Mutig und traditionell
16.01.2026 Oberwil-Lieli, MutschellenJahreskonzert des Männerchors begeisterte
Mit einer herausfordernden Liederauswahl, toller Umsetzung und dem Comedyduo «Messer & Gabel» sorgte der Männerchor Oberwil-Lieli am Wochenende für beste Unterhaltung. Er erntete dafür verdient ...
Jahreskonzert des Männerchors begeisterte
Mit einer herausfordernden Liederauswahl, toller Umsetzung und dem Comedyduo «Messer & Gabel» sorgte der Männerchor Oberwil-Lieli am Wochenende für beste Unterhaltung. Er erntete dafür verdient lauten Applaus.
«Zu diesem Lied darf ich nichts sagen», erklärte Ansager und Sänger René Wyttenbach. «Schauen Sie einfach das wunderschöne Bild an und lauschen Sie dem Text.» Was folgte, war eine grandiose A-cappella-Version von Rammsteins «Engel» aus dem Jahr 1997. Nach dem Lied sagte dann Wyttenbach doch noch etwas mit einem Schmunzeln dazu: «Dieses Lied besitzt operettenhafte Elemente und Heavy Metal. Das zu singen, ist gar nicht so einfach.»
Lachen üben
Nicht einfach sei es auch gewesen, «Africa» der amerikanischen Rockband Toto zu singen. Aber auch hier brillierte der Männerchor Oberwil-Lieli. Das galt aber generell am Jahreskonzert. Die Liedauswahl bestand zum grossen Teil aus Songs, welche die Zuschauer ein Jahr zuvor auswählen konnten. Damals lagen A4-Blätter mit rund 100 Liedern auf den Tischen. «Gefällt Ihnen unser diesjähriges Programm nicht, sind Sie selber schuld», schalkte Wyttenbach. «Wir haben Ihre Wünsche notariell inoffiziell ausgewertet.» Und so kam das Publikum in den Genuss von Klassikern wie «Über 7 Brücken musst du gehen» von Peter Maffay, «Io senza te» von Peter, Sue und Marc oder dem sehr gefühlvollen «Que sera, sera». Diese wurden mal a cappella vorgetragen, mal durch Pianist Jonathan Stich und Schlagzeuger Max Liebenberg begleitet. Einen kleinen Schwank erzählte René Wyttenbach über eine Probe von «Io senza te». «Unsere Gesamtleiterin Monika Sturm-Schmid schaute da in unsere Grusel-Gesichter und meinte, dass man niemals darauf kommen würde, dass wir gerade ein Liebeslied singen. Sie gab uns den Tipp, jedes Mal zu lächeln, wenn wir in den Spiegel schauen.» Mit «Tage wie diese» von «Die Toten Hosen» hatte es zum Schluss des ersten Teils noch ein weiteres Lied einer Rockband in das Programm geschafft.
Unterstützung durch den Frauenchor Birmensdorf erhielten die Männer bei «Im Wagen vor mir». In diesem wird in zwei Perspektiven beschrieben, wie ein Mann einer Frau nachfährt. Die Frauen übernahmen dabei die Gedanken der Frau. «Sie haben spontan und leidenschaftlich zugesagt», war Wyttenbach begeistert. «Zum Glück werden sie ebenfalls von Monika Sturm-Schmid geleitet.» Stummes bis leises Mitsingen war bei «Aber dich gibts nur einmal für mich» angesagt. «Das Lied ist ein Ohrwurm der Nilson Brothers», wusste der Ansager. Mit dem durch Frank Sinatra berühmt gewordenen «My Way» ehrte der Männerchor Herbert Koller, der seit 65 Jahren im Männerchor mitsingt. «My Way» bezeichnete René Wyttenbach als Kollers Lieblingslied. Aber auch Bruno Fleischli singt seit 60 Jahren im Chor. Ihm wurde die Zugabe «La Montanara» gewidmet. Den offiziellen Konzertschluss bildete zuvor «Major Tom» von Peter Schilling.
Mehr als nur Singen
Nach den Konzertblöcken lachte das Publikum jeweils zu den Spässen des Komikerduos «Messer & Gabel». Dessen Engagement war eigentlich nur für den Samstagabend vorgesehen gewesen. Sie traten aber auch am Freitagabend in Oberwil-Lieli auf, weil ein Mitglied des Rickenbacher Trios «Krause Glucken» mit hohem Fieber im Bett lag. «Messer & Gabel» zogen das Publikum ab dem ersten Moment auf ihre Seite. Ihre Sprüche im Appenzeller Dialekt und in entsprechender Tracht trafen den Geschmack des Publikums. Zum Beispiel dann, wenn sie sich wunderten, dass heute teilweise die Kinder ihre Eltern mit deren Vornamen ansprechen statt mit «Mama» und «Papa». Aber auch die vielen Eindeutschungen von Englisch sorgten für laute Lacher. Etwa dann, wenn sie meinten, dass es kein Wunder sei, dass es «Rappermusik» heisse, wenn deren Musik keinen Franken wert ist. Das Duo passte sehr gut zum Männerchor.
Die beiden Abende unterstrichen die Aussage von René Wyttenbach, der betonte, dass es beim Männerchor weit mehr als um das Singen gehe. «Wir sind eine richtige Gemeinschaft, in der Mann sich wohlfühlt.» --rwi

