«Nun muss es wieder aufgehen»
15.05.2026 BremgartenEin entscheidendes Jahr
Das FIDM stellt sich die Schicksalsfrage
Es war 2025 einmal mehr ein Highlight für alle, die dabei waren. Das «Festival i de Marktgass» (FIDM), das mit seinem bunten Musikprogramm Generationen in Bremgartens Altstadt ...
Ein entscheidendes Jahr
Das FIDM stellt sich die Schicksalsfrage
Es war 2025 einmal mehr ein Highlight für alle, die dabei waren. Das «Festival i de Marktgass» (FIDM), das mit seinem bunten Musikprogramm Generationen in Bremgartens Altstadt vereint und ganz vielen Menschen zwei Tage voll fröhlicher Zerstreuung beschert. Doch eines war im Vorjahr leider ebenso gleich wie die Ausgaben zuvor – das FIDM war erneut defizitär. Wie immer seit Corona. Die Gründe dafür sind vielfältig und vielschichtig. Doch so weitergehen kann es nicht.
Deshalb steht das Bremgarter Altstadt-Festival nun vor einer entscheidenden Ausgabe. Falls es wieder nicht gelingen sollte, eine schwarze Null zu erreichen, müsste sich das OK fragen, ob es weitergehen kann. Doch an derlei denken wollen die ehrenamtlichen Organisatoren noch nicht. Sie sind guten Mutes, dass sie nun die richtigen Hebel gefunden haben, und freuen sich auf Festival Nummer 13. --huy
Das Festival i de Marktgass (FIDM) steht vor einer richtungsweisenden Ausgabe (7. und 8. August)
Die Organisatoren erklären das diesjährige Festival zu einem schicksalsträchtigen. Mit gebündelter Energie und Anpassungen am Konzept soll die defizitäre Phase nun endlich überwunden werden. Andernfalls müsste man sich die Existenzfrage stellen.
Marco Huwyler
Eineinhalb Wochen ist es her, dass die Organisatoren das Line-up des FIDM bekannt gegeben haben und gleichzeitig den Vorverkauf für das Festival Anfang August für eröffnet erklärten (vergleiche Ausgabe dieser Zeitung vom 5. Mai). «Die ersten Rückmeldungen sind sehr positiv – und auch Bändeli haben wir schon einige verkauft», lächelt Nico Schulthess. Für den Programmverantwortlichen ist es immer ein spezieller Moment, wenn er offiziell verkünden darf, wer in der Marktgasse auftritt. «Die Vorfreude wird dann jeweils ganz konkret. Man spürt schon ein gewisses Kribbeln. Und ein erster Meilenstein ist geschafft.»
Seit Corona nie mehr in schwarzen Zahlen
Dieses Jahr war die erste Phase der Vorbereitung gar noch ein wenig intensiver, als sie es ohnehin jedes Mal ist. «Wir haben unsere Kräfte frühzeitig gebündelt und uns gezielt auf einzelne Schwerpunkte fokussiert», sagt Schulthess. Dies geschah nach einer «Chropfleerete» im Herbst, die im Zuge der Vorjahresausgabe nötig wurde. Denn zur Freude über ein einmal mehr friedliches und fröhliches Festival hatte sich beim OK im vergangenen August bald einmal auch eine gehörige Portion Enttäuschung gesellt. Denn auch die Ausgabe 2025 war für die Organisatoren defizitär. Zum wiederholten Mal. «Eigentlich ist es seit Corona so», seufzt Schulthess.
Zwar war die rote Zahl im Vorjahr deutlich tiefer als auch schon, aber trotzdem tat sie den Verantwortlichen weh. «Du gibst so viel von deinem Herzblut hinein, versuchst alles, rechnest es zig mal durch», sagt Schulthess. «Da ist es einfach schmerzhaft, am Ende schwarz auf weiss zu sehen, dass alle Massnahmen, die wir als Reaktion auf die Vorjahre beschlossen hatten, nicht genügten.» Zumal ein dauerhaft defizitäres Festival schlicht keine Zukunft hat. «Geld verdienen müssen wir damit nicht. Es ist und bleibt eine ehrenamtliche Herzenssache», sagt Schulthess zwar. «Aber Jahr für Jahr drauflegen wollen und können wir auch nicht.»
Die Gründe sind vielschichtig
Die Gründe, weshalb das einzigartige und beliebte Bremgarter Festival keinen Gewinn mehr schreibt sind vielschichtig und auch nicht jedes Jahr dieselben. Mal spielte das Wetter nicht ganz mit. Mal war das Sicherheits-Dispositiv suboptimal. Mal hatte man sich im Konzept verrannt. Nach der Jubiläumsausgabe 2022 musste man sich eingestehen, dass man zu gross geworden war. Zeitweise versuchte man sich mit etwas blauäugigem Idealismus ohne Sponsoren. Und vor allem anderen: Das FIDM kämpft mit denselben Schwierigkeiten, die auch andere Anlässe plagen. Rückläufiger Getränke-Konsum und gestiegene Kosten. «Auf allen Ebenen ist es teurer geworden», erklärt Schulthess. Von den Künstlern, über die Technik, bis hin zu den Sicherheitskosten.
Keine Abstriche bei der Qualität
Nichtsdestotrotz ist man beim OK immer noch überzeugt, dass es dem FIDM gelingen kann und wird, wieder in die Gewinnzone zu kommen. «In erster Linie wollen wir es schaffen, bei möglichst vielen Menschen wieder ein Fixpunkt in der Agenda zu werden.» Vor Corona sei man bereits einmal so weit gewesen. An die Ticket-Absatz-Zahlen von damals kam man seither nie mehr ganz heran. «Auch wenn wir auf einem guten Weg sind», wie Schulthess bekräftigt.
Das FIDM-OK will die Wende nach wie vor primär über die Einnahme-Seite schaffen. Die Aufwände signifikant zu reduzieren, ist keine Option. «Wir wollen nicht, dass dieses Fest zu einem amateurhaften Abklatsch verkommt, von dem, was es einmal war», sagt Schulthess. «Das würde uns wehtun. Wenn wir es machen, dann wollen wir alles reinhängen.» Schliesslich stehe man mittlerweile für ein gewisses Niveau an Qualität auf verschiedensten Ebenen.
Offiziell von «überregionaler Bedeutung»
So will sich das OK stattdessen darauf besinnen, was sein Festival stark macht. «Wir haben drei Arbeitsgruppen gebildet, die den Fokus auf die Optimierung unserer Kerneinnahmequellen setzen», berichtet Schulthess. Sponsoring, Gastronomie und Ticketing. Manchmal seien es kleine Dinge, die einen Unterschied machen. «Beispielsweise haben wir ein neues Sponsoring-Konzept ausgearbeitet und im Zuge dessen die Haupt-Acts etwas früher gebucht – damit wir damit auf die Sponsoren zugehen konnten.» Lokale Partner wurden ebenfalls frühzeitig angegangen. Und bei der Verpflegung hat man einerseits gezielt am eigenen vereinsinternen Sortiment gefeilt – andererseits auch die lokalen Gastronomen in der Marktgasse versucht stärker in die Pflicht zu nehmen. Schliesslich profitieren diese vom Zuschaueraufmarsch während dem FIDM massiv.
Hinzu kommt der Fakt, dass das Bremgarter Festival vom Kanton auf dieses Jahr hin in eine höhere Kategorie eingestuft wurde. Neu gehört das FIDM zu den unterstützenswerten Anlässen von «überregionaler Bedeutung». Damit profitiert man im Hinblick auf die diesjährige Ausgabe von den etwas höheren Fördergeldern des Swisslos-Fonds statt wie bis anhin «nur» vom Aargauer Kuratorium.
Goodwill und Unterstützung
«Alles in allem fühlen wir uns jetzt in einer stärkeren Ausgangslage als in den Vorjahren», sagt Schulthess. Essenziell sei zudem, dass man sich nach wie vor willkommen und geschätzt fühlt in Bremgarten. «Wir spüren den Rückhalt von überallher. Von der lokalen Wirtschaft, von der Stadt und vor allem von der Bevölkerung. Das gibt Kraft zum Weitermachen», lächelt Schulthess.
Nichtsdestotrotz muss es jetzt klappen mit der schwarzen Null. Ansonsten muss man sich die Zukunftsfrage beim FIDM ernsthaft stellen. «Doch daran denken, was passiert, wenn es nicht gelingt, wollen wir jetzt noch nicht», sagt Schulthess. Nun soll – neben der Arbeit im Hintergrund – erst mal die Vorfreude dominieren. Auf all die tollen Künstler, welche zusammen mit ganz Bremgarten am letzten Sommerferien-Wochenende wieder eine einzigartige Atmosphäre in der Marktgasse schaffen. Hoffentlich nicht zum letzten Mal.
FIDM am 7. und 8. August in der Bremgarter Marktgasse. Tickets, Infos und Line-up unter www.festivalmarktgass.ch.


