Mit ganz viel Frauenpower
08.05.2026 SportEin Organisationskomitee, mehrere Anlässe: OK-Präsidentin Carina Aurilio zieht Bilanz
Sie hatten vom Nationalturnen wenig Ahnung und haben dennoch einen starken Event auf die Beine gestellt. Der TV Dottikon zeigt sich am letzten Wochenende hoch engagiert. Auch ...
Ein Organisationskomitee, mehrere Anlässe: OK-Präsidentin Carina Aurilio zieht Bilanz
Sie hatten vom Nationalturnen wenig Ahnung und haben dennoch einen starken Event auf die Beine gestellt. Der TV Dottikon zeigt sich am letzten Wochenende hoch engagiert. Auch besonders: Ein frauenlastiges OK organisiert einen von Männern dominierten Sport.
Stefan Sprenger, Josip Lasic
Vor diesem starken OK kann man nur den Hut zücken. Am letzten Samstag kommen rund 1000 Menschen auf die Schulanlage beim Risi in Dottikon. Denn da war einiges los. Hauptevent: der Aargauer Nationalturntag. Dazu ein turnerischer Vorbereitungswettkampf für den Fachtest, ein Volleyball-Plauschturnier und «de Schnellscht am Maiengrün».
Fast nur Frauen im Vorstand – das hat einen einfachen Grund
Beim Organisationskomitee hatte der TV Dottikon die Leitung. Im Vereinsvorstand sind sechs Frauen und ein Mann. Einfacher Grund für dieses erfrischend weibliche Übergewicht: «Es gibt kaum Männer beim TV Dottikon», sagt OK- und Vereinspräsidentin Carina Aurilio. Dies, weil Männer- und Frauenriege jeweils selbst einen Vorstand haben, ebenso das Teamaerobic. Beim TV sind die Geräteturnerinnen und -turner, die Aktivriegen und das Kinder- und Jugendturnern. «In der Halle sind meist Frauen», sagt Aurilio. Die 23-Jährige aus Waltenschwil (die in Villmergen aufgewachsen ist) ist seit einem Jahr das Oberhaupt des jungen Vorstandes des TV Dottikon. «Ich mache es sehr gerne», sagt sie.
Aufwand unterschätzt
Besonders: Der TV Dottikon organisierte den Nationalturntag. Eine Sportart, die fast ausschliesslich nur von Männern durchgeführt wird. Aurilio sagt: «Wir kannten das Nationalturnen kaum. Und es war mehr Aufwand als gedacht, das haben wir ein wenig unterschätzt. Wir hatten aber Hilfe von Leuten, die sich auskennen», sagt sie. Dazu gehörten die Freiämter Nationalturn-Experten Jakob Frischknecht und Daniel Schmid sowie Timo Gisi, Mitglied des TV Dottikon (und Hauptsponsor).
Lob von den Nationalturnern
Neben den rund 140 Teilnehmern des Nationalturntags waren rund 300 Besucher vor Ort (weitere 700 Menschen an den anderen Anlässen den ganzen Tag). «Insgesamt war es ein gelungener Anlass», sagt der Hägglinger Daniel Schmid. Der Technische Leiter des Aargauer und Eidgenössischen Nationalturnverbands unterstützte dabei, die Wettkämpfe auf die Beine zu stellen. «Der TV Dottikon hatte im Vorfeld weniger Bezugspunkte zum Nationalturnen, aber der Wille und die Motivation, einen guten Anlass auf die Beine zu stellen, waren da. Das ist das Wichtigste. Und die Anlage im Risi ist natürlich auch optimal für so etwas.» OK-Chefin Carina Aurilio sagt: «Das Nationalturnen ist eine coole Sportart. Die Traditionen, die dort gepflegt werden, waren für mich absolutes Neuland. Aber durchaus spannend.»
Hofmänner über Frauen im Nationalturnen
Sie durfte zahlreiche schöne Begegnungen erleben und auch viele Komplimente entgegennehmen. Und es habe sich auch gelohnt, dass man an jenem Tag vier Anlässe durchführte. «Die Festwirtschaft stand. Die anderen Anlässe hätten sowieso stattgefunden. So konnten wir die Synergien bestens nutzen. Es hat alles aneinander vorbeigepasst. Davor hatte ich im Vorfeld etwas Respekt. Aber am Ende ist alles aufgegangen, und wir sind sehr zufrieden», sagt Aurilio.
Apropos Frauen und Nationalturnen: Der Medien- und Sportexperte Stefan Hofmänner (vom Schweizer Fernsehen) war am Anlass vor Ort. Er hatte den Auftrag, dass Nationalturnen unter die Lupe zu nehmen und wichtige Informationen zu liefern, wo allenfalls Verbesserungspotenzial besteht (siehe Ausgabe vom letzten Dienstag). Explizit zu den Frauen im Nationalturnen meinte Hofmänner: «Hier am Nationalturntag nehmen Mädchen teil. Das ist herzig. Ich habe zuvor sogar gesehen, wie ein Mädchen gegen einen Jungen gewonnen hat im Ringen. Aber es gibt ja kein Frauen-Nationalturnen. Wie geht es für eine Sportlerin weiter, wenn sie erst einmal in die Frau-Kategorie wechseln könnte? Damit ist die Hälfte der Bevölkerung ja schon ausgeschlossen. Und wenn so wenige Mädchen und Frauen teilnehmen, kann man ja auch keine eigene Kategorie einführen.» Solange dies nicht geändert wird, wird das Nationalturnen auch eine Männerdomäne bleiben. Für Aurilio und das OK des TV Dottikon ist ohnehin klar: Nationalturnen organisieren: Ja, selbst den Sport ausüben: Nein.
Bei ihnen stehen andere Dinge an. Heute Freitag das Showturnen des TV Dottikon in der Risi-Halle. Am 22. Mai der Freiämter Cup in Jonen, am 30. Mai der Fricktaler Cup und am 20. Juni das Turnfest in Seengen. «Uns wird nicht langweilig», sagt Aurilio, die gemeinsam mit dem ganzen OK einen hervorragenden Job macht.


