Positiv überrascht
30.01.2026 Mutschellen, GewerbeDas Repair-Café Mutschellen kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken
Seit einem Jahr wird im Repair-Café Mutschellen geflickt, geschraubt und getüftelt. Was als kleine Idee begann, hat sich bereits zu einem erfolgreichen Treffpunkt für ...
Das Repair-Café Mutschellen kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken
Seit einem Jahr wird im Repair-Café Mutschellen geflickt, geschraubt und getüftelt. Was als kleine Idee begann, hat sich bereits zu einem erfolgreichen Treffpunkt für Nachhaltigkeit und Gemeinschaft entwickelt. Es kann mit beeindruckenden Zahlen punkten und mit viel Herzblut der Freiwilligen.
Sabrina Salm
«Es ist richtig lässig», sagt Manuel Keller, Sozialdiakon der reformierten Kirche Bremgarten-Mutschellen, und meint damit die Entwicklung des Repair-Cafés Mutschellen. Einmal im Monat verwandelt sich die Jugend- und Pfarreizentrum Jupa in eine Werkstatt mit Cafébetrieb. Menschen bringen defekte Gegenstände vorbei und nehmen sie im besten Fall repariert wieder mit nach Hause. Der Donnerstag, von 16 bis 20 Uhr, habe sich bewährt. «Neu haben wir jedoch den dritten Donnerstag im Monat zum Reparierabend gemacht.»
Die Bilanz des ersten Jahres kann sich sehen lassen: über 400 Artikel landeten in den Händen der freiwilligen Reparateurinnen und Reparateure. 330 davon konnten vor dem Wegwerfen bewahrt werden, bei lediglich 79 Produkten war keine Reparatur möglich. «Besonders häufig wurden Haushaltsgeräte gebracht», berichtet Keller. Sie reparieren in den Bereichen Elektronik, Mechanik, Textil, Holz, Velos, Computer und Handy. Eine Besonderheit ist das Angebot des Messerschleifens.
Der Wegwerfmentalität entgegenwirken
In der heutigen Wegwerfgesellschaft wird Funktionierendes allzu schnell entsorgt, weil eine Reparatur oft teurer erscheint als ein Neukauf. Genau diesem Trend wollte das Repair-Café entgegenwirken. Entstanden ist die Idee im Asyltreff, wo gemeinsames Reparieren bereits praktiziert wurde. Daraus entwickelte sich schrittweise ein eigenständiges Projekt. «Wir wollten klein anfangen und langsam wachsen», erinnert sich Manuel Keller. «Dass es aber gleich so gut ankommt, hat uns sehr positiv überrascht.» Der Erfolg beruhe auf zwei Säulen: einem motivierten Team aus rund 30 freiwilligen Helfenden als Reparateure, am Empfang oder im Bistro sowie den Menschen, die ihre defekten Gegenstände vorbeibringen und sich darauf einlassen, ihren defekten Sachen eine zweite Chance zu geben.
Die Reparaturen selbst sind kostenlos. Bezahlt werden müssen lediglich allfällige Ersatzteile. Wer möchte, kann einen freiwilligen Beitrag leisten. «Die Menschen zeigen sich sehr grosszügig.» Da das Repair-Café nicht gewinnorientiert arbeitet, fliesst das Geld direkt zurück ins Projekt, etwa in neues Werkzeug. So wurde kürzlich ein Schleifstein für die Messerschleifmaschine angeschafft. «Damit können wir auch unseren Freiwilligen etwas zurückgeben.»
Bedarf ist da
Besonders geschätzt wird die gemütliche Atmosphäre. Bei Kaffee und Kuchen wird nicht nur repariert, sondern auch erzählt und gelacht. Das Repair-Café ist damit weit mehr als eine Werkstatt.
Vor allem ältere Menschen nutzen das Angebot rege. «Manchmal gehen hier richtige Schätze über den Tisch», erzählt Keller, der das Projekt leitet. Nicht unbedingt wertvoll im materiellen Sinn, dafür emotional umso mehr. Etwa ein alter Geigenkasten, der sich jahrelang nicht mehr öffnen liess und nun wieder funktioniert. Dass es in Wohlen und Dietikon bereits Repair-Cafés gibt, liess die Initianten zunächst zweifeln, ob auf dem Mutschellen überhaupt Bedarf bestehe. Das erste Jahr hat diese Frage klar beantwortet. «Das Bedürfnis ist da – und es wächst», sagt Keller. Der Erfolg strahlt aus. So haben sie bereits Anfragen für Tipps aus anderen Gemeinden aus der Region erhalten, die ebenfalls ein Repair-Café ins Leben rufen wollen. Es bestätigt den eingeschlagenen Weg.
Zum Start ins neue Jahr wurde deshalb auch gefeiert. «Wir haben ein Jahr hinter uns, für das wir sehr dankbar sind», so Keller. Elf Mal war das Repair-Café geöffnet – mit konstant guter Resonanz. Das Team sei engagiert, die Stimmung gut, die Menschen fühlten sich wohl. «Unsere Erwartungen wurden bereits übertroffen. Das motiviert. Wir machen weiter.» Am 19. Februar findet das nächste Repair-Café in der Jupa statt.

