Raus aus dem Alltag
09.04.2024 BremgartenAus Schulen wurden Städte
Vor den Frühlingsferien widmeten sich die Schulen Bremgartens einer vielfältigen und facettenreichen Projektwoche. Dabei versuchten sich die Kleinen als Bäcker, Golfer, Gipser, Sportreporter, Künstler, Maskenbildner, ...
Aus Schulen wurden Städte
Vor den Frühlingsferien widmeten sich die Schulen Bremgartens einer vielfältigen und facettenreichen Projektwoche. Dabei versuchten sich die Kleinen als Bäcker, Golfer, Gipser, Sportreporter, Künstler, Maskenbildner, Ärzte, Barkeeper, Radiomoderatoren und vieles mehr. Eine gelungene Woche voller Abwechslung, von der manch einer bleibende Erinnerungen mit in die Ferien und darüber hinaus nimmt. --red
Attraktive, vielfältige und lehrreiche Projektwoche der drei Bremgarter Primarschulen
Vergangene Woche stand an den Bremgarter Primarschulhäusern ganz im Zeichen der Projektwoche. Von der Gipsmaske über Urban Golf bis zu Bäckerei, Spital und Schminksalon wurde allerlei angeboten, was das Schülerherz begehrt. Am Freitag mündete die Woche in einem Rundgang in der «Schulstadt».
Albert Schumacher
In den Turnhallen beim Isenlauf traf man auf 45 Kinder, welche sich intensiv mit Golfschlägern herumschlugen. Aber es war keine wilde Schlägerei, denn zwei abgesandte Golfkenner der Migros begleiteten die Teilnehmenden bei der Postenarbeit.
Zum Aufwärmen gab es eine witzige Reaktionsübung zu Mani Matters Lied «Dr Parkingmeter». Bei jedem «Zwänzgi» mussten die Schülerinnen und Schüler die Laufrichtung ändern. Andy Aus der Au, eine der zuständigen Lehrpersonen, erklärte begeistert: «Die Migros liefert uns eine pfannenfertige Lösung: Sämtliches Material (spezielle Kunststoffschläger und Bälle sowie Fähnchen und Zielscheiben) für verschiedenste Trainingsformen wird zur Verfügung gestellt, inklusive der Instruktoren für volle zwei Tage.»
Eifrig wurden Putting (Einlochen), Chipping und Pitching geübt. Ein Chip ist ein Ball, der kurz fliegt und dann weit ausrollt. Ein Pitch hingegen fliegt weiter und rollt kürzer. Schliesslich wurde auf dem Gelände des Schulhauses und des Freibades sogar Urban Golf mit richtigen Schlägern gespielt, also auf Strassen und Wiesen. Die Golfanfänger hatten viel Spass, der Lerneffekt war entsprechend hoch.
«Du darfst wütend, traurig, ängstlich, elegant, lustig und fröhlich sein», stand hingegen in der Ausschreibung des Kurses, wo aus Gipsbinden persönliche Masken fabriziert wurden. Entsprechend stimmungsvoll war auch die Atmosphäre im «Werkraum» Zimmer 107. Ruth Plail und Brigitte Moser begleiteten die Kinder humorvoll und gekonnt bei der Gestaltung ihres zweiten Gesichtes. Man schnitt zu, schichtete neu, trocknete mit dem Föhn, probierte an, bis man mit dem neuen Antlitz zufrieden war. «Das Ticket für die Bemalung der Maske mit Acrylfarbe bekommt ihr aber erst, wenn ihr mir den sorgfältigen Wasserfarbenentwurf auf dem Blatt gezeigt habt», mahnte die Kursleiterin. Natürlich wurde dann auch mit den fertigen, sehr individuell bemalten Gipsmasken und den Fingerlingen lustvoll Theater gespielt.
Die Qual der Wahl im Isenlauf war gross. Etliche attraktive Kurse lockten. Man konnte kochen wie die Profis, französisch singen, spielen und Crêpes essen. Auch Klänge erzeugen mit Alltagsgegenständen oder dem eigenen Körper war möglich oder kreativ wirken mit Schrift und Stift. Lego-Roboter mit dem Handy programmieren oder bei neuen oder bekannten Gesellschaftsspielen mitmachen rundeten das Angebot ab.
Da ist was los in der Promistadt
Einen anregenden Rundgang durch die «Promistadt» mit allem, was dazugehört, erlebte man im Schulhaus Promenade. Im Kinostudio wurde gerade ein hochaktueller Bericht vom Play-off-Spiel ZSC-EVZ erstellt. Am iPad entstand ein Film aus einzelnen Fotos der Spielzüge. Die Filmkulisse mit Eisfeld samt Zuschauern und die Spieler aus Lego-Elementen hatten die Schüler selbst naturgetreu nachgebildet. Eingeblendete Geräusche und Sprechblasen animierten den Film. Am meisten Spass schienen den Kindern aber die Pausen zu machen, wenn der Zamboni, die imposante Eismaschine, auftrat und das Eis reinigte und glättete.
Im Künstleratelier der Schulstadt türmten sich derweil die Kunstwerke geradezu. Lustvoll wurde mit Farben und Formen experimentiert, Frühlingsblumen animierten zu bunten Bildkompositionen, selbst Haushaltbürsten wurden kreativ verziert, hier bedeutete Kunst ein Reich ohne Grenzen.
In der Backstube spielen Eier eine wichtige Rolle. Nicht immer landen sie in der Schüssel, das mussten die Kinder in der Backstube Promenade auch erfahren. Aber aus den Zutaten, die überlebten, entstanden leckere Gebäcke wie Zöpfe und Cake-Pops. Es roch verführerisch. Für die Promistadt waren gar frische Erdbeerquarktorten und Früchtebrot geplant.
Ordentlich gepflegt war der erste Eindruck beim Betreten der Restaurantküche, ein feiner Duft durchzog den Raum. Cucina italiana war angesagt mit verschiedenen Pastasaucen wie Pesto oder Cinque Pi. Sogar die Nudeln wurden selber hergestellt. Eine Schülerin beklagte sich zunächst über die mühsame, klebrige Teigkneterei. Leiterin Karin Rüegg erklärte jedoch: «Es war wie Krafttraining, aber die Schüler merkten, dass sie dabei Energie ablassen konnten, und allmählich überwogen die aufkeimende Lust und der Spass. Die feuchten Nudeln wurden an Wäscheständern getrocknet,
Säcklein abgefüllt und in der Promistadt verkauft.»
Die Gruppe Sportevent bemalte den grauen Pausenplatz bunt mit neuen und alten Freiluftspielen und probierte sie gleich aus. Am Schlussevent boten die Kinder kurze Fitnesslektionen an, verkauften Fitnessriegel und gesunde Früchtedrinks.
Auch ein Spital gehörte in die Promistadt. Die motivierte Belegschaft wurde durch eine Pflegefachfrau geschult im Blutdruckmessen und Anbringen von Verbänden und man lernte am Modell den menschlichen Körper kennen. Am Kuscheltier wurde die Infusion mit Salzlösung erprobt. Ein Rettungssanitäter kam vorbei und erklärte die Ambulanz mit Blaulicht. Wer weiss, vielleicht war dies für den einen oder die andere der Start einer medizinischen Laufbahn.
Um diese Frage zu beantworten, durften die Kinder sich selbst schminken, ganz allein vor dem Spiegel oder gegenseitig. Wer nicht schminken wollte, konnte auch aus Garn sogenannte Atebas knüpfen, um seine Haarpracht zu verschönern. Sowohl die soziale Ader als auch das eher Ichbezogene hatten hier ihren Platz. Alle Resultate liessen sich durchaus sehen.
Verblüffende Resultate brachte die Werkstatt mit Naturfarben zutage: Mit Kurkuma, Zwiebelschalen und Randen stilvoll gefärbte Stofftaschen waren zu bestaunen. Und auch Textilien, auf welche gehämmerte Abdrucke von Stiefmütterchen so echt wie das Original aufgedruckt waren.
Eigene Stadt auch ennet der Reuss
In der «Josefstadt» waren die Themen teilweise ähnlich wie in der Promenade. Auch hier gab es wie auf der anderen Reussseite ein Spielzimmer, ein Kino, eine Papeterie mit kunstvoll gestalteten Karten, Couverts und Geschenkanhängern für jeden Zweck; es gab ein Spital mit Apotheke, wo man vom kompetenten Ärzteteam mit Stethoskop und Blutdruckmessung auf Herz und Nieren untersucht wurde. Im Fitnessclub warteten Instruktorinnen auf Kunden, die eine Massage wünschten oder einfach einen gesunden Müesliriegel.
Wie in jeder Grossstadt lockte auch in der Josefstadt eine Bäckerei mit einem leckeren Angebot wie Zopftierli, Rüeblikuchen, Schinken-Käse-Muffins und Schoggibrötli. Diese konnte man mit der Stadtwährung Josefstaler bezahlen, und sie liefen «wie heisse Weggli».
Zum Karibik-Ambiente auf der interaktiven Wandtafel wurden in der Bar bunte Drinks angeboten, der Raum füllte und die Becher leerten sich zügig. Der Nachschub an Gangsterdrinks, Vampirdrinks und Waldmännern war eine echte Herausforderung für die Crew an der Theke. Wem die Taler ausgingen, konnte aber am Glücksrad mehr Geld erspielen.
An einem Becher nippend, konnte man im hauseigenen Radiostudio oder auch im Gang eine eigens für die Josefstadt produzierte Radiosendung verfolgen. Die Moderatoren präsentierten teilweise gewandt Wetterprognosen, Sportberichte, Schuhwerbung, ein Interview über den Alltag einer Primarschülerin. Die Beiträge waren professionell gegliedert, mit Jingles überbrückt und angereichert durch Oldies mit peppigen Ansagen wie «Schmeissen Sie die schlechte Laune in den Abfall! Tanzen Sie ein bisschen zu ‹Eye of the Tiger› und seien Sie glücklich.»
Eine schon auf den ersten Blick faszinierende Ausstellung erwartete die Besucher des Kunstmuseums im Kellergeschoss. Aus verschiedenen Materialien wie Styropor, Eierkartons, Draht, Acrylfarbe und Heissleim hatten die Kinder Fantasietiere gestaltet, die staunen liessen. Madeleine Widmer war begeistert vom Engagement der Kinder: «Am Mittwochmittag waren sie schon fast fertig mit ihren Werken und wollten noch weiter kreativ sein.» Da war viel Herzblut und Eifer im Spiel. Und ein Besuch jeden Taler Eintrittsgeld wert.
Alle Primarschulen Bremgartens waren an dieser Prowo beteiligt. Themenwahl, Gruppeneinteilung, Stundenplanung und Raumnutzung, Materialbeschaffung und kollegiale Absprachen bringen entsprechend einen ziemlichen Mehraufwand. Der sich aber wieder gelohnt hat. Für alle bot sich eine Möglichkeit, persönliche Interessenfelder zu wählen und umzusetzen. Martin Indlekofer vom Schulhaus Josef zeigte sich überzeugt: «Der Entscheid für den ‹Stadt›-Rahmen – übernommen vom Schulhaus Promenade – hat sich gelohnt. Die Strategie mit dem Konsum-Schlussevent und der Talerwährung ist aufgegangen und hat für eine wunderbare Stimmung gesorgt.»
Ein Bericht über die Projektwoche in Hermetschwil-Staffeln folgt in der nächsten Ausgabe.