbst machen muss, sobald er sich nach draussen begibt.



