Neuer Teilnehmerrekord
15.05.2026 BremgartenStaudenschlacht-Gedenkschiessen lockt 625 Schützen nach Bremgarten
Das einzige historische Schiessen im Aargau erinnert an die Staudenschlacht von 1712. Die Schützen der Stadt Bremgarten richteten in diesen Tagen bereits die vierte Ausgabe davon ...
Staudenschlacht-Gedenkschiessen lockt 625 Schützen nach Bremgarten
Das einzige historische Schiessen im Aargau erinnert an die Staudenschlacht von 1712. Die Schützen der Stadt Bremgarten richteten in diesen Tagen bereits die vierte Ausgabe davon aus.
Hans Rechsteiner
An jenem blutigen Fronleichnamstag am 26. Mai 1712 lagen nach nur zwei Stunden Kampf «in den Stauden» südlich von Göslikon auf dem Schlachtfeld 87 tote Berner, die Verluste der Innerschweizer aber beliefen sich auf über 400 Gefallene, mehrheitlich Luzerner. Bremgarten hatte schwere Folgen zu tragen. Die heutigen Bremgarter Schützen rangen lange Jahre hartnäckig um die Anerkennung ihres historischen Schiessens, des heute einzigen im Kanton Aargau. Zwei Voraussetzungen waren zu erfüllen. Beim Alter des ausführenden Vereins konnten die Stadtschützen auf ihre Tradition seit 1476 zurückgreifen. Und die Staudenschlacht ist auch fast auf den Tag genau 314 Jahre her.
Für die teilnehmenden Schützen ist die Aufgabe interessant und herausfordernd. Nur bei wenigen solcher Schiesswettbewerbe – in der Schweiz gibt es nur zwanzig historische Schiessen – werden beide Waffen eingesetzt: Gewehr über 200 Meter Distanz, Pistole über 30 Meter, nur Ordonnanzwaffen sind zugelassen. Die Herausforderung: auf die spezielle Scheibe ohne einen einzigen Probeschuss zwölf Schuss auf eine ungewohnte Distanz, in drei Minuten abzugeben. Und: Der Schütze sieht seine Scheibe erst an der Rangverlesung wieder. Denn diese wird, mit seinem Namen versehen, eingerollt und versorgt, dann kann er sie mit nach Hause nehmen.
«Schützen haben Schweizer Geschichte mitgeschrieben»
Was frühmorgens ab halb sieben mit den letzten Mutationen begann, war gegen Mittag nach unzähligen Ablösungen abgeschlossen. Das Donnern der vierten Erinnerung an die Staudenschlacht zu Bremgarten war vorbei, der Pulverrauch verdampft. Im Festzelt wurde verpflegt, und fachsimpelndes Schützenlatein gepflegt. Hatten etwa morgendliche Leichtnebelschwaden die eigene Trefferquote vernebelt? Zum Empfang der Gäste marschierte die «Tätschchappemusig Lözärn» ein, in historischen Gardeuniformen mit Federbusch-Spitzhelmen auf den Köpfen und stolz angeführt vom Fähnrich Markus Buob, ehemals Optiker in der Marktgasse. Stefan Hausherr, Präsident des OK, konnte erneut auf einen spannenden und gut organisierten Wettbewerb ohne Zwischenfälle zurückblicken. Hausherr dankte für den Wettkampf und die attraktive gute Stimmung unter Schützenkameraden, er hob die Bedeutung der Schiessvereine besonders hervor. «Wir alle pflegen einen guten Sport, wir alle sind bewaffnet, aber wir schiessen nicht wie in der Staudenschlacht vor über 300 Jahren aufeinander, vielmehr miteinander auf ein gemeinsames Ziel. Wir stärken unser Bewusstsein, pflegen Zusammenhalt und Kameradschaft.»
Raymond Tellenbach – «Stadtammann ausser Dienst», wie er sich nannte – grüsste am Gedenkschiessen als Vertreter der Stadt Bremgarten. «Euer Anlass ist wichtig. Es war eine blutige Schlacht mit grossem Hintergrund. Eigentlich haben dort alle verloren. Leben wir etwas friedlicher miteinander. Das wäre in heutiger Zeit doch eine gute Idee.»
«Unkompliziertes Mitenand»
Als Festredner trat Christoph Riner, Nationalrat aus Zeihen, ans Rednerpult. Er zieht aus der Geschichte die Erkenntnis, «dass Friede, Zusammenhalt und Sicherheit nicht selbstverständlich und Gott-gegeben sind. Und dass die Schweiz, wie wir sie heute kennen, kein Zufallsprojekt ist.» Riner sieht eine Tendenz zu individuellem zeitgeistigem Egoismus, plädiert aber dagegen für Gemeinschaft, Zusammenhalt und Freundschaft. «Wir müssen unsere Entscheidungen selbst treffen, weil niemand unser Land besser kennt als wir selbst. Am Ende tragen wir selbst die Entscheidungen. Fragen wir uns, was für eine Schweiz wir unseren Generationen überlassen wollen. Was verloren ist, kommt nie mehr zurück.»
Noch mehr will man nicht
Die Teilnehmerzahl am Bremgarter Erinnerungsschiessen an die damalige Staudenschlacht ist jetzt mit 625 Schützen auf einem Höchststand – mehr will man nicht verkraften. Bisher war das Echo aus dem kantonal-aargauischen Schützenwesen gegenüber diesem Schiessen – sagen wir mal – «verhalten». Darum freute es die Organisatoren, festzustellen, dass diesmal Schützen aus Jonen, Muri, Tägerig, Fahrwangen dabei waren. Das historische Staudenschlachtschiessen ist auch bei ihnen angekommen.
Verschiedene Gewinner
Siegersektion Pistole ist Combat League Aarau, im Sektor Gewehr die Feldschützen Mörigen am Bielersee. Die Bundesgabe Gewehr, ein Sturmgewehr 90, holte sich Jean-Marc Margot, Mörigen. Die Bundesgabe Pistole, eine P49, gewann Corsin Schmutz, Schwarzenburg. Auf der sehr speziellen Staudenschlachtscheibe – von Kromer in Lenzburg extra gedruckt – gibt es seitlich links eine sehr kleine Ausbuchtung mit dem Staudenschlacht-Gedenkstein, wenige Zentimeter gross. Wer das trifft, ist Spitze: Martin Röthlisberger, Unterägeri. Ja, und der Festredner Christoph Riner? Mit 29 Punkten auf dem 8. Rang – Chapeau.

