Nostalgie nach Noten mit Songria
03.03.2026 Mutschellen, Widen, MusikIn Widen lebten «The Golden Sixties» auf
Der Songria Chor drehte am Sonntag das Zeitrad mit Erfolg in die goldenen Sechzigerjahre zurück. In der voll besetzten reformierten Kirche weckte das Konzert bei den Älteren nostalgische Erinnerungen, erreichte ...
In Widen lebten «The Golden Sixties» auf
Der Songria Chor drehte am Sonntag das Zeitrad mit Erfolg in die goldenen Sechzigerjahre zurück. In der voll besetzten reformierten Kirche weckte das Konzert bei den Älteren nostalgische Erinnerungen, erreichte aber durch besondere Arrangements auch Jüngere. Man liess sich gerne musikalisch in die Welt von Frieden, Freiheit und Liebe entführen.
Albert Schumacher
Mit «Can’t help falling in love» nahm der Chor gleich den ersten zaghaften Kontakt mit dem Publikum auf. Gekleidet waren alle 29 Damen und Herren in Schwarz, für treffende optische Akzente sorgten jedoch bunte Schärpen, Schals, kecke Hosenträger und aparte Fliegen sowie ab und zu auch Hüte in allen Farben. Scheinwerfer, Projektionen, Mikrofone und weitere technische Effekte waren allesamt unnötig, der Chor profitierte von der guten Akustik im grossen Kirchenraum und wirkte durch engagierten Gesang. Bei «The Sound of Silence» von Paul Simon (legendär im Duo mit Art Garfunkel) zeigte Songria seine Qualität, alle Register meisterten den verschachtelten Chorsatz überzeugend.
Chorleiter Limentani verblüffte als Allrounder
Beim Lied «Love» von Bert Kämpfert griff erstmals Sebastian Kroll als Solist zur Trompete und erfolgreich ins Geschehen ein und brachte den Saal zum Swingen. Das eingängige «Downtown» eröffnete der Chor mutig a cappella, dann übernahmen der Schlagzeuger Erich Güntensperger und der Maestro Alessandro Limentani am Flügel die Begleitung des Ohrwurms. Der Chorleiter erwies sich – salopp gesagt – als Tausendsassa: Er griff gekonnt in die Tasten, dirigierte gleichzeitig den Chor und gab gesanglichen Support. Aber damit nicht genug: Beim Intermezzo mit Piano, Schlagzeug und Trompete sang sich Limentani mit «Strangers in the Night» einfühlsam in die Herzen der Nostalgiker. Und im gleichen Set überzeugte Sebastian Krolls Trompete mit dem Jazzklassiker «So What» von Miles Davis.
Dann übernahm der Chor wieder das Zepter mit seiner berührenden Interpretation von «Yesterday», dem Beatles-Klassiker. «California Dreamin» war mit seiner mehrstimmigen Melancholie ein Höhepunkt und weckte inhaltlich die Sehnsucht nach wärmeren – und bestimmt auch friedlicheren – Zeiten. Claudia Signer überzeugte dabei mit ihrem Solopart. Hoch schwappten die Stimmungswellen mit dem Italo-Hit «Azzurro», bekannt durch Adriano Celentano, man klatschte begeistert mit, Bravo-Rufe waren zu vernehmen.
Dramaturgisch geschickt folgte nochmals eine Pause für den Chor und ein Intermezzo. Der Chorleiter bewies seine Solo-Gesangskunst mit «Let it be», und Krolls Trompetensolo bei «My Way» war ebenso hochklassig sinnlich.
Chapeau für die Champs-Élysées
«Dingeling dingeling ding», das Bass-Ostinato, lieferte den Klangteppich für «Blackbird» (Amsel) von Paul McCartney; hier kam der Chor musikalisch ins Swingen, und auch physisch wippten die Singenden lustvoll mit. Vorfreude auf den Frühling mit Amselgesang lag in der Luft. Zum französischen Klassiker «Aux Champs-Élysées» säumten wieder etliche Hüte die Pariser Allee, Klatschen heizte die heitere Stimmung des Chansons an und das Publikum nahm den Funken auf.
Diese Atmosphäre blieb bis zum Schluss des Konzertes erhalten, und bei «Stand by me» sangen die Gäste im Saal – angeleitet durch den Dirigenten – sogar das rhythmische Grundmuster «Bom bom bom, tschi bom» gekonnt mit.
Geselliger Ausklang im Kibizi
Nach der frenetisch geforderten Zugabe – «Wonderful World» – lud der zufriedene Moderator dann die beschwingten Besucher noch ins eigens inszenierte Beizli im Kibizi ein. Ein Angebot, das in der Folge rege benutzt wurde, um das gelungene Konzert im geselligen Austausch würdig ausklingen zu lassen.

