Neues Publikum erobern
06.03.2026 Musik, Dintikon, Region UnterfreiamtMetal-Röhre auf Abwegen
Fabienne Erni bei «Sing meinen Song»
Am 13. März wird die Sängerin aus Dintikon 33 Jahre alt. Am gleichen Tag erscheint ihr erstes Solo-Album. Und nur drei Tage später startet die neue Staffel der ...
Metal-Röhre auf Abwegen
Fabienne Erni bei «Sing meinen Song»
Am 13. März wird die Sängerin aus Dintikon 33 Jahre alt. Am gleichen Tag erscheint ihr erstes Solo-Album. Und nur drei Tage später startet die neue Staffel der Sendung «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert», in welcher Fabienne Erni eine besondere Rolle innehat. Erstmals ist in dieser Show eine Metal-Sängerin dabei. Für sie eine besondere Challenge. --chh
Die Dintiker Sängerin Fabienne Erni ist bei «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» dabei
Sie ist die Teilnehmerin, welche vor dem grössten Publikum auftritt. Und doch ist ihr Name kaum bekannt in der Schweizer Musikszene. Das Mitmachen in der Show soll dies ändern. «Das Ganze war extrem spannend für mich», berichtet Fabienne Erni.
Chregi Hansen
Bislang wird sie in der Öffentlichkeit kaum erkannt. «Schon gar nicht, wenn ich in meinem Alltags-Look und Brille herumlaufe», sagt Fabienne Erni und lacht herzhaft. Das könnte sich aber bald ändern. Am 16. März startet die neue Staffel von «Sing meinen Song» auf dem TV-Sender 3+. Diesmal mit dabei ist neben Singer-Songwriter Bastian Baker, Leduc vom Mundart-Duo Lo & Leduc, dem singenden Schlagzeuger Nickless, Klangwelten-Künstlerin To Athena und Afro-Fusion-Queen Nicky B Fly auch Fabienne Erni, Stimmwunder der beiden Band «Eluveitie» und «Illumishade».
Die Anfrage hat die Dintikerin sehr überrascht. «Ich bin ausserhalb der Metal-Szene in der Schweiz wenig bekannt», ist sie sich bewusst. Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade mit «Eluveitie» auf Tour im Ausland. «Ich habe den anderen davon erzählt. Und alle fanden: ‹Da musst du unbedingt mitmachen.› Es sei eine Chance für die Band, für mich selber, aber auch für die Metal-Musik überhaupt.» Die Freiämterin soll etwas härtere Klänge in die bekannte Musik-Show bringen. «Dass der Sender diesen Weg geht und etwas wagt, freut mich sehr», sagt sie. Trotzdem hatte sie zu Beginn leise Zweifel. «Das ist alles neu für mich und weit ausserhalb meiner Komfortzone. Es ist andere Musik, als ich bisher gemacht habe. Mit einer anderen Band. Gleichzeitig war es aber auch eine Chance. Ich konnte beweisen, was Metal-Sängerinnen alles draufhaben.»
Auf der ganzen Welt aufgetreten
Singen ist die grosse Passion im Leben von Fabienne Erni. Für anderes bleibt kein Platz. Sie ist in Dintikon aufgewachsen, besuchte die Kantonsschule in Wohlen und studierte Popgesang an der Zürcher Hochschule der Künste. Vor neun Jahren wurde sie die neue Sängerin der Folkmetal-Band «Eluveitie», die international erfolgreich ist und schon auf allen grossen Festivals gespielt hat, beispielsweise auch am legendären Wacken Open Air. «Mit Ausnahme von Afrika bin ich schon überall auf der Welt aufgetreten», erzählt die Sängerin. «Einmal haben wir erst in Russland und danach in Japan gespielt.
Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Metal-Szene in den verschiedenen Kulturen ist.» 2019 hat sie zudem für ihr Masterstudium «Illumishade» gegründet. Was als einmaliges Projekt geplant war, hat sich ebenfalls zu einer erfolgreichen Band entwickelt.
Nun also «Sing meinen Song». Die Teilnahme hat viel verändert in ihrem Leben. Bisher war sie immer Teil einer Band, nun stand sie plötzlich im Mittelpunkt. «Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Und mit ein Grund, mich jetzt an ein Solo-Album zu wagen», erzählt Erni. Dieses nennt sich «Starveil», wird am 13. März erscheinen und ist unterstützt worden vom Aargauer Kuratorium. Für ihr Debütalbum hat sie das, was ihr an ihren beiden zwei Bands am besten gefällt, mit eigenen Ideen gemixt und auch Neues gewagt. So kommt bei einem Song ein Hackbrett zum Einsatz, «das wollte ich schon immer, ich mag den Klang», schmunzelt sie. Sie habe viel gelernt in diesem Prozess. «Ich war erstmals ganz allein verantwortlich für das Resultat.» Das Solo-Album erscheint quasi zum Auftakt von «Sing meinen Song».
Bereit sein für Neues
Die anderen Teilnehmer der Show kannte sie meist nur vom Namen her. Ausser To Athena, mit der sie gemeinsam studiert hat. «Natürlich habe ich schon Songs von Bastian Baker oder Lo&Leduc gehört. Aber gross beschäftigt hatte ich mich nie mit ihrer Musik. Aber genau darum geht es in dieser Show. Den Song eines anderen Künstlers nehmen, den Kern erkennen und ihn zu etwas Eigenem verwandeln. Auf diese Challenge habe ich mich sehr gefreut», erzählt sie.
Sie hat auch viel gelernt dabei. Bisher machte sie vor allem Metal, jetzt musste sie sich mit anderen Sounds beschäftigen, «das war spannend für mich. Als Musiker muss man offen sein für Neues.» Und umgekehrt? Wie haben die anderen Künstler auf Ernis Metal-Songs reagiert? «Ob sie Freude daran hatten, das müsste man sie selber fragen. Ich kann sagen, dass sich alle sehr mit meinen Songs auseinandergesetzt haben. Das Resultat daraus auf dem Sofa zu erleben, das hat schon Eindruck gemacht», erzählt Erni. Es sei etwas Besonderes, die Songs von «Eluveitie» und «Illumishade» in einem ganz anderen Gewand zu erleben.
Überraschendes Wiedersehen
So im Zentrum zu stehen und über sich selber reden zu müssen, davor hatte die Künstlerin durchaus Respekt. «Aber mit Dodo als Gastgeber fällt einem das leicht. Er hat Humor, hört gut zu, stellt die richtigen Fragen.» Die Aufnahmen in Gran Canaria empfand sie als tolle Erfahrung. «Wir hatten es alle gut miteinander.» Und ein besonderer Moment war das Wiedersehen mit dem Wohler Micha Dettwyler, der wiederum in der Begleitband dabei ist. «Er war früher der Schlagzeuglehrer meines Bruders», erzählt sie.
Die Show ist abgedreht. Für die Zukunft hat sie viele Pläne. Als nächstes will sie eine Akustik-Version ihres Solo-Albums einspielen und damit auf Tour gehen. Mit «Eluveitie» ist ein ganz besonderes Konzert in Augusta Raurica geplant, «auf diesen Abend in dieser Umgebung freue ich mich extrem». Gefolgt von einer Tour und viele Festival-Auftritte mit der bekannten Folk-Metal-Band. Bald schon starten auch die Arbeiten für ein neues Album von «Illumishade». «Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen», gibt sie zu. «Es gibt ruhigere und intensivere Phasen. Derzeit ist es wieder eher intensiv», sagt sie und lacht wieder herzhaft.
Vom beschaulichen Dintikon hat sie längst den Sprung auf die Bühnen der Welt geschafft. Wie sehr ist sie noch mit ihrer Heimat verbunden? «Ich bin weiterhin viel bei meinen Eltern, wenn ich in der Schweiz bin. Und habe auch Kontakt zu vielen alten Freunden», betont Fabienne Erni. Aber ja, den Grosszeit ihrer Zeit verbringt die 33-Jährige ausserhalb der Schweiz. «Das passt mir. Reisen war schon immer eine grosse Leidenschaft», sagt sie. Im Januar war sie beispielsweise mit ihren beiden Bands bei «70 000 Tons of Metal», der weltweit grössten Heavy-Metal-Kreuzfahrt. Da durfte sie neben den Auftritten mit «Eluveitie» und «Illumishade» auch solo ein Akustik-Set spielen. «Das war schon speziell, so allein am Piano vor lauter Metal-Fans», schaut sie zurück. Doch das passt ihr – sie mag die Arbeit im Studio, «aber live performen, das ist das Grösste».
Sie würde gern auch in der Region auftreten
Fabienne Erni tritt auf der ganzen Welt auf. Und wann sieht man sie endlich mal in der Region? «Ich bin doch kürzlich im Freiamt aufgetreten», gibt sie zurück. Letzten September spielte «Illumishade» am Mettlerfield-Festival in Mühlau. «Ich komme auch gern für ein Konzert nach Wohlen, wenn man uns engagiert. Dann habe ich einen kurzen Weg», fügt sie lachend an. Vorerst ist sie einfach gespannt, wie «Sing meinen Song» ihr Leben verändern wird. Und welche neue Türen dadurch aufgehen. Auf die am 16. März startende Ausstrahlung von «Sing meinen Song» freut sie sich extrem. «Ich werde jede Episode mehrfach schauen mit verschiedenen Leuten. Mit der Familie, mit Kollegen, mit der Band. Und werde genau schauen, wie sie reagieren», schmunzelt sie.
Das Schweizer Tauschkonzert
Wenn Schweizer Musikerinnen und Musiker die Songs anderer neu interpretieren, hat Gastgeber Dodo wieder nach Gran Canaria eingeladen. Das erfolgreiche Musikformat startet in die siebte Staffel. Mit dabei: Bastian Baker, Leduc, Nickless, To Athena, Nicky B Fly sowie Fabienne Erni. Zum ersten Mal stattet ein internationaler Special Guest, der irische Sänger Rea Garvey, der Truppe einen Besuch ab. Die erste Folge wird am Montag, 16. März, 20.15 Uhr, auf 3+ ausgestrahlt. Danach geht es im Wochenrhythmus weiter. Die Folge, in denen die anderen Gäste die Songs von Fabienne Erni performen, wird am 5. April ausgestrahlt.



