Nach den Regeln der Natur
27.03.2026 Oberwil-Lieli, Natur, MutschellenDer Permakultur-Klanggarten in Oberwil-Lieli ist Lebensraum, Bildungsstätte und Kraftort zugleich
Sabrina Volkart kultiviert in Oberwil-Lieli ein Stück Land, das weit mehr ist als ein Garten. Der Klanggarten ist ein Ort für Natur, Gemeinschaft und gelebte ...
Der Permakultur-Klanggarten in Oberwil-Lieli ist Lebensraum, Bildungsstätte und Kraftort zugleich
Sabrina Volkart kultiviert in Oberwil-Lieli ein Stück Land, das weit mehr ist als ein Garten. Der Klanggarten ist ein Ort für Natur, Gemeinschaft und gelebte Kreisläufe.
Sabrina Salm
Noch wirkt die 1,5 Hektare Fläche fast karg. Der Boden ist braun und die Beete auf der Parzelle «Stifel» beinahe leer. «Zurzeit sieht es nach fast nichts aus», gibt Sabrina Volkart schmunzelnd zu. «Aber jedes Jahr verblüfft mich der Garten wieder. Plötzlich blüht alles und man fühlt sich wie in einem Dschungel.» Zu tun gibt es für die 44-Jährige trotzdem schon einiges: Beete werden vorbereitet, Beerensträucher geschnitten oder Setzlinge vorgezogen, die dann nach den Eisheiligen gepflanzt werden. Alles in hundertprozentiger Handarbeit und nach den Prinzipien der Permakultur.
Die Geschichte dieses Ortes begann 2013, als Roger Gündel vom Bio-Birchhof die einstige Kleegraswiese übernahm. Schritt für Schritt wurden Hecken, Sträucher, Bäume, Wildkräuter gepflanzt und ein Teich angelegt. Alles mit dem Ziel, ein stabiles, sich selbst tragendes System zu schaffen. Volkart stiess eher zufällig dazu. Und blieb. «Mir hat es den Ärmel hineingezogen», erinnert sie sich. Die Ethik der Permakultur, die Verbindung von Handarbeit, Gemeinschaft und Vielfalt, liess sie nicht mehr los. Vor drei Jahren startete Sabrina Volkart mit dem Projekt namens «Permakultur-Klanggarten» in die Selbstständigkeit.
Eine Lebensphilosophie
Der Garten ist eine Komposition aus verschiedenen Elementen. Anbauflächen für Kräuter, Blumen und Gemeinschaftsgarten, Gemeinschaftsplätze wie Feuerstelle oder Weidendom und reine Biodiversitätsbereiche. Hier darf die Natur einfach sein. Ein Käferhügel bietet Unterschlupf, Blumen sind Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und Insekten, im Teich tummeln sich Frösche und Libellen. «Und manchmal schauen sogar Enten vorbei.» Permakultur sei mehr als Gärtnern, es ist eine Lebensphilosophie. «Es geht darum, Kooperationen zu schaffen, in denen sich Menschen, Tiere und Pflanzen gegenseitig unterstützen», erklärt Volkart. Dafür beobachtet und interagiert sie zuerst, bevor sie handelt. Der lehmige Boden wurde über Jahre durch konsequentes Mulchen mit Humus aufgebaut. Gespritzt wird hier nichts. Alles entsteht in reiner Handarbeit und orientiert sich am Mondkalender. «Wir versuchen, ein möglichst resilientes System zu schaffen», sagt sie. «Eines, das nicht anfällig ist, sondern sich selbst regulieren kann.»
Sie erklärt weiter, dass jedes Element im Garten mehrere Funktionen hat. Ein Baum spendet Schatten, liefert Früchte, dient als Windschutz und ist Lebensraum für Tiere. Diese Vernetzung schafft Win-win-Situationen, die Sabrina Volkart auch auf die menschliche Gemeinschaft überträgt. Die «Permi», wie der Garten liebevoll genannt wird, ist eine soziale Oase geworden.
Lernen mit allen Sinnen
Ein zentrales Anliegen ist ihr die Wissensvermittlung, besonders an die nächste Generation. In ihren Kinderkursen geht es nicht um Theorie, sondern um das Erleben mit allen Sinnen. «Viele Menschen haben heute keine Ahnung mehr, woher ihre Nahrung kommt», stellt sie fest. «Dieses Wissen zu vermitteln und Wertschätzung zu ermöglichen, liegt mir sehr am Herzen.» Säen, pflanzen, ernten – und zwischendurch musizieren, basteln oder einfach staunen. In ihren Kursen verbindet sie Natur und Klang auf spielerische Weise. Auch Erwachsene können im Klanggarten lernen. Volkart bietet Heilpflanzen-Workshops und Kurse an, die zeigen, wie man Permakultur-Prinzipien sogar auf dem kleinsten Balkon anwenden kann. Der Garten dient als Bildungsort, aber auch als Festwiese oder Rückzugsort für Auszeiten. Ein Rundzelt und eine grosse Wiese bieten Raum für Begegnungen, Rituale oder Schulreisen. Die Plätze werden vermietet.
Nicht auf Kosten anderer
Wer Sabrina Volkart beobachtet, spürt, dass sie die Ethik der Permakultur «Sorge zur Erde, Sorge für den Menschen und gerechtes Teilen» verinnerlicht hat. Es ist hier im Klanggarten nicht bloss ein Konzept, sondern gelebter Alltag. «Heute ist vieles ausgelagert, der Bezug zum Wesentlichen ist oft verloren gegangen», sagt sie nachdenklich. Im Klanggarten versucht sie, diese Verbindung wiederherzustellen. Ihr Antrieb ist dabei klar: «Ich möchte möglichst viele Kreisläufe schliessen und einen Ort schaffen, an dem alle ihren
Platz und Frieden haben.» Und dies, ohne dass es auf Kosten anderer geht.

