Schluss nach 44 Jahren
06.12.2022 Eggenwil, Region BremgartenSamichlaus Hoppler geht in Rente
1978 begann der Eggenwiler Benny Hoppler als Samichlaus Familien zu besuchen. Er blieb der einzige Chlaus der Reussgemeinde. Erst dieses Jahr bemerkte Hoppler, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Hausbesuche mehr durchführen kann. ...
Samichlaus Hoppler geht in Rente
1978 begann der Eggenwiler Benny Hoppler als Samichlaus Familien zu besuchen. Er blieb der einzige Chlaus der Reussgemeinde. Erst dieses Jahr bemerkte Hoppler, dass er aus gesundheitlichen Gründen keine Hausbesuche mehr durchführen kann. Es blieb keine Zeit, einen Nachfolger einzuarbeiten. Der Eggenwiler Samichlaus hofft nun, für nächstes Jahr eine Lösung zu finden. Als Samichlaus bleibt Benny Hoppler aber an der Waldweihnacht und am Christchindli-Märt erhalten.
Der Einzige geht in Ruhestand
Samichlaus Benny Hoppler beendet nach 44 Jahren seine Familienbesuche
Seit 1978 besuchte Benny Hoppler als einziger Eggenwiler Samichlaus die Familien im Dorf mit zwei Schmutzli. Nun ist damit Schluss. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Hoppler bleibt der Bevölkerung aber als Samichlaus der Waldweihnacht des Eggenwiler Sportvereins und am Bremgarter Weihnachtsmarkt erhalten.
Roger Wetli
«Ursprünglich war meine Tätigkeit als Eggenwiler Samichlaus nur für meinen Sohn und die Kinder von Freunden gedacht. Das haben wir aber bereits nach dem ersten Jahr geöffnet», schmunzelt der Eggenwiler Samichlaus Benny Hoppler. Seine Augen strahlen dabei die Begeisterung aus, die ihn dazu bewegte, 44 Jahre lang in die Rolle des Eggenwiler Samichlaus zu schlüpfen. Als der Sohn 4-jährig war, suchten sie nach einem Chlaus für den Jungen. «Es gab zu diesem Zeitpunkt aber schlicht keinen mehr im Dorf. Also schlug meine Frau Dorly als gelernte Schneiderin vor, dass sie mir ein Samichlausgewand näht, wenn ich dafür diese Rolle übernehme. Ich war einverstanden und Dorly nähte zusätzlich zwei Schmutzli-Gewänder.»
Positives Erlebnis schaffen
Ein Jahr später war Benny Hoppler so weit. «Es machte mir unglaublich Spass. Also informierten wir 1979 mit Flugblättern die Eggenwiler Haushalte, dass man mich buchen kann. Die Rückmeldungen waren überwältigend», ist der Samichlaus dankbar. «Ab da war es ein Selbstläufer und ich schlüpfte jedes Jahr gerne ins rote Gewand.» Wichtig war ihm bei seiner Verkörperung des Heiligen St. Nikolaus, dass er als Freund der Kinder auftritt. «Ich selber hatte als Kind noch einen sehr autoritären Chlaus erlebt. Meine Idee aber war und ist, dass mit dem Samichlaus nicht gedroht werden soll.» Bei seinen Familienbesuchen legte Benny Hoppler deshalb von Beginn an Wert darauf, dass seine Gespräche mit dem Nachwuchs auf bauend sind. «Ich wollte keine Angst machen. Die Kinder sollen mit dem Samichlaus ein schönes Erlebnis haben. Darum zählte ich auch immer mehr Positives als Negatives auf. Für die Schwächen der Kinder zeigte ich Verständnis und versuchte sie zu motivieren, etwas daran zu ändern.» Selten wurden ihm längere Listen mit Verhaltensdefiziten abgegeben. Dabei erlaubte er sich, diese stark zu kürzen. «Ich kann schlicht nicht alle Erziehungsfehler eines Jahres mit meinem Besuch wiedergutmachen», gibt er zu bedenken. Habe ein Kind ein schlechtes Vorbild-Verhalten seiner Eltern erwähnt, band er diese jeweils auch aktiv ins Gespräch mit ein.
In der Tradition der Legende
Da er viele verschiedene Familien besuchte und entsprechend die Zeit knapp war, erzählte er bewusst keine Geschichte. «Im Zentrum stand für mich immer das wohlwollende Gespräch. Am schönsten war, wenn die Kinder zwar Respekt vor mir hatten, aber sich trotz ihrer Nervosität getrauten, mit mir zu sprechen.» Dafür gab es auch jeweils eine Belohnung in Form von Nüssen, Schokolädchen und Mandarinen, die jeweils die Familien vor die Haustüre stellten. Teilweise schleppten seine Schmutzli aber auch grössere Geschenke hinein, die sonst eher an Weihnachten unter dem Baum liegen. «Der Samichlaustag fällt aufgrund des gefeierten Todestages des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember in die Adventszeit und besitzt eine ähnliche Botschaft, trotzdem trenne ich beides innerlich stark», so Benny Hoppler. «In meiner Rolle orientierte ich mich an der ursprünglichen Legende, in welcher der Chlaus aus reichem Haus armen Familien Nahrungsmittel schenkte, damit diese überleben konnten.»
Viel Freude bereitete ihm auch, dass er als einziger Eggenwiler Samichlaus viele Familien über mehrere Jahre hintereinander besuchen und so die Entwicklung der Kinder beobachten konnte. «Spannend war zudem, dass die Besuche von einer Dynamik begleitet waren, auf welche ich als Chlaus schnell reagieren musste. Das konnte bereits eine lustige oder kritische Bemerkung eines Kindes sein.»
Die Schmutzli rekrutierte er aus seinem Kollegenkreis. Die Familie wurde nach den ersten Familienbesuchsjahren noch durch zwei Töchter bereichert. Als seine drei Kinder jeweils genügend gross waren, begleiteten ihn auch diese als Schmutzli verkleidet.
Weiterhin glänzende Kinderaugen erleben
In den letzten zwei Jahren mussten die Familienbesuche von Benny Hoppler pandemiebedingt pausieren. «Ich freute mich darauf, dass es dieses Jahr wohl wieder möglich sein wird, merkte aber, dass das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geht», bedauert er. Die Zeit sei dabei zu kurz gewesen, um einen Nachfolger zu suchen. «Ich hoffe aber, dass diese Tradition in Eggenwil im nächsten Jahr durch jemand anders weitergeführt wird. Die Samichlausbesuche sind ein wunderbares Kulturgut, das es zu erhalten gilt.»
Ganz in den Ruhestand geht Benny Hoppler aber nicht. Er bleibt als Samichlaus der Chlausfeier des Eggenwiler Sportvereins erhalten. «Ich mache da seit vielen Jahren mit. Es ist immer toll, wie mich die Kinder mit Fackeln im Wald abholen, ich sie dort begrüsse und sie mir dann bei der Waldhütte Verslein aufsagen und wir ihnen dafür Chlaussäcklein schenken», schwärmt er.
Ebenfalls koordiniert er seit Jahren die Samichlaus-Tradition am Christchindli-Märt in Bremgarten. «Ich schlüpfe da auch selber für einen Nachmittag in die Rolle des Samichlaus. Den Märt und die Chlausfeier möchte ich noch so lange machen, wie es gesundheitlich geht.» Und er lacht: «Die grossen glänzenden Kinderaugen werde ich also auch weiterhin aus nächster Nähe erleben dürfen.»
Der Gemeinderat dankt
Der Eggenwiler Gemeinderat ist stolz auf Benny Hopplers langjährige Tätigkeit als Samichlaus im Dorf. «Er war mit Leib und Seele ein wunderbarer Samichlaus, ja, eine Institution», schreibt der Rat. Nun verabschiede sich der legendäre Eggenwiler Samichlaus 70-jährig in den wohlverdienten Ruhestand. «Der Gemeinderat dankt Benny Hoppler im Namen der Bevölkerung von Herzen für sein jahrzehntelanges grossartiges Engagement und wünscht ihm für die Zukunft nur das Allerbeste, und besonders auch gute Gesundheit.» --red



