«Sie hat es drauf»
20.02.2026 Sport, Kolumne, BobDer Freiämter Bob-Experte Christian Reich (58) hat seit 1992 keine Olympischen Spiele verpasst. Der einstige Weltklasse-Bobpilot aus Künten kommentiert aktuell für das Schweizer Fernsehen die Olympia-Wettbewerbe im Eiskanal von Cortina. Er ordnet die Leistung von Melanie Hasler ...
Der Freiämter Bob-Experte Christian Reich (58) hat seit 1992 keine Olympischen Spiele verpasst. Der einstige Weltklasse-Bobpilot aus Künten kommentiert aktuell für das Schweizer Fernsehen die Olympia-Wettbewerbe im Eiskanal von Cortina. Er ordnet die Leistung von Melanie Hasler ein.
Im 4. Lauf des Monobob-Rennens schafft Melanie Hasler die schnellste Zeit von allen. Was dachten Sie in jenem Moment?
Christian Reich: Sie hat es einfach drauf (lacht). Der letzte Lauf von ihr war sensationell.
Und dennoch reicht es nicht für eine Medaille.
Leider hat Melanie Hasler in den ersten zwei gut gefahrenen Läufen dennoch zu viel Zeit verloren. Im 3. Lauf, als sie alles auf eine Karte setzte, hat sie zu viel riskiert und viel Zeit verloren. Dort erreichte sie nur die neuntbeste Laufzeit. Der vierte und letzte Durchgang war beinahe perfekt und für die technisch schwere Bahn in Cortina ein Traumlauf. Über alle vier Läufe gesehen darf sie mit dem Monobob-Wettbewerb zufrieden sein und nun positiv die Zweierbob-Rennen starten.
Wie schätzen Sie dort ihre Medaillenchancen ein?
Es wird extrem schwierig mit einem Medaillengewinn im Zweierbob. Deutschland und die USA sind mit ihrem Material kaum zu schlagen. Aber Melanie Hasler und ihre Anschieberin Nadja Pasternack sind fit und haben allemal Aussenseiterchancen.
Es wird oft über die Materialvorteile diskutiert. Wie viel macht das wirklich aus?
Die USA und Deutschland haben im Vergleich zur Schweiz viel grössere Budgets für ihre Schlitten. Das ist ein klarer Vorteil. Sie können sich im Vergleich zu den restlichen Nationen im Eiskanal viel mehr Fehler erlauben. Hasler fährt aktuell im bestmöglichsten Schlitten der Schweiz. Doch dieser hinkt hinterher. Es ist ein Thema für sich, aber vom Schweizer Bob-Verband wurden zu viele Fehler gemacht.
2002 gewannen Sie selbst in Nagano die Silbermedaille an den Olympischen Spielen. Was sind Ihre Erinnerungen?
Es gehört zum Grössten, was ein Sportler erleben darf. Und ich würde es den Schweizer Athletinnen und Athleten von Herzen gönnen, wenn ihnen dies auch gelingt. Besonders natürlich Melanie Hasler (lacht). Es ist langsam bitter nötig, dass die Bob-Nation Schweiz nach 12 Jahren endlich wieder eine Olympia-Medaille holt.
Seit 1992 haben Sie keine Olympischen Spiele mehr verpasst. Sie waren als Pilot, als Trainer von Monaco, als Materialchef der Schweizer und auch als TV-Kommentator dabei. Und jetzt?
Diese Serie ist gerissen (lacht). Wir kommentieren von Zürich aus. Ich muss sagen, Olympia von zu Hause aus zu verfolgen, hat auch Vorteile. Man schläft mehr, es ist entspannter. Aber: Die Gespräche mit Sportlern und Mechanikern fehlen, da gibts viele detaillierte Einblicke. Aber eben nur vor Ort.
Wie schätzten Sie die Bobbahn ein?
Ich habe sie im letzten Herbst beim Weltcup vor Ort begutachtet. Die Bahn ist sensationell. Es braucht eine komplette Leistung, um schnell zu sein. Und: Es gibt kaum Sturzgefahr.
Ihre Söhne träumen von Olympia. Nils im Bob, Sven im Skeleton. Beide sind im Europacup aktiv. Was trauen Sie Ihnen zu?
Ja, sie wollen hoch hinaus und an die Olympischen Spiele. Der Weg ist weit, doch ich traue ihnen alles zu, wenn sie für ihre Träume kämpfen. --spr

