Mit jungen Hüpfern und alten Hasen
30.01.2026 Bremgarten, TheaterEin Klassiker zum Jubiläum
Das Kellertheater präsentiert vom 14. Februar bis 28. März «Die Physiker»
In zwei Wochen geht es los mit der 60. Spielzeit des Kellertheaters. Unter der Regie von Käthi Vögeli wagt sich ...
Ein Klassiker zum Jubiläum
Das Kellertheater präsentiert vom 14. Februar bis 28. März «Die Physiker»
In zwei Wochen geht es los mit der 60. Spielzeit des Kellertheaters. Unter der Regie von Käthi Vögeli wagt sich das Bremgarter Ensemble an ein bekanntes Werk von Dürrenmatt.
Marco Huwyler
Wundern Sie sich nicht, wenn an dieser Stelle in ein paar Jahren von der 100. Eigeninszenierung des Kellertheaters die Rede sein wird. Weder wird dann ein Rechenfehler vorliegen noch ist dies jetzt der Fall. Dies liegt daran, dass zu Anfangszeiten die Theaterliebe in Bremgarten offensichtlich in ziemlichem Überschwang vorhanden war. Bis zu vier Eigeninszenierungen jährlich wurden im letzten Jahrhundert im Kellertheater zuweilen aufgeführt, bevor man irgendwann in den geruhsameren Jahresrhythmus wechselte. Und so ist die 60. Spielzeit nicht gleichzusetzen mit der Anzahl Stücke, die währenddessen inszeniert wurden. «Das tönt kompliziert», schmunzelt Anja Betschart. «Deshalb wollen wir den Fokus auch gar nicht zu sehr auf dieses Jubiläum legen.» Und dennoch wagt sich die Produktionsleiterin gemeinsam mit den anderen Verantwortlichen dieses Jahr an eine besondere Eigeninszenierung.
In der Endphase
Unter der Regie von Käthi Vögeli – der ersten Frau in dieser Rolle seit 21 Jahren – präsentiert das Kellertheater mit «Die Physiker» einen Klassiker, der nicht nur besonders kulturaffinen Zeitgenossen ein Begriff sein dürfte. Im Kontext moderner und potenziell verheerender Technologien ist das zeitlose Werk heute aktueller denn je. Wir haben zwei Wochen vor der Premiere eine Probe der Bremgarter Version von Friedrich Dürrenmatt besucht und mit den Verantwortlichen über Hintergründe und Herausforderungen gesprochen.
Das Kellertheater freut sich auf seine 60. Spielzeit – am 14. Februar ist Premiere
Wenn sich die Bremgarter Institution in zwei Wochen an «Die Physiker» wagt, wird man auf der Bühne viele bekannte Gesichter erblicken. Doch manches und manche sind auch neu. So führt heuer etwa zum ersten Mal nach über 20 Jahren wieder eine Frau Regie. Und auch der Nachwuchs bekommt seinen Auftritt auf der grossen Bühne.
Marco Huwyler
«Wirst du nervös sein, Yanis?» Der 13-Jährige lächelt. «Ich weiss es nicht. Ich war ja noch gar nie in dieser Situation.» Yanis Studer ist einer von drei Teenagern, die sich am 14. Februar erstmals ins grosse Scheinwerferlicht des Kellertheaters wagen. Dafür sind sie in den vergangenen Wochen und Monaten das eine oder andere Mal etwas später ins Bett gekommen, als es ihren Eltern lieb gewesen sein dürfte.
Dafür werden sie umso stolzer sein, wenn ihre Sprösslinge in zwei Wochen bestens vorbereitet die Bühne des vollen Bremgarter Traditionshauses betreten. «Wir haben dafür extra Flötenspielen gelernt», erzählt Yanis. Musikalisch perfekt sei das Resultat zwar nicht. «Doch das braucht es auch nicht zu sein. Das passt so bestens zum Kontext», schmunzelt Käthi Vögeli, ohne darauf näher einzugehen.
Fast jeder kennt es – aber kaum einer mehr so richtig
Die Regisseurin will nicht zu viel verraten von «Die Physiker». Ein Stück zwar, dem ein Grossteil der Theaterbesucher irgendwann im Verlaufe ihres Lebens begegnet sein dürfte – ist es doch seit Jahrzehnten fester Bestandteil der hiesigen Schulliteratur. «Doch bei den meisten ist das entsprechend viele Jahre her», lächelt Vögeli. «So hat man zwar noch vage etwas im Hinterkopf. Aber die zahlreichen Wendungen, Überraschungen und Pointen sind den allerwenigsten noch immer im Detail präsent.» Deshalb soll man am besten erst am Spielabend selbst erfahren, weshalb und mit welchem Effekt auf der Bühne Flöte gespielt wird – wie auch von vielem Weiterem. Es wird sich auf jeden Fall lohnen, dem Kellertheater ab Mitte Februar einen Besuch abzustatten. Nicht nur, weil es sich bei «Die Physiker» um ein zeitloses Meisterwerk und ein Stück Schweizer Literaturgeschichte handelt – auch die Bremgarter Inszenierung verspricht einiges.
«Textstück» als Herausforderung
Zu seiner 60. Spielzeit hat man sich zum ersten Mal seit den 80er-Jahren (damals «Porträt eines Planeten») wieder an Friedrich Dürrenmatt gewagt. «Es ist ein sehr anspruchsvolles Werk für ein Laientheater», sagt Regisseurin Vögeli. «Die Physiker» sei ein «Textstück» – «das heisst, dass man mit der Sprache sehr präzis und eng am Text bleiben muss». Bei Dürrenmatt stehe und falle alles mit den Schauspielern. «Es gibt wenig Raum für Action und Handlung in der Umgebung, welche das Gesagte ergänzen und einen Teil der Gesamtwirkung ausmachen.»
Entsprechend akribisch geht man in der Vorbereitung zu Werk. Immer und immer wieder wird an einzelnen Details und Kleinigkeiten gefeilt, bis Tonalität, Gestik und Position perfekt stimmen. Das Kellertheater sei glücklicherweise nicht irgendein Laientheater, das habe sie schnell gemerkt, sagt Vögeli, die zum ersten Mal in Bremgarten ein Stück inszeniert. «Es ist eine wirklich wunderbar aufgestellte Gruppierung mit vielen tollen Schauspielerinnen und Schauspielern.» Sie bringen sich auch immer wieder ein, wenn an sprachlichen Feinheiten herumstudiert wird. Herausforderungen diesbezüglich gab es in den vergangenen Wochen eine ganze Menge. Denn das Kellertheater inszeniert «Die Physiker» auf Schweizerdeutsch. Wenn es im Original also beispielsweise heisst: «Begehren Sie mich?», wurde im Kellertheater gewerweisst, wie unser Dialekt das heute ausdrücken würde. «Möchtid Sie mit mir is Bett?» oder vielleicht besser: «Händ Sie Luscht uf mich?»
Bremgarter Version in Mundart
Das letzte Wort hat in solchen und anderen Fragen natürlich die Regisseurin selbst. Käthi Vögeli hat sich meistens eng an das Original gehalten. Ihre Haltung: «Man braucht ein von Natur aus zeitloses Werk nicht künstlich zu modernisieren.» Kleine, aber feine Details musste sie dennoch «rausputzen», wie Vögeli es nennt. Aus «Fräulein» oder «Weib» etwa wird heute «Frau». Generell sei es ihr wichtig gewesen, das über 60-jährige Stück mit einem heute zeitgemässen Frauenbild zu präsentieren. Dazu passt auch, dass sie für die Besetzung der Rolle einer im Original blutjungen Krankenschwester eine Schauspielerin ausgesucht hat, die altersmässig dem männlichen Gegenpart entspricht.
Zur Sensibilisierung bei solchen Fragen hilft es sicher, dass Vögeli selbst eine Frau ist. Endlich einmal wieder in dieser Position, ist man versucht zu sagen – zuletzt war dies im Kellertheater 2005 mit Eva Müller der Fall. «Dies war mir auch ein besonderes Anliegen im Hinblick auf dieses Jahr», sagt Produktionsleiterin Anja Betschart. «Und Käthi Vögeli passt wirklich sehr gut zu uns und arbeitet bestens mit den Verantwortlichen anderer Bereiche zusammen.»
Musik wirkt trotzdem
Dazu gehört beispielsweise Pe Spalinger, der traditionell für die Bühnengestaltung verantwortlich zeichnet. «Es ist mal wieder besonders geworden. Mit Projektionen, die das Publikum das eine oder andere Mal überraschen dürften», frohlockt Betschart dazu. Die musikalische Leitung hat heuer, wie auch schon, Christov Rolla inne. Obwohl dem Einsatz durch die Wesensart von «Die Physiker» Grenzen gesetzt sind, ist die Livemusik (neben Flöte auch E-Piano und Klavier) auch in der diesjährigen Eigeninszenierung – wie immer beim Kellertheater – ein wichtiger Bestandteil.
Sie trägt das Ihrige zur Wirkung der vielen überraschenden Wendungen und Tragödien des Stücks bei, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt, wenn Möbius (gespielt von Urs Albrecht) im Irrenhaus auf «Einstein» (Franky Weber) und «Newton» (Hans Jörg Gygli) trifft und sich die Ereignisse überschlagen. Letzterer Protagonist ist im Übrigen eines von vielen aktiven Urgesteinen des Kellertheaters. Seit über 30 Jahren wirkt Gygli in Bremgarter Inszenierungen mit. Dem jungen Debütanten Yanis Studer kann er versichern: «Nervös wirst du bestimmt sein.» Das sei er selbst nämlich als alter Hase noch jedes Mal. «Doch das ist auch gut so. Das Prickeln gehört zur Faszination Theater dazu.»
«Die Physiker» wird vom 14. Februar bis am 28. März insgesamt 16-mal im Kellertheater aufgeführt. Weitere Informationen, Reservationen und Tickets unter: www.kellertheater-bremgarten.ch.



