Mit eisernem Willen zum Profi
27.10.2023 Oberwil-Lieli, MutschellenBodybuilderin Tamara Füglistaler hat in die Profiliga gewechselt
2019 begann Tamara Füglistaler mit Bodybuilding. Zwei Jahre später wurde sie Vize-Schweizer-Meisterin in der Klasse «Figur». Mitte Oktober dieses Jahres wechselte sie von der ...
Bodybuilderin Tamara Füglistaler hat in die Profiliga gewechselt
2019 begann Tamara Füglistaler mit Bodybuilding. Zwei Jahre später wurde sie Vize-Schweizer-Meisterin in der Klasse «Figur». Mitte Oktober dieses Jahres wechselte sie von der Amateur- in die weltweite Profiliga und erreichte in ihrer Klasse an der Weltmeisterschaft gleich den 5. Rang.
Roger Wetli
«Das war für mich ein mutiger Schritt, den ich nach kurzer Überlegungszeit gewagt hatte. Umso schöner, kann ich auch hier einen ersten Erfolg verbuchen», strahlt die in Oberwil-Lieli aufgewachsene 28-jährige Tamara Füglistaler. Konnte sie sich bei den Amateurwettkämpfen bisher immer einen Podestplatz erkämpfen, wird das in der Profiliga schwieriger. «Das Niveau ist deutlich höher. Ich mag das. Denn ich möchte immer besser werden und mich an den Besten orientieren», äussert sich Füglistaler ehrgeizig.
Der Erfolg gibt ihr recht. Am 14. Oktober nahm sie an ihrer ersten Profiweltmeisterschaft in Madrid teil. «Die Top-5-Profiathleten 2022 waren für den Halbfinal bereits gesetzt. Ich gehörte nicht dazu, sondern zu den 15 Frauen, die sich noch beweisen mussten. Fünf von uns erreichten den Halbfinal, an dem also zehn Frauen teilnahmen», so die Bodybuilderin. Dabei wurden wiederum die fünf Besten für den Final qualifiziert, bei denen Tamara Füglistaler schliesslich den fünften Platz erreichte. «Für mich ist das ein riesiger Erfolg. Ich konnte 15 Mitbewerberinnen hinter mir lassen. Und das bei meiner ersten Teilnahme bei den Profis», strahlt sie.
Profi, ohne Geld zu verdienen
An den Bodybuilderwettkämpfen gilt es, einer Jury Pflichtposen vorzuführen. Diese werden nebeneinander und gleichzeitig von verschiedenen Bodybuilderinnen ausgeführt. Im Final gibt es zusätzliche Einzelpräsentationen, welche 30 Sekunden bis 1 Minute lang dauern. Um der Jury zu gefallen, trainiert Tamara Füglistaler intensiv. Sie schaut akribisch auf die Ernährung, baut Muskeln auf und übt jeden Tag das Posing. «Über Monate ist das neben meinem Beruf im Backoffice einer Bank meine Hauptbeschäftigung. Die privaten Beziehungen leiden in dieser Zeit. Aber es ist es wert», gibt sie Einblick. In den vier bisherigen Jahren hat sie sich gar derart viel Wissen angeeignet, dass sie dieses nun auch als Ernährungscoach und Personal Trainer weitergibt. Denn trotz Profiliga verdient sie mit Bodybuilding viel zu wenig, um davon leben zu können. «Im Gegenteil, ich lege selbst bei Preisgeldern von 400 bis 2000 US-Dollar darauf», betont sie. «Dafür lerne ich viel über meinen Körper und erlebe grossartige Momente an den Wettkämpfen.»
Bis September bewegte sich Tamara Füglistaler äusserst erfolgreich in der Amateur-Bodybuilding-Liga. 2022 siegte sie in Prag und Santa Susanne und hätte deshalb bereits damals eine Profikarte anfordern können. «Ich wollte es mir aber nochmals beweisen und habe mir gesagt, dass, wenn ich wirklich das Zeug zum Profi habe, ich auch diese Saison nochmals einen Pro Qualifier gewinnen werde.» Für die Amateurwettkämpfe darf sich jeder anmelden und auch international messen. «Die Niveaus zwischen den Teilnehmenden sind entsprechend gross», so die Oberwil-Lielerin. «Um in die Profiliga zu kommen, muss man dagegen einen Pro Qualifier an einem Amateurwettkampf gewinnen.»
Das ist ihr wiederholt am 30. September in Prag gelungen. «Ich stand danach vor der Entscheidung, die Profikarte sofort anzunehmen oder die Saison als Amateurin noch zu beenden», blickt Füglistaler zurück. Sie gibt zu bedenken: «Wer in der Profiliga antritt, darf nicht mehr an Amateurwettkämpfen teilnehmen. Tut er es trotzdem, verliert er sofort die Profilizenz.» Die Bodybuilderin entschied sich trotzdem, einen Schritt weiter zu gehen. Dies, weil es in ihrer Kategorie nicht sehr viele Profiwettkämpfe gibt und die Weltmeisterschaft bereits am 14. Oktober bevorstand.
Bewusst ging Tamara Füglistaler das Risiko ein, nicht mehr ganz vorne mitmischen zu können. «Der fünfte Platz bestätigt mir nun mein Potenzial. Zumal an diesen Weltmeisterschaften tatsächlich Athletinnen aus der ganzen Welt vertreten waren.»
Besseres Körpergefühl erlangt
Sie freut sich jetzt, nach dem Ende der Wettkampfsaison, wieder etwas herunterzufahren und vermehrt Freunde und Bekannte zu treffen. «Während der intensiven Monate vermisste ich aber nichts. Denn ich liebe, was ich mache», lacht sie. «Ich freue mich jetzt auf das nächste Jahr, in dem ich zum ersten Mal eine ganze Profisaison absolviere. Zumal man diese Sportart sehr lange ausführen kann.»
Mindestens einmal pro Woche besucht sie Oberwil-Lieli, das für die in Perlen wohnhafte Bodybuilderin nicht zu weit weg liegt. Schaut sie auf die letzten vier Jahre zurück, kommt sie ins Stocken: «Es erstaunt und begeistert mich, was ich in dieser Zeit mit eisernem Willen alles erreicht habe. Und im Vergleich zu früher habe ich heute ein viel besseres Körpergefühl.»


