Sicherheit als Garant der Zukunft
19.06.2026 BremgartenIn der Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus sind Aspiranten zum Leutnant brevetiert worden
Die Tradition, dass die Beförderungsfeiern der Offiziersschulen Genie/Rettung/ABC im Bremgarter «Vatikan» stattfinden, hat deutlich mehr als symbolischen Charakter. Sie ...
In der Stadtpfarrkirche Sankt Nikolaus sind Aspiranten zum Leutnant brevetiert worden
Die Tradition, dass die Beförderungsfeiern der Offiziersschulen Genie/Rettung/ABC im Bremgarter «Vatikan» stattfinden, hat deutlich mehr als symbolischen Charakter. Sie ehrt den Zusammenhalt des Garnisonsstädtchens mit seinem seit 1966 bestehenden Waffenplatz. Festredner war Matthias Glarner, Schwingerkönig 2016.
Hans Rechsteiner
Militärische Anlässe folgen einem traditionellen Zeremoniell. In die voll besetzte Stadtkirche marschierten die 32 Offiziersaspiranten ein, die während 15 Wochen die auch körperlich fordernde und alle Disziplinen fördernde Offiziersschule auf dem hiesigen Waffenplatz durchgestanden hatten. Den feierlichen Einmarsch der Schweizer Fahne erlebten die Anwesenden stehend. Oberst Daniel Wegrampf, Kommandant der Offiziersschule, meldete an Brigadier Nils Blatter, den Kommandanten des Lehrverbands Genie/Rettung/ABC, auch er ein verdienter «Bremgarter». Das kleine Spiel der Stadtmusik spielte, dirigiert von Stefan Eichholzer, hervorragend.
«Schenken Sie Ihren Kameraden Aufmerksamkeit»
Daniel Wegrampf zitierte aus dem Dienstreglement. Dass Offiziere Verantwortung tragen für Führung, Ausbildung, Erziehung und Einsatz. Das verlange Mut, Hartnäckigkeit, Vertrauen, kompetentes Auftreten und Handeln. «Sie sind dafür gut ausgebildet, ich gratuliere Ihnen. Wir sind eine Armee für alle, leben Kameradschaft ohne Ansehen von Grad oder politischer Ausrichtung. Leistung, Erfolg und Zielerreichung sind nur im Team möglich. Schenken Sie Ihren anvertrauten Kameraden Aufmerksamkeit und Respekt. Und vergessen Sie nie, woher Sie kommen.» Wegrampf spannte seinen Gedankenbogen weiter: «Aufmerksamkeit ist der Preis der Freiheit. Wir alle tragen die Sicherheit unseres Landes in herausfordernder Zeit. Ernste Einsätze der Armee sind Realität geworden.» Umso wichtiger sei es, «dass wir den Sinn unserer Arbeit und unseres Engagements für unser Land vermitteln und deutlich machen».
Eigenen Weg gefunden
So wurde angesichts der militärischen und politischen Kompetenz Matthias Glarner, Schwingerkönig 2016 in Estavayer-le-Lac, angekündigt. Der 41-jährige Sportwissenschafter, in Meiringen aufgewachsen, einstmals Panzergrenadier, ist heute Trainer im Spitzensport der Armee. Er hielt ein beeindruckendes Referat, verknüpfte Lebenserfahrungen mit Visionen, grossen Träumen, Erfolg im Teamwork, sportlichem Druck, seiner Krise und einer Botschaft. Im Fussball sei er «relativ talentfrei» gewesen, die Mutter Profispielerin, die Schwester in der höchsten Liga. 115 Kilogramm schwer und 184 Zentimeter gross, wollte er Kampfjetpilot werden, das ging nicht, auch wegen seiner Grösse. Also Polymechaniker mit Berufsmatur, später Sportwissenschaft Uni Bern.
Lebenserfahrungen eines Schwingerkönigs
Ernsthafte Schwinger-Persönlichkeiten haben ein hartes Leben: 18 bis 20 Stunden schwitzen in der Woche, Sport bestimmt ihr Leben 24 Stunden an sieben Tagen, gezielte Ernährung, an jedem Detail arbeiten, fokussieren auf den Sport, hohe Ziele setzen. «Du investierst alles ohne Aussicht auf irgendwelchen Erfolg. Erfolg ist das Produkt eines Weges», stellte er fest, «und du musst dir hohe Ziele setzen, zäh und hartnäckig sein, auf vieles verzichten, zurückstecken.» Selbstdisziplin, Einsatzwille. Und Lehren ziehen. Als Glarner 2013 in Burgdorf im siebten Gang «in Würde» verlor, hiess das: an sich arbeiten. Er sei ein geborener Einzelsportler, Erfolg aber werde – wie im Militär – nur im Team möglich. «Also schaffe dir ein gutes Umfeld. Aber es folgt der Tag der Abrechnung», sagte Matthias Glarner. «Im Schlussgang bist du ganz allein, ob im Militär oder im Beruf, einsam. Dann musst du liefern, kannst scheitern. Aufstehen, das Sägemehl abwischen.» Für Matthias Glarner hat die Aussage «Auch ein König kann fallen» eine spezielle Bedeutung. 2017 ist der Mitarbeiter von einer Gondel der Haslibergbahnen zwölf Meter tief abgestürzt und hat sich schlimme Bein- und Beckenbrüche zugezogen. Es war ein sehr steiler Weg zurück. «Stolpersteine gehören zum Leben», sagte er und zieht als Lehre daraus: «Jede kleine Unaufmerksamkeit kann dein Leben in Sekunden total verändern – also sei immer aufmerksam.» Seine abschliessende Botschaft: «Am Ursprung jedes grossen Ziels steht ein grosser Traum. Seid mutig: Wagt, gross zu träumen. Mit grossen Visionen lassen sich grosse Ziele erreichen.»

