Nicht unter Zeitdruck handeln
15.05.2026 Niederwil, Region Unterfreiamt, EnergieWie weiter mit dem Elektrizitätswerk Niederwil? – Gemeinderat will Analyse durchführen
Der Gemeinderat Niederwil beantragt an der kommenden «Gmeind» einen Kredit über 32 000 Franken für eine fundierte Variantenanalyse zur ...
Wie weiter mit dem Elektrizitätswerk Niederwil? – Gemeinderat will Analyse durchführen
Der Gemeinderat Niederwil beantragt an der kommenden «Gmeind» einen Kredit über 32 000 Franken für eine fundierte Variantenanalyse zur zukünftigen Ausrichtung des Elektrizitätswerks. Ammann Norbert Ender erklärt, worum es dabei geht.
Chregi Hansen
Vor elf Jahren bewegte das eigene Elektrizitätswerk in Niederwil die Gemüter stark. Der Gemeinderat schlug einen Verkauf vor, 9 Millionen Franken hatte die AEW geboten. Ein sehr guter Preis, wie alle betonten. Doch an der «Gmeind» sagten die Stimmbürger damals Nein.
Nun wird das EW also wieder zum Thema. Wobei es aktuell nicht um die Frage eines Verkaufs geht. Zumindest noch nicht. «Der Gemeinderat möchte frühzeitig und ergebnisoffen prüfen, welche Organisationsform langfristig sinnvoll und tragfähig ist», erklärt Gemeindeammann und Ressortvorsteher Norbert Ender. Dies nicht aus der Not heraus. «Das Elektrizitätswerk Niederwil ist stabil, die Zusammenarbeit mit der AEW funktioniert gut. Auch beim Energieeinkauf sind wir dank einer Partnerschaft mit der iStrom AG gut aufgestellt. Unsere Tarife bewegen sich im Vergleich eher im unterdurchschnittlichen Bereich», betont der Ammann. Aber: Man wolle sich frühzeitig Gedanken machen über die Zukunft und nicht erst, wenn es kriselt.
Gute Zusammenarbeit mit der AEW
Das Elektrizitätswerk Niederwil hat eine über 100-jährige Geschichte als kommunales Werk und war immer Teil der lokalen Grundversorgung. Entsprechend wurde ein Verkauf 2015 abgelehnt, die Bevölkerung wollte das Werk in Eigenständigkeit behalten. Die operative Führung erfolgt hingegen seit längerer Zeit durch die AEW – das EW selber verfügt über kein eigenes Personal. «Die Zusammenarbeit hat sich bewährt», betont Ender. Für den Einkauf der Energie arbeitet Niederwil zudem mit der iStrom AG zusammen – einer Partnerschaft von zahlreichen Energieversorgungsunternehmen. Behalten hat die Gemeinde die strategische Verantwortung und die Anlagen.
Ob das auch in Zukunft so bleibt, soll nun eine fundierte und ergebnisoffene Variantenanalyse zeigen. Anlass dazu ist laut Ender das sich stark verändernde Umfeld. Dieses hat sich gerade für kleine Werke in den letzten Jahren stark verändert und wird sich mit dem sogenannten Mantelerlass des Bundes weiter verändern, Themen wie Smart Metering, neue regulatorische Vorgaben, die dezentrale Stromproduktion durch Photovoltaik, neue Tarifmodelle oder auch die steigenden Anforderungen an Datenmanagement und IT machen den Betrieb eines Elektrizitätswerks deutlich komplexer. «Der Mantelerlass macht aus einem klassischen Energieversorgungsunternehmen wie dem EW Niederwil einen aktiven Energiedienstleister, der mehr erneuerbaren Strom bereitstellen, Effizienz beim Kunden auslösen, das Netz für PV, Wärmepumpen und E-Autos fit halten und deutlich mehr Daten verarbeiten und Transparenz liefern muss», bringt es der zuständige Gemeinderat auf den Punkt.
Geht nicht ums Geldverdienen
Der Gemeinderat möchte deshalb frühzeitig und ergebnisoffen prüfen, welche Organisationsform langfristig sinnvoll und tragfähig ist. «Es geht uns darum, Handlungsspielräume zu behalten und nicht erst unter Zeitdruck reagieren zu müssen. Die Entwicklungen in anderen Gemeinden zeigen durchaus, dass diese Fragestellungen für kleinere Werke zunehmend relevant werden», betont der Gemeindeammann.
Dass das eigene Elektrizitätswerk zu einer Belastung für eine Gemeinde werden kann, konnte man in der Vergangenheit mehrfach verfolgen. So weit soll es in Niederwil nicht kommen. Norbert Ender betont zwar, dass es nicht das Ziel sei, mit dem EW Geld zu verdienen. «Das Werk wird als Eigenwirtschaftsbetrieb geführt. Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern eine sichere, zuverlässige und langfristig bezahlbare Stromversorgung für die Bevölkerung. Die Einnahmen aus dem Betrieb fliessen wieder in Unterhalt, Betrieb und zukünftige Investitionen in die Infrastruktur. Für die Gemeinde ist das EW kostenneutral», erklärt er. Trotzdem wolle man sich auch wirtschaftliche Fragen stellen. So etwa, welche Investitionen künftig auf das EWN zukommen und wie diese langfristig finanziert werden können. «Gerade Themen wie Smart Metering, Netzinfrastruktur oder regulatorische Anforderungen werden in den kommenden Jahren zusätzliche Mittel erfordern», macht der Ammann deutlich.
Transparenz schaffen
Genau deshalb soll die Variantenanalyse eine fundierte Grundlage liefern. Sie soll aufzeigen, welche Chancen, Risiken, Kosten und Auswirkungen die verschiedenen Optionen – von der Weiterführung über Kooperationen bis hin zu anderen Organisationsformen – langfristig hätten. Etwas ist Ender und dem gesamten Gemeinderat wichtig: «Mit dem beantragten Kredit wird noch keinerlei Vorentscheid über einen Verkauf oder eine andere Organisationsform getroffen. Es geht ausdrücklich nur um eine Analyse und um Transparenz gegenüber der Bevölkerung, die ja gleichzeitig sowohl Besitzer wie auch Kunde des EWN ist.» Für die externe Unterstützung wurden zwei vergleichbare Offerten eingeholt und geprüft. Der beantragte Verpflichtungskredit von 32 000 Franken basiert auf diesen beiden Angeboten. Die Kosten gehen zulasten des Elektrizitätswerks Niederwil.
Traktanden der «Gmeind»
An der Einwohnergemeindeversammlung vom Donnerstag, 25. Juni, 20 Uhr, in der Mehrzweckhalle Niederwil werden folgende Geschäfte zur Beschlussfassung unterbreitet: 1. Protokoll. – 2. Rechenschaftsbericht. – 3. Einbürgerungsbegehren. – 4. Netzverbund Wasserreservoir Moos mit Hochzone Wohlen; Kreditabrechnung. – 5. Rechnungsabschluss. – 6. Verpflichtungskredit über 32 000 Franken für eine Variantenanalyse zur zukünftigen Ausrichtung des Elektrizitätswerks Niederwil. – 7. Verschiedenes: 7.1 Neubau Gemeindehaus; 7.2 Höchstspannungsleitung Niederwil–Obfelden; 7.3 Arealentwicklung «Geere»; 7.4 Dorffest 125 Jahre Niederwil-Nesselnbach; 7.5 Gemeindetermine. – 8. Umfrage. Die Einladung zur Versammlung mit den ausführlichen Traktandenberichten wird den Stimmberechtigten vor der Versammlung zugestellt und ist dann auch online aufgeschaltet. --gk

