Powerfrau in Hochform
04.07.2025 Sport, Weitere SportartenHawaii kann kommen
Cécile Treier aus Berikon holt an der Ironman-EM in Frankfurt den 3. Rang. In der Gesamtwertung ist sie die siebtschnellste Frau. Die Triathletin schafft damit die Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Neben dieser Weltmeisterschaft im ...
Hawaii kann kommen
Cécile Treier aus Berikon holt an der Ironman-EM in Frankfurt den 3. Rang. In der Gesamtwertung ist sie die siebtschnellste Frau. Die Triathletin schafft damit die Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Neben dieser Weltmeisterschaft im Oktober steht für die 48-Jährige auch noch die WM über die Mitteldistanz im November auf dem Programm. --red
Triathlon: Cécile Treier aus Berikon an Ironman-EM auf Podest – Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii geschafft
Diese Frau hat Power. Erst rennt Cécile Treier über die Halbdistanz (70.3) in Punta Cana auf den 2. Rang und schafft vier Wochen später mit dem 3. Rang an der Ironman-EM in Frankfurt die Qualifikation für die WM auf Hawaii. «Schon ziemlich cool», sagt die Architektin aus Berikon.
Stefan Sprenger
Eine Hitzeschlacht. 3000 Sportlerinnen und Sportler sind an der Ironman-EM in Frankfurt am Start. Und es ist am letzten Sonntag eine Hitzeschlacht. Doch zum Start gab es eine willkommene Abkühlung: die 3,8 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee waren wohl das Angenehmste.
Spezielle Hitzetrainings
Danach wurden 177 Kilometer Rad gefahren und 42 Kilometer am Mainufer gelaufen. Die Temperaturen: 33 Grad. «Die Hitze hat mich nicht mal so gestört, das war halb so schlimm», sagt Cécile Treier. Auch, weil sie Hitzetrainings absolviert hat. «Dies bedeutet, dass ich nach meinen Trainings in die 42 Grad heisse Badewanne gestiegen bin und darin 20 Minuten lang schmorte», erklärt Treier. Das Training zahlte sich sicher bei den heissen Temperaturen in Frankfurt aus. Die Frau aus dem Freiamt mit Jahrgang 1977 startete in der Alterskategorie 45 bis 49.
Velo kaputt und von Trainer getrennt
Treier, die im letzten Jahr den Ironman in Hamburg gewinnen konnte, hat sich erneut sehr akribisch auf diese Ironman-EM vorbereitet. Sie trainierte jeden Tag. Montags geht sie 3 km schwimmen, dienstags geht sie eine Stunde auf das Velo und rennt zudem 10 km – und so weiter. Die Woche durchgetaktet. Arbeit. Essen. Sport. Schlafen. «Für mich normal», sagt die Powerfrau.
Und selbst von aussergewöhnlichen Umständen lässt sie sich nicht aus der Bahn werfen. Denn einerseits wechselte sie im Frühling ihren langjährigen Trainer. «Nach dem Trainingslager auf Lanzarote im März entschied ich mich, meinen Coach zu wechseln. Irgendwie passte es nicht mehr. Dies war mitten im Jahr ein Risiko, aber die guten Resultate bestätigten meinen Entscheid.»
Eine Woche vor dem Wettkampf in Frankfurt geht ihr Velo kaputt. «Ich habe dann auf den 180 km am Ironman quasi mein neues Fahrrad eingefahren», so Treier lachend. Nach der Velostrecke lag sie gar in Führung, war selbst in der Gesamtwertung beim Radfahren unter den Top 10.
Nach 10 Stunden und 37 Minuten überquert sie die Ziellinie. In ihrer Kategorie ist dies der 3. Rang. Nur neun Minuten schneller und sie hätte gewonnen. Die schnellste Frau benötigte 9 Stunden und 13 Minuten. «Ich bin damit sehr zufrieden», sagt Treier. Besonders deswegen, weil sie sich für die Ironman-WM am 11. Oktober auf Hawaii qualifiziert hat. 65 Qualifikationsplätze gab es beim Ironman Frankfurt für die Frauen für jene Ironman-WM zu ergattern. «Ich war schon zwei Mal auf Hawaii. Für jeden Triathleten ist dieser Ort magisch, ein Mythos. Und ich freue mich enorm, dass ich da wieder dabei sein darf.»
Vor 20 Jahren fast gestorben
Schon Anfang Mai feierte Treier einen schönen Erfolg an einem Rennen in Punta Cana (Dominikanische Republik). Über die Halbdistanz eines Ironmans (70.3 genannt) erreichte sie den 2. Rang (5 Stunden und 12 Minuten). Auch hier schaffte sie die Qualifikation für die Weltmeisterschaft über die Mitteldistanz, die im November in Marbella (Spanien) durchgeführt wird. «Mir gelang es, den Spagat zu schaffen zwischen der Mittel- und der Langdistanz innerhalb von nur 4 Wochen zeitlichem Abstand zueinander», sagt Treier, die Anfang Juni auch am Ironman über die Mitteldistanz in Rapperswil startete (dort erreichte sie den 3. Rang).
An dieser Stelle erwähnenswert: Im Jahr 2007 erlitt Cécile Treier einen Unfall mit dem Velo und wäre fast gestorben. Aufgrund der schweren Kopfverletzungen wurde sie ins Koma versetzt und kaum jemand glaubte daran, dass sie es zurück in den Spitzensport schaffen würde. Doch es kam anders. Durch ihre Kämpfernatur und ihren eisernen Willen gehört sie heute zu den besten Ü45-Triathletinnen der Welt. «Dabei habe ich einfach mein Ding gemacht», sagt die Architektin aus Berikon.
Dieses Jahr noch zwei Weltmeisterschaften
Und verfolgt nun weiter ihre Ziele in diesem Jahr. Ironman-WM auf Hawaii im Oktober, WM über die Mitteldistanz im November. Der Spagat innert weniger Wochen wird wiederum nötig sein. «Ich freue mich jetzt schon, mich mit den Besten zu messen», sagt sie. Und sie denkt ganz und gar nicht ans Aufhören. Im Jahr 2027 kommt sie in die nächste Altersklasse (50 bis 54 Jahre) – und will dann weitere Erfolge feiern. «Ich glaube, dann kann ich auch an Weltmeisterschaften vorne dabei sein.» Die Powerfrau gibt weiter Vollgas.