«Meine Tür steht offen für alle»
06.01.2026 Politik, BremgartenNeue Ära beginnt
Bremgartens neuer Stadtammann im Gespräch
Mit dem Jahreswechsel hat Stephan Troxler das Amt des Ammanns im Städtli übernommen. Er führt ein verjüngtes Gremium, das sich in den kommenden Jahren grossen ...
Neue Ära beginnt
Bremgartens neuer Stadtammann im Gespräch
Mit dem Jahreswechsel hat Stephan Troxler das Amt des Ammanns im Städtli übernommen. Er führt ein verjüngtes Gremium, das sich in den kommenden Jahren grossen Herausforderungen stellen muss. Wir haben mit dem 53-Jährigen zum Start ins neue Jahr über seinen persönlichen Start als Bremgarter Regierungsoberhaupt gesprochen – und seine Ziele, Aufgaben, Wünsche und vieles mehr. --huy
Bremgartens neuer Stadtammann im Neujahrsgespräch über seinen Start sowie Ziele, Herausforderungen und Wünsche
Mit Stephan Troxler hat der Bezirkshauptort nach 16 Jahren erstmals wieder ein neues Regierungsoberhaupt. Der 53-Jährige hat grossen Respekt vor seiner Aufgabe – packt sie aber mit viel Lust, Motivation und Vorfreude an.
Marco Huwyler
Für andere begann am 1. Januar «nur» ein neues Jahr. Stephan Troxler aber rutschte am Silvester auch offiziell in sein neues Amt – und einen neuen Beruf.
Stephan Troxler: Es war schon sehr speziell. Kollegen haben beim Anstossen um Mitternacht geflachst: «So, ab jetzt bist du zuständig, wenn in Bremgarten irgendwas passiert.» Natürlich war das als Scherz gemeint, aber im Grunde genommen stimmte es. Da wurde mir das Ausmass der Verantwortung nochmals richtig bewusst. Und am Neujahrsmorgen habe ich dann leer geschluckt ob den Push-News aus Crans-Montana.
Welches Gefühl ist es, diese Verantwortung nun zu schultern?
Ich mache das gerne für Bremgarten. Es ist ja eine Herzensangelegenheit. Das Amt erfüllt mich mit Stolz. Aber es geht auch ganz viel Respekt damit einher. Ich habe nicht immer gut geschlafen vor dem Jahreswechsel, das gebe ich zu. Zur Vorfreude gesellt sich auch Nervosität – bin ich dem allem wirklich gewachsen? Andererseits sage ich mir immer wieder, dass ich gelassen sein kann angesichts des guten Teams, das ich im Rücken weiss. Die Verantwortung für Bremgarten muss ich nicht allein schultern. Sowieso hat der Stadtrat als Kollektiv immer Priorität vor Einzelpersonen. Das ist mir als Ammann sehr wichtig.
Nicht nur der Stadtammann ist neu in Bremgarten. Ihr begrüsst im Gremium auch zwei neue Stadträte. Hat sich die neue Regierung bereits getroffen?
Ja, das haben wir bereits Ende Jahr getan und die beiden in die Abläufe im Rathaus eingeführt. Beide sind ja auch schon gut bekannt und kennen vieles in der Verwaltung. Es sind keine Nobodys. Wir können also gut vorbereitet ins neue Jahr starten, wenn man so will (lacht).
Wie sieht denn der Start in die erste Arbeitswoche des neuen Stadtammanns aus?
Auch ich wurde gut vorbereitet. Mit meinem Vorgänger Raymond Tellenbach habe ich in den letzten Monaten viele Stunden über ganz vieles gesprochen, das mich erwartet. Die Termine mit meinen Abteilungsleitern, mit den verschiedenen Gremien und Komissionen stehen. Ich habe schon eine gut gefüllte Agenda. Nun gilt es sich richtig reinzufuchsen in die unzähligen Aufgaben, Pendenzen und Akten. Aber ich muss auch meinen eigenen Weg finden als Stadtammann.
Was kann man sonst in den nächsten Monaten vom neuen Regierungsoberhaupt erwarten? Was ändert sich?
Ich habe natürlich schon 200 Dekrete vorbereitet, ab sofort weht ein anderer Wind hier (schmunzelt). Spass beiseite – man sollte meiner Meinung nach besonnen und demütig in ein solches Amt starten, nicht alles umkrempeln und denken, dass man es besser weiss. Vieles war bereits gut und funktioniert. Zudem war ich ja auch bereits Teil der Regierung. Was wir aber schon einmal anders machen: Der Stadtrat wird sich neu jeden Montag treffen. Alternierend zur «normalen» Stadtratssitzung machen wir Strategiesitzungen zu verschiedensten Themen. Diese Zeit der Diskussion fehlte bisher oft in den regulären Sitzungen. Es wird sicherlich auch ein Vorteil, dass wir uns nun noch regelmässiger intensiv austauschen können.
Auf dem Papier intensiver wird auch das Arbeitspensum des Stadtammanns, der neu zu 80 statt wie bisher 50 Prozent angestellt ist. Wie sieht das in der Praxis aus? Wird man Sie demzufolge an vier Arbeitstagen im Büro antreffen?
Wobei das effektive Pensum von Raymond Tellenbach bekanntlich seit Jahren über 80 Prozent lag. Ich muss mich jetzt erst einleben und spüren, wie ich das aufteile und ausfülle. Als Stadtammann ist man eh rund um die Uhr im Amt und repräsentiert die Stadt auch fernab des Büros – an offiziellen Anlässen, in Gremien, in Aarau oder anderswo. Das Ziel ist es aber schon, im Rathaus im Alltag präsent zu sein. Ich will da sein für Anliegen aller Art. Meine Tür wird offen stehen für alle. Ich möchte, dass wir ein «Wir-Gefühl» in Bremgarten weiterleben und stärken – auf der Verwaltung, aber auch in der städtischen Gemeinschaft generell.
Das politische Klima in Bremgarten wurde schon in Vergangenheit vom Stadtrat immer wieder gerühmt. Wie wollen Sie dies künftig gewährleisten? Im Stadtratsgremium und darüber hinaus.
Auch ich empfand das stets so, das sind nicht bloss Floskeln. Und es ist mir eminent wichtig, auf diesem konstruktiv respektvollen Bremgarter Politweg zu bleiben. Ich habe aber ein sehr gutes Gefühl diesbezüglich. Die ersten Gespräche in der neuen Zusammensetzung waren konstruktiv. Sandro Schmid und Peter Werder werden sich gut integrieren. Ich kenne ja beide schon länger – Sandro seit 25 Jahren und Peter als Fiko-Mitglied auch schon zwei Jahre. Als Gesamtstadtrat wollen wir weiterhin ein offenes Ohr haben, transparent kommunizieren und versuchen, an allen Fronten proaktiv zu sein.
Eine der ersten Aufgaben wird die Definition der neuen Legislaturziele. Kann man diesbezüglich schon etwas verraten?
Konkret noch nicht. Das wird jedoch ein Thema der ersten Sitzungen sein. Bis es spruchreif ist, braucht es ein paar Wochen, denn die Legislaturziele wollen gründlich überdacht sein – schliesslich orientieren wir uns daran in den nächsten vier Jahren. Natürlich werden wir auch auf die letzten Ziele schauen. Was haben wir davon erreicht? Was können wir weiter vorantreiben? Und wo braucht es neue Akzente, Vorgaben und Visionen?
Wie sieht das Ihrer Ansicht nach aus bei den einzelnen Projekten?
Ein wichtiger Punkt wird die ÖV-Drehscheibe bleiben. Mit dem Volksentscheid an der «Gmeind» ist das Projekt definitiv lanciert, nun gilt es, das Ganze umzusetzen. Es gibt noch viele Hürden zu überspringen. Die Schulraumplanung bleibt ebenfalls im Fokus und wird vorangetrieben. Und beim Casino und der Bärenmatte braucht es Lösungsvorschläge, die allenfalls ein «Out-of-the-box-Denken» erfordern. Es wird ein Spagat, den begrenzten Spielraum auszuloten. Denn alles, was wir machen und planen, wird sehr stark von den angespannten Finanzen gesteuert sein mit dem Anspruch, den Steuerzahler, so gut es geht, zu schonen.
Was erwartet das politische Bremgarten im Jahr 2026?
Das laufende Projekt «Wohnen im Alter» wollen wir vorantreiben. Ein Kultursekretariat als Anlaufstelle für die kulturelle Vielfalt Bremgartens könnte kommen – eine entsprechende Umfrage läuft ja zurzeit (vgl. Ausgabe vom 16. Dezember dieser Zeitung). Die Reussufer-Sanierung ist ebenfalls in Bearbeitung. Zudem gibt es das «Grossprojekt ARA», welches ja ebenfalls mit dem bewilligten Kredit zum Vorprojekt gestartet ist. Dazu kommen mehrere Infrastruktur-Projekte des Kantons. Wichtige Kantonsstrassen werden saniert. Die Fischbacherstrasse beginnt diesen Frühling, danach kommen die Sanierung der Umfahrung, der Bibenlos-Knoten, Massnahmen des Verkehrskonzepts Mutschellen-Bremgarten und so weiter. Nicht zu vergessen die Zürcherstrasse als Teilprojekt der ÖV-Drehscheibe. Strassenprojekte werden Bremgarten in den kommenden Jahren also stark beschäftigen und belasten. Wir müssen dies mit dem Kanton zusammen gut vorbereiten.
Welche Projekte und Anliegen sind Ihnen persönlich wichtig?
Als Stadtammann muss ich natürlich weitgefächert denken. Wichtig wird es mir aber sicher, das «Projekt Kleeblatt» weiter voranzutreiben (dabei soll die Zusammenarbeit der Gemeinden Bremgarten, Berikon, Rudolfstetten-Friedlisberg, Widen und Zufikon intensiviert werden, Anm. d. Red). Die Gemeinden der Region müssen an einem Strick ziehen. In möglichst vielen Bereichen. Da muss nicht immer gleich von einer Fusion gesprochen werden. Auch im Kleinen kann schon vieles bewirkt und gespart werden – beispielsweise bei der geteiten Anschaffung eines Spezialfahrzeugs. Es besteht grosses Potenzial für Synergien überall. Und nicht zuletzt ist es wichtig, eine starke, geeinte regionale Stimme zu sein, um beim Kanton mehr Gewicht zu haben. Sonst geht man unter. Als Bezirkshauptort soll Bremgarten hier mit gutem Beispiel vorangehen.
Wie wird Stephan Troxler als Stadtammann auftreten? Wie wollen Sie wahrgenommen werden? Was ist Ihnen wichtig?
In erster Linie ist es mir wichtig, mich nicht zu verbiegen, sondern authentisch zu bleiben. Ich möchte so «hands on» bleiben, wie man mich kennt und weshalb mich wohl einige wählten.
Menschen, die nun entsprechend hohe Erwartungen in Sie als Stadtammann setzen.
Ja, es gab viele Schulterklopfer in den letzten Monaten (lächelt). Verbunden auch immer wieder mit dem Spruch, dass nun «aufgeräumt» und «vorwärtsgemacht» wird. Solch hohe beziehungsweise auch falsche Erwartungen muss ich dann jeweils ein wenig dämpfen. Regierungsarbeit ist Knochenarbeit mit teils frustrierend wenig Fortschritten und vielen Hürden. Hier gilt es hartnäckig dranzubleiben, zu arbeiten und demütig zu bleiben. Es braucht Netzwerke und gute Kontakte. Aber wir müssen uns stets bewusst sein, dass man ein Dienstleister der Bevölkerung ist und als solcher gewählt wurde. Das ist mir sehr wichtig. Diesen Gedanken möchte ich auch in der Verwaltung überall in Erinnerung rufen. Unser Chef ist das Volk.
Neujahr ist auch immer die Zeit der Wünsche und Vorsätze. Wie sieht es bei Ihnen diesbezüglich aus?
Vorsätze sind nicht das meine. Lieber, man gibt das ganze Jahr sein Bestes, als dass man sich vollmundig etwas vornimmt, das man dann nicht hält oder nicht durchziehen kann (schmunzelt). Für Bremgarten wünsche ich mir in erster Linie, dass es weiter prosperiert. Weiter in allen Gemeinde-Rankings in Sachen Lebensqualität vorne dabei ist, wie wir es in den letzten zwei Jahren oft lesen konnten. Es ist und bleibt wunderschön in Bremgarten. Wir haben einen tollen Mix aus Ländlichem und Städtischem, eine wunderbare Altstadt, viel Kultur und die Natur vor den Füssen. Darauf darf man stolz sein – doch es gilt dem auch Sorge zu tragen und sich nicht darauf auszuruhen, sondern realistische Verbesserungen anzustreben, wo sie möglich sind.


