«Meine Gäste gernhaben»
10.03.2026 Essen und Trinken, Traditionen, BremgartenNeuer «Kreuz»-Wirt
Bremgarter Traditionslokal vor Neustart
Seit Anfang Monat hat das Restaurant neben dem Spittelturm geschlossen. Lange soll dies allerdings nicht so bleiben. Mit Faruque Bepary ist ein Pächter gefunden, der vor Tatendrang ...
Neuer «Kreuz»-Wirt
Bremgarter Traditionslokal vor Neustart
Seit Anfang Monat hat das Restaurant neben dem Spittelturm geschlossen. Lange soll dies allerdings nicht so bleiben. Mit Faruque Bepary ist ein Pächter gefunden, der vor Tatendrang nur so sprüht. Als «Kreuz»-Wirt möchte er das Lokal wieder zum Erfolg führen. Mit uns hat er über seine Person und seine koreanischen Küchenpläne in Bremgarten gesprochen. --huy
Faruque Bepary übernimmt das neue «Zum Kreuz» – und kocht hier künftig mit koreanischem Einschlag
Ende Monat soll sie wieder aufgehen, die Gaststätte beim Spittelturm. Der neue Pächter kommt aus Zürich und will mit Herzlichkeit, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Auf Bremgarten und seine Bevölkerung freut er sich besonders.
Marco Huwyler
Eigentlich hatte Faruque Bepary kein Interesse. Seit Jahren sucht er nach einer optimalen Gaststätte in der Stadt Zürich, die er übernehmen kann. «Klein und bezahlbar» sollte sie sein. «Mit dem nötigen Charme an guter Lage.» Als ihm seine Bremgarter Freundin und Mitarbeiterin im Zürcher Restaurant von der Lokalität im Aargauer Städtli erzählt, das demnächst frei werden könnte, ist es mehr der Höflichkeit geschuldet, dass Bepary tatsächlich einen Augenschein vor Ort nimmt. Doch prompt ist es um ihn geschehen. «Ich wusste gleich – Ja, das ist es. Hier will ich hin.»
Obwohl das Restaurant beim Bremgarter Altstadteingang offiziell noch nicht ausgeschrieben ist, kontaktiert Bepary den Verpächter anschliessend umgehend. Danach braucht er einige Wochen Geduld. Doch am Ende klappt es tatsächlich. Seit dem 1. März ist Faruque Bepary neuer Pächter des «Kreuz» am Obertorplatz, wie es künftig offiziell wieder heissen wird.
«Ich will nicht reich werden»
«Es war sofort eine gegenseitige Sympathie da», erzählt Sandro Comolli. Bepary sei «ein Menschenfänger», findet der Verpächter. Ein Bild, das sich in der Folge bestätigen wird. Immer wieder geht der neue Wirt, wenn es das Gespräch mit dem Journalisten gerade zulässt, auf die Passanten in Bremgarten zu, stellt sich vor und erzählt ihnen fröhlich, dass er künftig hier neben dem Spittelturm zu wirten gedenkt.
Die Reaktionen sind freundlich. Seine Offenheit, die trotzdem nicht in Aufdringlichkeit überbordet, kommt an – zumal man sich im Städtli gemeinhin ein florierendes «Kreuz» wünscht und neugierig darauf ist, was hier geplant ist. «Ich weiss, dass es zuletzt hier nicht einfach war», sagt Bepary, der sich vor seiner Ankunft eingehend mit der Restaurant-Situation in Bremgarten beschäftigt hat. «Aber ich bin überzeugt davon, dass ich hier mit meiner Art und meinem Angebot profitabel wirten kann», sagt er. Bepary will sich richtig reinknien. «Mein Ziel ist es nicht, reich zu werden. Ich möchte mir mit meinem eigenen Restaurant einen Lebenstraum erfüllen und mit meiner Familie davon leben können. Dann bin ich glücklich.»
Vom Tellerwäscher zum eigenen Restaurant
49-jährig ist Bepary heute. Er hat eine Frau und drei Kinder. Vor 25 Jahren kam er als junger Mann alleine aus Bangladesch in die Schweiz. Seither hat er sich hier in der Gastroszene durchgeschlagen. «Ich habe eigentlich alles schon gemacht», sagt Bepary. Vom Tellerwäscher über Kellner bis hin zu Barkeeper oder Koch. Schnell ist er beliebt in der Szene, weil er gut und fleissig arbeitet und stets freundlich auftritt. So arbeitet er sich hoch.
Im bekannten Restaurant Schützengasse in Zürich ist Bepary zuletzt so etwas wie eine rechte Hand des Chefs – und für diesen schwer entbehrlich. «Er wollte meine Kündigung zuerst gar nicht akzeptieren», lacht der neue Bremgarter Gastronom. Doch abbringen liess sich Bepary nicht. «Ich will jetzt mein eigenes Abenteuer wagen», bekräftigt er entschlossen.
Dass es zu Beginn zumeist nicht einfach ist, als neuer Wirt in einem unbekannten Ort, hat er einkalkuliert. Im letzten Vierteljahrhundert habe er sich ein kleines Polster aufgespart, sagt Bepary zuversichtlich lächelnd. Und zur Not würde finanziell wohl auch der Bruder aushelfen. Auch dieser ist ein Gastronom – der seinem Bruder etwas voraus hat. Er führt bereits erfolgreich drei koreanische Restaurants in Frankreich.
Das Gastrokonzept begeistert beim Testessen
Von diesen will sich der neue «Kreuz»- Wirt denn auch kulinarisch inspirieren lassen. «Wir werden in Bremgarten einen Mix zwischen europäischer und asiatischer Küche – sprich vor allem der koreanischen – anbieten», sagt er. Tapas für den kleinen Hunger und frische Pasta – wie hausgemachte Trüffelravioli – werden auf der Speisekarte ebenso zu finden sein wie «Bulgogi» – eine gegrillte koreanische Poulet- oder Rindsspezialität, «Dolsot Bibimbap» – koreanischer Reis mit Fleisch oder Gemüse – oder auch «Jeon» – so etwas wie die koreanische Variante von «Röschti». «Was er anbietet, ist eine Kombination, die es in Bremgarten noch nicht gibt, aber ihr ganz bestimmt gut zu Gesicht steht», sagt Verpächter Comolli, der – wie wohl viele – zuvor wenig mit dem Begriff «koreanische Küche» anzufangen wusste. «Also habe ich gesagt – zeig mal», schmunzelt der Bremgarter. Und vom internen Testessen sei er dann schlicht begeistert gewesen.
Akribische Vorbereitung
So soll es künftig auch anderen Einheimischen ergehen. Zu diesem Zweck bereitet sich Bepary in diesen Tagen akribisch vor. Einen Chefkoch, der zuvor für ein koreanisches Restaurant in Zürich gearbeitet hat, hat er für sein «Kreuz» gewinnen können. Selbst will er das Handwerk bis zur Eröffnung ebenso beherrschen. «Ich kann zwar schon koreanisch kochen, denn ich bin in Vergangenheit oft bei meinem Bruder in Frankreich gewesen – aber noch nicht gut genug», sagt er lächelnd.
Der Anspruch sei, dass er 1:1 einspringen könne in der Küche, ohne dass es die Kundschaft merke – wenn jemand krank sei beispielsweise. Für einen Monat hat er deshalb – familiärer Beziehungen sei Dank – einen koreanischen Spitzenkoch als Lehrer aus Frankreich nach Bremgarten reisen lassen. «Er wird uns in der Anfangsphase intensiv begleiten und insbesondere mir die letzten Tipps und Kniffs beim Kochen beibringen», sagt Bepary.
Ein Kreuz für alle sein
In erster Linie wird der neue Pächter allerdings nicht in der Küche, sondern als präsenter, zuvorkommender Gastgeber und Gesicht seines eigenen Restaurants fungieren. «Mein Ziel ist es, dass mich nach sechs Monaten jeder kennt in Bremgarten», lacht der Bangladescher herzlich. «Denn wenn man sich kennt, fällt vieles leichter.»
Der Service und die Wärme den Gästen gegenüber seien für ihn absolut zentral. «Ich will jene, die bei mir einkehren, gernhaben», sagt er. Und zwar aufrichtig. Schwer falle ihm das auch nicht – «ich mag Menschen und den Umgang mit ihnen einfach.» Bepary hat die Erfahrung gemacht, dass sich solches auch spiegelt. «Nur sehr wenige sind unfreundlich zu mir – und wenn es vorkommt, dann nehme ich das nicht persönlich.» So ist der neue Wirt überzeugt, in Bremgarten bald auf eine treue Stammkundschaft zählen zu dürfen. Zumal jeder willkommen sei und er auch unterschiedliche Bedürfnisse abdecken will. «Das ‹Kreuz› soll zwar ein Ort sein, wo man gut essen kann oder wo Touristen eine wohltuende Pause einlegen – aber auch jene, die regelmässig einfach ihr Feierabendgetränk bei mir geniessen wollen, sind herzlich willkommen», sagt der neue Wirt mit Nachdruck.
Bepary hat vom gut laufenden «Bahnhöfli» gehört, das in einigen Jahren im Zuge des neuen Bremgarter Bahnhofs Geschichte sein wird – eine Chance, wie er findet. «Ich möchte, dass sich die dortige Kundschaft auch bei mir wohlfühlt», sagt er. Moderate Preise für offene Getränke und einfache Speisen sind deshalb ebenso fester Bestandteil seines Konzepts wie das Besondere, das es sonst nirgends in Bremgarten ein zweites Mal gibt.
Durchgehend geöffnet
Zur angestrebten Vielseitigkeit und Offenheit passt es auch, dass das «Zum Kreuz» tagsüber durchgehend geöffnet haben wird. Ruhezeiten am Nachmittag sollen der Vergangenheit angehören. «Zumindest sicher im Sommer», wie Bepary sagt. In den ersten Monaten will er auch sieben Tage die Woche geöffnet haben. «Danach schauen wir weiter, wie es mir damit geht», lacht er. Der Fokus gilt nun aber erstmal einem gelungenen Start. Momentan wird im «Kreuz» intensiv Probe gekocht. Damit bald alles bereit ist für die grosse Eröffnung.


