Rückkehr in neuer Rolle
13.02.2026 Ski, SportOlympia mit Freiämter Qualität
Urs Lehmann erlebt seine ersten Olympischen Spiele als FIS-CEO
Das Programm der Olympischen Winterspiele besteht zu einem riesigen Anteil aus Ski-, Freestyle- und Snowboardwettkämpfen. Mit Urs Lehmann ...
Olympia mit Freiämter Qualität
Urs Lehmann erlebt seine ersten Olympischen Spiele als FIS-CEO
Das Programm der Olympischen Winterspiele besteht zu einem riesigen Anteil aus Ski-, Freestyle- und Snowboardwettkämpfen. Mit Urs Lehmann trägt ein Freiämter die Verantwortung, dass in Mailand und Cortina d’Ampezzo optimale Wettkampfbedingungen in diesen Disziplinen herrschen.
Josip Lasic
Unter den Athletinnen und Athleten, die an den Olympischen Spielen in Italien starten, sind die Freiämter rar gesät. Mit Ausnahme der Beriker Bobpilotin Melanie Hasler ist niemand in Mailand und Cortina d’Ampezzo mit dabei, der die Region vertritt. Das Schweizer Eishockey-Nationalteam hat mit Director Sport Lars Weibel (wohnhaft in Meienberg) und Physiotherapeut Fabio Rampa (aus Aristau) immerhin zwei Funktionäre, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass die Spieler ihre bestmöglichen Leistungen abrufen können.
Dieses Trio hat die Möglichkeit, mit einer umgehängten Medaille aus Italien zurückzukehren. Mit Urs Lehmann hat die Region einen weiteren Vertreter vor Ort. Er wird mit Sicherheit kein Edelmetall gewinnen, seine Rolle ist aber enorm wichtig für die Olympischen Spiele.
57 der 116 Wettkämpfe unter seinen Fittichen
Der 56-Jährige aus Oberwi-Lieli ist CEO des Internationalen Skiverbandes (FIS). Mit Ausnahme des Biathlons trägt der Weltverband die Verantwortung für den sportlichen Ablauf sämtlicher Ski-, Freestyle- und Snowboardwettkämpfe. Das ist rund die Hälfte aller Wettkämpfe, die in Mailand und Cortina d’Ampezzo durchgeführt werden. «Unser Ziel ist es, dort bestmögliche Wettkampfbedingungen zu schaffen.» Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe – und Neuland für den Abfahrtsweltmeister von 1993 aus Morioka. Die vergangenen vier Ausgaben der Olympischen Spiele erlebte er als Präsident des Schweizer Skiverbandes Swiss-Ski. In der Rolle als FIS-CEO ist es seine Olympia-Premiere.
Seine Aufgaben konnte er in den vergangenen fünf Monaten bei diversen Weltcups allerdings schon kennenlernen. «Jetzt ist aber alles auf zwei Wochen konzentriert, was die Arbeit etwas erschwert.» Mit dem bisherigen Verlauf ist er zufrieden. Es gab wenige Verschiebungen und die Wettkämpfe verliefen gut. Er hofft, dass das so bis zum Ende der Olympischen Spiele bleibt. Die Region Freiamt ist nicht nur vertreten bei Olympia. Durch Urs Lehmann ist sie das auch in einer sehr wichtigen Rolle.
Urs Lehmann aus Oberwil-Lieli ist zum ersten Mal als FIS-CEO an Olympia dabei
Wenn Olympische Winterspiele stattfinden, ist der Freiämter Urs Lehmann meist mittendrin. Seit Salt Lake City 2002 hat er keine Ausgabe verpasst – zuletzt viermal als Präsident von Swiss-Ski. Nun ist er erstmals als CEO des Internationalen Skiverbandes (FIS) dabei.
Josip Lasic
Seit rund einer Woche laufen die Winterspiele in Italien. Für Urs Lehmann sind es intensive Tage. Die FIS verantwortet den sportlichen Ablauf sämtlicher Ski-, Freestyle- und Snowboardwettkämpfe, mit Ausnahme des Biathlons. Als CEO der FIS ist er somit mittendrin.
Der 56-Jährige erlebt das mit einer gewissen Lockerheit. «Es gibt durchaus einige Parallelen zwischen meinen jetzigen Aufgaben und den vorherigen als Präsident von Swiss-Ski», erklärt der Abfahrtsweltmeister von Morioka 1993. «Der grösste Unterschied besteht darin, dass früher die Athleten im Mittelpunkt standen. Jetzt sind es die Wettkämpfe. Unser Ziel ist es, bestmögliche Wettkampfbedingungen zu schaffen.» Für all das sind er und sein Team bereits bei den verschiedenen Weltcuprennen verantwortlich. «Jetzt ist aber alles auf zwei Wochen konzentriert. Wir haben weniger Zeit, was die Arbeit komplizierter macht. Dafür haben wir aber Unterstützung.» Die FIS verantwortet auch vieles rund um die Wettkämpfe, wie Material- und Fluorkontrollen oder Pistenbedingungen. Themen abseits des Sports liegen aber beim Olympia-OK.
An der Seite von Eliasch
Von 2008 bis 2025 war Lehmann Präsident von Swiss-Ski. 2020 kandidierte er für das Präsidentenamt bei der FIS. Bei der Wahl 2021 musste er sich jedoch Johan Eliasch geschlagen geben.
Nun arbeitet er als CEO an Eliaschs Seite. «Johan ist mehr für die strategischen und sportpolitischen Aufgaben zuständig, meine Person für die operativen. Das passt mir sehr gut. Ich hatte eine schöne Zeit bei Swiss-Ski und bin dankbar für all die Jahre. Jetzt habe ich aber die Gelegenheit, die gleiche Materie aus einer anderen Perspektive zu erleben.»
Es ist nicht der einzige Neuanfang, den Lehmann in den letzten Jahren vollzogen hat. Neben seiner Rolle bei Swiss-Ski war er Co-Kommentator bei Eurosport und CEO der Similasan AG in Jonen (siehe Kasten). Ausserdem ist er Eigentümer von Taxi Stutz in Wohlen. Als Co-Kommentator ist er schon seit einigen Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten. Bei der Similasan AG wechselte er 2024 vom CEO-Posten zum VR-Präsidenten und bei Taxi Stutz ist er nicht mehr im Tagesgeschäft involviert. Langweilig wird ihm dadurch aber nicht. Seine Aufgaben haben sich lediglich verändert. Bereits während seiner Zeit als Swiss-Ski-Präsident und während seiner Kandidatur für das Amt des FIS-Präsidenten fiel er durch Innovation, Kreativität und Ideen auf. Er will den Skisport voranbringen. Das hat sich jetzt nicht geändert. In seinem Amt arbeitet er daran, den Sport weiterzuentwickeln. «Einige Dinge habe ich schon angestossen. Es ist aber zu früh, darüber zu sprechen», sagt er. «Ich bin erst seit fünf Monaten im Amt. Am Anfang war vieles neu: die Aufgaben, der Arbeitsort, das Team. Das musste ich alles erst kennenlernen. Es wäre unrealistisch, zu glauben, dass ich in dieser kurzen Zeit die Welt verändern kann. Aber die Ideen sind da, und wir arbeiten ständig daran.»
Neutral gegenüber Schweizern
Besonders die Nähe zu Sportlern aus anderen Nationen bereitet ihm Freude. Der Austausch mit Athleten wie dem Österreicher Vincent Kriechmayr ist nun offener. «Ihre Inputs und Feedbacks sind für mich und meine Arbeit genauso wertvoll wie die der Schweizer Athleten.»
Der Nachteil seiner neuen Aufgabe ist, dass Lehmann gegenüber den Schweizer Athleten eine neutrale Position einnehmen muss. «Ich bin Schweizer – das ändert sich nicht. Aber als FIS-CEO muss ich für alle Athleten gleichermassen da sein. Es wäre ein fatales Signal, wenn ich plötzlich als Schweiz-Fan in Erscheinung treten würde.» Die bisherigen Leistungen der Schweizer bei den Spielen bewertet er jedoch positiv. «Nach fünf Tagen hatte die Schweiz bereits fünf Medaillen. Darunter waren einige prestigeträchtige, aber auch unerwartete, wie die von Skispringer Gregor Deschwanden. Die Schweiz kann mit dem bisherigen Abschneiden zufrieden sein.» Der Freiämter hat Swiss-Ski offensichtlich in einem guten Zustand abgegeben. «Das muss immer das Ziel sein, egal ob bei einem Unternehmen oder jetzt bei einem Sportverband. Wenn man geht, will man einen funktionierenden Betrieb hinterlassen. Ich glaube, dass mir das gelungen ist.»
Nach Olympia ist vor der WM
Das möchte er eines Tages auch über seine Arbeit bei der FIS sagen können. Bei den Olympischen Spielen zieht er ein erstes positives Fazit. Es gab wenige Verschiebungen und die Wettkämpfe verliefen gut. Einziger Wermutstropfen sind die Verletzungen bei den alpinen Damen. In den Medien sorgte vor allem der Sturz von Lindsey Vonn für Aufsehen. Gerade witterungsbedingte Absagen und Verletzungen sind Dinge, auf die man von aussen keinen Einfluss nehmen kann. Kann so etwas einen Krisenmodus bei den Organisatoren auslösen? «Nein. Natürlich liegen gewisse Dinge ausserhalb unseres Einflusses, aber wir haben erarbeitete Pläne, wie in solchen Momenten zu reagieren ist. Wir wissen, worauf es bei starken Schneefällen ankommt, um einen Wettbewerb so schnell wie möglich zu ermöglichen. Und auch bei Verletzungen ist im Vorfeld alles geplant. Mir tut es aber leid für die Athleten. Sie stecken viel Herzblut und Aufwand in ihre Vorbereitung, und eine Verletzung macht alles zunichte.»
Der FIS-CEO hofft, dass die zweite Hälfte der Olympischen Spiele für ihn und sein Team genauso gut verläuft. Nach 20 Jahren finden die Spiele wieder in Zentraleuropa statt. 2006 war Turin Gastgeber, jetzt sind es Mailand und Cortina d’Ampezzo. «Man merkt, dass sich die Italiener grosse Mühe geben, ein Fest zu veranstalten», sagt Lehmann. Dass es zum ersten Mal in der Geschichte zwei Austragungsorte gibt, betrachtet er völlig wertfrei. «Die Idee dahinter ist es, mehrere Regionen einzubeziehen und vorhandene Anlagen besser zu nutzen – Nachhaltigkeit spielt dabei eine Rolle.» Er geht davon aus, dass dies ein zukunftsträchtiges Modell ist. Die nächsten Winterspiele 2030 finden in den «französischen Alpen» statt, nicht in einer einzigen Stadt. «Bei der Schweizer Bewerbung für 2038 spricht man sogar vom ganzen Land als Austragungsort, nicht mehr von einer Region oder Stadt. Wie diese Konzepte funktionieren werden, muss nach diesen Spielen vertieft evaluiert werden.»
Wenn Olympia vorbei ist, geht für Lehmann der Weltcup-Alltag weiter. Parallel dazu laufen bereits die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaften 2027 und 2029: Die Alpine Ski-Weltmeisterschaft findet beispielsweise im nächsten Jahr in Crans-Montana statt. Für Lehmann bleibt kaum Zeit zum Durchatmen – nach Olympia ist vor der nächsten WM.
Spitze im Beruf und als Funktionär
Der Freiämter Urs Lehmann (geboren am 1. April 1969) ist ein Tausendsassa. Er gilt als sehr heimatverbunden, er wuchs in Rudolfstetten auf und lebt heute in Oberwil-Lieli. Er ist mit Conny Kissling (einer früheren Ski-Freestylerin) verheiratet und hat eine Tochter.
Sein sportlicher Weg erlebte 1987 einen Schub, als er an den Juniorenweltmeisterschaften die Goldmedaille in der Abfahrt gewann und von der Stiftung Schweizer Sporthilfe als Nachwuchsathlet des Jahres ausgezeichnet wurde. Sein zweifellos grösster Erfolg war bei den Weltmeisterschaften 1993 in Morioka, als er Weltmeister in der Abfahrt wurde und damals die einzige Medaille für die Schweiz ergatterte. Im Skiweltcup war er weniger erfolgreich: Insgesamt konnte er sich fünfmal unter den besten zehn platzieren. Sein bestes Ergebnis war am 11. Dezember 1992 ein 4. Rang bei der Abfahrt in Gröden. Im Frühjahr 1997 erklärte er seinen Rücktritt und fokussierte sich auf seinen beruflichen Weg. Lehmann studierte Betriebswirtschaftslehre und schloss 2009 mit dem Doktorgrad ab. Von Januar 2009 bis 2024 war er Geschäftsführer der Similasan AG in Jonen (seit 2024 ist er Verwaltungsratspräsident). 2006 wurde er ins Präsidium von Swiss-Ski gewählt, 2008 zum Präsidenten (und blieb dies bis 2025). In jener Zeit steigerte sich der Schweizer Verband bis an die Weltspitze. Er war Co-Kommentator von Skirennen auf Eurosport und ist nach wie vor Eigentümer eines Freiämter Taxiunternehmens. Von 2021 bis 2024 war er Mitglied des FIS-Rates. Im September 2025 wurde er erster CEO des internationalen Skiverbandes FIS – und will in dieser Funktion den Skisport nachhaltig prägen. --red



