Mit dem Bleistift in die Welt
03.02.2026 Bremgarten, KunstEuropa in Bremgarten
Susanne Brem vereint ihre Mal- und Zeichenkünste mit Geselligkeit und Erlebnissen
Die Künstlerin Susanne Brem reist als Zeichnerin und Kursleiterin in die weite Welt – und macht gleichzeitig ihre Homebase in ...
Europa in Bremgarten
Susanne Brem vereint ihre Mal- und Zeichenkünste mit Geselligkeit und Erlebnissen
Die Künstlerin Susanne Brem reist als Zeichnerin und Kursleiterin in die weite Welt – und macht gleichzeitig ihre Homebase in Bremgarten zum Treffpunkt von Gleichgesinnten.
Marco Huwyler
Für Susanne Brem ist es ungewohnt. «Jahrzehntelang sass ich auf der anist sie, die als freie Journalistin Hunderte Menschen befragt und porträtiert hat, für einmal selbst die Interviewte. Denn Brem ist kein Schreiberling mehr – sie ist jetzt hauptberuflich Künstlerin und Zeichnungslehrerin. Seit neun Jahren führt sie am Bremgarter Bogen ein Atelier.
Über Umwege
Die 58-jährige Brem ist damit eine Spätberufene, obwohl ihr Weg einst Talent ist früh offensichtlich. In der Schule erhält sie stets Bestnoten im bildnerischen Gestalten. Freunde bitten sie zuweilen um zeichnerische Porträts. Als junge Frau bewirbt sie sich gleich zweimal an einer renommierten Kunsthochschule – und wird zweimal angenommen.
Doch zweimal funkt das Leben dazwischen. Zuerst kommen Reisepläne in die Quere, dann eine Schwangerschaft. Erst Jahrzehnte später verwirklicht Brem ihr Künstlerdasein In Bremgarten hat sie eine Nische für sich gefunden. Ihre vielfältigen Kurse sind beliebt. Und durch «Urban Sketching» im In- und Ausland hat sich Brem mittlerweile ein beachtliches Netzwerk aufgebaut, das sie auf Reisen durch ganz Europa führt. Gleichzeitig lockt es Gleichgesinnte von weit her immer wieder in Bremgartens Altstadt. Ein Städtchen, in dem Kunst gedeiht wie kaum irgendwo sonst.
Die Künstlerin Susanne Brem wirkt und lehrt von ihrem Bremgarter Atelier aus – vielseitig und erfolgreich
Seit neun Jahren ist die freischaffende Künstlerin mit ihrem Atelier im Städtli zu Hause. Hier hat sich Susanne Brem eine Nische geschaffen, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Dabei nutzt sie die Schönheit der Altstadt zu ihren Gunsten – reist gleichzeitig mit ihren Kursteilnehmern aber auch quer durch Europa.
Marco Huwyler
Zeichnen macht Susanne Brem glücklich. Bereits als Kind hat sie gemerkt, dass sie nicht nur talentiert ist und Freude daran hat, sondern auch Kraft, Mut und Sicherheit daraus schöpft. Bis heute ist das so geblieben. «Mit Stift und Skizzenbuch fühle ich mich überall wohl», sagt sie lächelnd. «Es ist wie meine Superkraft.» Allein irgendwo in einem fremden Land im Café oder an der Strasse zu sitzen, ist dann kein Problem – im Gegenteil. «Ich habe dabei schon viele Freunde gefunden.»
Ein Aha-Erlebnis
Ohne Zweifel – Malen, Illustrieren und Zeichnen sind Susanne Brems Berufung. Doch diese zum Beruf zu machen, davor schreckt sie lange zurück. Auch aus vermeintlichem Realismus. «Ich dachte – wer bin ich denn, dass ich als junge Frau sagen kann, ab jetzt male ich nur noch? Die Menschen sollen meine Bilder kaufen und davon soll ich dann leben? Mach dir doch keine Illusionen …»
Also macht Brem stattdessen die Ausbildung zur Fotografin und arbeitet drei Jahrzehnte lang als freie Journalistin. «Auch das machte ich gerne. Schliesslich ist es auch eine Form von Kreativität und Kunst, einfach mit Worten und der Kamera», findet Brem. Doch die Leidenschaft bleibt all die Jahre immer das Zeichnen und Malen. Irgendwann, als die vier Kinder grösser werden, juckt es Brem und sie meldet sich für einen Kurs an der Migros-Klubschule an. Es sollte ein Aha-Erlebnis werden. «Es ging nicht lange, da kamen die Kursteilnehmenden bei Fragen und für Tipps lieber zu mir als zur eigentlichen Kursleiterin», erzählt sie lächelnd. Das gibt Brem das Selbstvertrauen, dass sie das Zeug zur Zeichnungslehrerin hat. Sie beginnt Illustrationsdesign zu studieren und bietet gleichzeitig Zeichenkurse in den Räumlichkeiten der Künstlervereinigung Bremgarten an. Fast drei Jahrzehnte, nachdem sie sich als 21- beziehungsweise 24-Jährige zweimal erfolgreich an der Kunstgewerbeschule beworben hatte – und dann zweimal von sich aus einen anderen Weg ging –, wagt sie sie nun doch noch: die Karriere als hauptberufliche Künstlerin.
Urban Sketching
58-jährig ist Brem mittlerweile. Nach den ersten Schritten bei der Künstlervereinigung in der Oberebene bietet sie ihre Kurse nun seit acht Jahren in einem Atelier in der Bremgarter Altstadt an. Zuerst war sie dort gemeinsam mit Kunstkollegin Gaby Neth eingemietet, vor knapp eineinhalb Jahren hat sie die ganzen Räumlichkeiten allein übernommen. «Künstlerin in der Bremgarter Altstadt sein zu dürfen, ist ein Geschenk», findet sie. «Eine ungemein inspirierende Umgebung.» Wer Brems Werke betrachtet und ihre Angebote studiert, merkt rasch – sie ist als Malerin vielseitig unterwegs. «Ich liebe die Abwechslung. Deshalb wollte ich mich nie auf etwas Spezifisches festlegen», sagt sie. Und doch hat sie es in den letzten Jahren mehr und mehr getan. «Den Bleistift habe ich mehr als alles andere lieben gelernt», lächelt Brem. Der Einfachheit halber. «Weil es mich fasziniert, wie viel mit diesem simplen Instrument möglich ist, das in jeden Hosensack passt und das man immer dabeihaben kann.» Zumal solches vorzüglich in die zeichnerische Nische passt, die Brem in den letzten Jahren für sich entdeckte – das Urban Sketching. Sprich: in Gruppen unter freiem Himmel unterwegs zu sein, an besonders schönen Stellen kollektiv den Stift zu zücken und der einfachen Malerei von schönen Dingen des Alltags und der Natur zu frönen.
Zeichnend über die Seine
«Es ist faszinierend, wie da scheinbar aus dem Nichts so viele schöne Werke, Beziehungen und Erlebnisse entstehen», sagt Brem. Aus der sonst zuweilen einsamen Kunst des Zeichnens werde beim Urban Sketching ein auf vielerlei Ebenen bereicherndes Gemeinschaftserlebnis. «In den letzten Jahren habe ich so ganz viele Kontakte knüpfen können», erzählt die Bremgarter Künstlerin. Mittlerweile sei sie dank Urban-Sketching-Anlässen und -Symposien mit Künstlern aus ganz Europa vernetzt. Wobei Susanne Brem auch selbst solche Kurse anbietet. In Bremgarten – und zudem von hier aus auch in ganz Europa.
Malreisen kann man bei ihr nämlich buchen. Dafür arbeitet Brem seit einigen Jahren mit einem Reisebüro aus Luzern zusammen. Gerade erst hat sie ihr neues Jahresprogramm veröffentlicht. Im April kann man mit der Künstlerin eine Flussreise über die Seine von Paris bis in die Normandie buchen. Später im Jahr stehen Maltrips nach Oslo und nach Barcelona an. Und dazwischen solche in der Schweiz – vor allem auch immer wieder in Bremgarten. «Es ist die mit Abstand meistgezeichnete Ortschaft von mir», lächelt Brem. «Im Prinzip müsste man als Künstlerin vom Städtli aus gar nicht in die Ferne schweifen. Schöner wirds nicht mehr.»
Wirken im Zirkus
Susanne Brem ist dankbar, dass es sie hierher verschlagen hat. Gelebt und gewohnt hat sie zuvor in vielen Gemeinden. Weggis, Wolfenschiessen, Dietikon oder auch die Stadt Zürich gehören zu ihren Stationen. Doch irgendwann zog es sie aus familiären Gründen nach Künten. Hier ist sie schliesslich geblieben. Und von hier aus war von Anfang an das faszinierende Bremgarten nah. Die kreative Familie meldet ihre Kinder beim Zirkus Arabas an. Ein Glücksgriff. «Ich sage meinem Mann immer – wenn wir etwas richtig gemacht haben im Leben, dann das.» Wie bei so vielen wird auch bei Brems der Kinder- und Jugendzirkus ein gemeinsames, verbindendes, familiäres Hobby. Die Kinder lernen Freunde fürs Leben kennen. Und die erwachsenen Brems vernetzen sich im Städtli. Auch bei Arabas sind die Künste Susanne Brems schon bald gefragt. Jahrelang ist sie für das Bühnenbild des Zirkus verantwortlich.
So macht es letztlich auch nichts, dass der Entschluss, auf die Karte Kunst in Bremgarten zu setzen, just dann fällt, als Corona das gesellschaftliche Leben grösstenteils lahmlegt. Urban Sketching im Städtli ist auch zu Pandemiezeiten meist noch möglich und eine willkommene Abwechslung für viele. Sämtliche Kurse bietet Brem rasch auch online an – und hilft den zuweilen über 80-jährigen Teilnehmern bei technischen Fragen. Mit den Malreisen muss sie zu Beginn zwar jonglieren, findet aber eine Lösung mit Trips innerhalb der Schweiz. Die Künstlerin baut sich so als Zeichnungslehrerin einen Namen auf. Mittlerweile kann sie gut von ihren diversen Angeboten leben. Manche Kurse finden in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bremgarten statt. Manche bietet sie auf eigene Faust an. Beliebt sind beide Varianten.
Internationale Gäste
«Im Moment läuft es einfach», sagt Brem glücklich. Dazu gehört es, dass ihr Urban-Sketching-Netzwerk auch beruflich zu greifen beginnt. Zunehmend kann sie in der Szene international bekannte Künstler nach Bremgarten locken. Im Mai darf Brem beispielsweise Santi Sallés aus Barcelona als Gastdozent im Atelier begrüssen. Im Juni folgt dann Nadja Pidan aus Stuttgart. Ihr Atelier im Städtli erfüllt so immer mehr ihre einstige Wunschvorstellung: ein kleines Mekka für Kunst in Bremgarten, von wo aus Brem in die Ferne schweifen kann, aber immer wieder gerne zurückkehrt. «Es tönt zwar plakativ, ist aber so – ich darf heute meinen Traum leben», lächelt die 58-Jährige.



