Marsch der Königsinstrumente
27.05.2026 Region Bremgarten, MusikLaut und auffällig
Sousiwanderung sorgte am Pfingstsamstag mit 340 Teilnehmenden für grosses Aufsehen
Kaum zu überhören war am Pfingstsamstag die Sousiwanderung, die ab 10.30 Uhr bis am frühen Abend für ein Spektakel ...
Laut und auffällig
Sousiwanderung sorgte am Pfingstsamstag mit 340 Teilnehmenden für grosses Aufsehen
Kaum zu überhören war am Pfingstsamstag die Sousiwanderung, die ab 10.30 Uhr bis am frühen Abend für ein Spektakel sorgte. Das Ergebnis war beste Laune überall.
Roger Wetli
Das Sousafon ist ein Instrument, das man im Zusammenspiel einer Guggenmusik nur unterschwellig wahrnimmt.
Mit seinen tiefen Basstönen sorgt es für Schub und bildet die Skyline einer Guggenmusik bei Umzügen und Auftritten. Am Pfingstsamstag stand für einmal dieses Instrument im Zentrum. Die Sousiwanderung führte von der Kreisschule Mutschellen durch die Beriker Quartiere zum Primarschulhaus Berikon und von dort über den Sädel zum Mittagessen in die Mehrzweckhalle von Zufikon. Am Nachmittag ging es weiter zur Zufiker Waldhütte und schliesslich durch die Bremgarter Altstadt zum Casino.
Überall, wo die 340 Teilnehmenden auf Passanten trafen, wurden begeistert Handys gezückt oder freudig gehupt. Selbst bei der kurzzeitigen Sperrung der Sädelstrasse für deren sichere Überquerung blieben die Verkehrsteilnehmenden ruhig.
Nicht immer dasselbe Lied
Patrick Reichmuth, Präsident der Sousiwanderung, hoffte zu Beginn, dass es gelingt, dass alle Teilnehmenden während der Wanderung die vorgegebenen Stücke gemeinsam spielen. Das klappte mal besser, mal schlechter. Je mehr sich die Wandergruppe in die Länge zog, desto eher waren je nach Abschnitt verschiedene Lieder wahrzunehmen.
In die Region gebracht hatte diese Wanderung die Zufiker Guggenmusik Sädelgeischter. Deren Vorstandsmitglied Patrick Mairinger strahlt: «Wir sind mit dem Anlass sehr zufrieden. Es war schlicht einmalig.»
Sousiwanderung sorgte für ein lautes Spektakel
Am Pfingstsamstag fand die Sousiwanderung von Berikon über Zufikon nach Bremgarten statt. 340 Sousafonspielende trotzten mit ihren schweren Instrumenten spielend der Hitze und schafften damit eine einmalige Atmosphäre.
Roger Wetli
Der Tross setzt sich langsam in Bewegung. Von der Spitze des Umzuges wird eine Melodie angespielt. Diese setzt sich über alle 340 Teilnehmende mal gut und mal schlechter durch. Entsprechend wird manchmal das gleiche Stück gespielt, manchmal ändert dieses je nach Position der Wanderer. Zum beliebten Klassiker mausert sich eine simple und berühmte Melodie aus der Star-Wars-Reihe. Das Sousiwanderung sorgt für grosses Aufsehen. In den Quartieren von Berikon und Zufikon zücken Passanten ihre Mobiltelefone. Bei der Überquerung der Sädelstrasse akzeptieren die Automobilisten und Motorradfahrer die kurzzeitige Strassenquerung erstaunlich gut. Auf dem Weg nach Zufikon auf einen Parallelweg dieser Kantonsstrasse hupen die Fahrzeuglenker freudig den Sousiwanderern zu. Während der Pausen prosten sich die Teilnehmer zu. Ihre Instrumente zeigen, aus welchen Guggenmusiken sie kommen. Die Herkunft scheint hier aber egal. Das Verbindende ist das sehr auffällige Instrument.
Aus dem Hintergrund nach vorne gerückt
Fabian Huwyler von den Murianer Stiefeliryter nimmt zum zweiten Mal an der Sousiwanderung teil. Er bestätigt: «Es geht hier um Tradition und um Kameradschaft. Es herrscht eine ganze andere, aber ebenso tolle Atmosphäre wie an der Fasnacht.» Neben ihm steht Daniel Fraefel von den Chällerämter Sumpfer-Stilzli. Er lacht: «Das Sousafon ist ein stolzes Instrument, eigentlich ein Königsinstrument. Wir alle teilen die Leidenschaft für dasselbe Instrument.» Er nehme zum ersten Mal an einer Sousiwanderung teil. «So viele mit einem Sousafon an einem Ort ist schon einmalig», ist er begeistert.
Jeanine Kummler und Reto Neeser von der Villmergen Guggenmusik Tinnitus sind gleich zu fünft gekommen und haben zudem noch zwei Begleitpersonen dabei. «Das Sousafon nimmt man im Gesamtsound einer Guggenmusik nicht explizit wahr», weiss Reto Neeser. «Man bemerkt es erst, wenn es fehlt. Bei dieser Wanderung steht es jetzt im Zentrum.» Sie nahmen beide schon mehrfach an diesem Anlass teil und geniessen es, dass er mal in ihrer Region stattfindet. «Die Hitze in Verbindung mit diesem schon mal 15 Kilogramm schweren Instrument ist eine schwierige Kombination», weiss Neeser. Seine Kollegin lacht: «Dafür haben wir mehr Pausen als an Fasnachtsumzügen. Zumal die Gesamtstrecke auch nicht wirklich länger ist als an grossen Umzügen.» Beide geniessen die sehr spezielle Atmosphäre.
Weniger lang gesperrt als angenommen
Rundum zufrieden ist Mitorganisator Patrick Mairinger. Das Vorstandsmitglied der Zufiker Sädelgeischter hat zusammen mit seinem Verein die Sousiwanderung ins Freiamt gebracht. Diese startete bei der Kreisschule Mutschellen in Berikon und führte über mehrere Etappen zum Mittagessen in die Schule Zufikon und von dort über die Waldhütte von Zufikon zur Bremgarter Altstadt. Drei Tage später blickt Mairinger glücklich zurück: «Der gemeinsame Marsch durch die Bremgarter Marktgasse war sicher ein Höhepunkt. Aber auch der gesamte Tag hat viel Spass gemacht.» Natürlich sehe man im Rückblick verschiedenen Optimierungsbedarf. «Dafür mussten wir die Sädelstrasse für unsere Überquerung nur für fünf statt der erwarteten zehn Minuten sperren.» Die Organisatoren pflegten zwei bis drei Teilnehmende, weil diese einen Fuss vertreten hatten. «Ansonsten gab es keine Vorfälle.»
Patrick Mairinger freut sich auch darüber, dass sich am Ziel beim Casino Bremgarten die Teilnehmenden der Sousiwanderung mit weiteren spontan gekommenen Gästen vermischten. Dazu spielten auf einer Bühne die Crazy Hopper und später die bekannte Formation Brässkalation. «Das Ganze war für uns etwas komplett Neues. Dank rund 60 Helfern konnten wir das stemmen.»
Ab dem Nachmittag spielte und wanderte auch der Bremgarter Stadtammann Stephan Troxler mit. «Es war heiss. Und ein super Anlass», erklärte er. Troxler gründete die Sädelgeischter 1990 zusammen mit 17 weiteren Personen und spielte zuerst Trompete, führte dann die Gugge 15 Jahre an und kam zum Schluss zum Sousafon. Er weiss: «Viele Leute kennen dieses Instrument nicht. Umso schöner, dass diese kleine verrückte Familie jetzt zusammengefunden hat.»




