Kleiner und feiner Verein
10.07.2026 Region Bremgarten, Vereine, Musik, EggenwilVor 100 Jahren gegründet
Die Musikgesellschaft Eggenwil wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Zwei Mitglieder schauen mit dem «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» zurück. Und sie erzählen, warum viele Geschichten und Protokolle verschwunden sind. ...
Vor 100 Jahren gegründet
Die Musikgesellschaft Eggenwil wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Zwei Mitglieder schauen mit dem «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» zurück. Und sie erzählen, warum viele Geschichten und Protokolle verschwunden sind. --rwi
Die Musikgesellschaft Eggenwil wurde vor 100 Jahren gegründet
Am 21. und 22. August feiert die Musikgesellschaft Eggenwil ihren 100. Geburtstag mit einem grossen Fest. Mit der Entwicklung des Vereins sind die Vereinsmitglieder sehr zufrieden. Sie bedauern allerdings, dass viele Angaben aus der Vergangenheit weggeschwemmt wurden.
Roger Wetli
«Wir sind ein Dorfverein, bei dem jeder mitmachen darf», erklärt Stefan Martin, Präsident der Musikgesellschaft Eggenwil. Das langjährige Mitglied Bruno Meier unterstreicht: «Bei uns hat auch jemand Platz, der Schicht arbeitet und deshalb nicht an jede Probe kommen kann. Wir sind eine kleine und feine Formation.» Martin und Meier empfinden die Musikgesellschaft Eggenwil als klassischen Dorfverein mit musikalischen Ambitionen. «Und man lernt bei jeder Probe etwas», weiss der Präsident aus Erfahrung. «Unser Dirigent Riccardo Vegezzi arbeitet seit einigen Jahren sehr engagiert mit uns.»
Hochwasser löschte Erinnerungen
Bruno Meier ist seit 43 Jahren offizielles Mitglied der Musikgesellschaft. Er erinnert sich an früher zurück: «Das war eine ganz andere Zeit. Damals klopfte der Dirigent auch mal drohend mit dem Stock, wenn ihm etwas nicht passte», lacht er. Der generelle Umgang untereinander sei aber bereits damals altersübergreifend respektvoll und auf Augenhöhe gewesen. Aktuell liegt der Mitgliederbestand bei 23 Personen. Sie haben ein Alter zwischen 16 und 65 Jahren. Dazu kommen lernende Bläser. «Da wir in jeder Altersspanne mehrere Musikanten haben, sind wir doch recht gut aufgestellt», ist Stefan Martin zufrieden. Er vermutet, dass die Mitgliederzahl schon seit geraumer Zeit in diesem Bereich gelegen hat.
Genau weiss das aber niemand mehr. «Die alten Aufzeichnungen gingen beim Hochwasser 1999 verloren, als der Keller der Turnhalle geflutet wurde», erklärt der Präsident. Deshalb könnten sie auch nicht genau sagen, wann die Musikgesellschaft den legendären Barraum im Turnhallenkeller in Betrieb genommen hatte. Diese Bar gibt es heute noch und wird bei Anlässen in der Turnhalle gerne genutzt. Sie gehört aber mittlerweile der Einwohnergemeinde. Das Hochwasser vernichtete viele Dokumente. Überliefert worden ist, dass vor 100 Jahren, also 1926, die Meinung in Eggenwil herrschte: «Es braucht eine Musik im Dorf.» Das Dorf kam damals seit 18 Jahren ohne Musikgesellschaft aus. Denn der weit bekannte und 1836 gegründete gleichnamige Verein wurde 1908 aufgelöst. Zuvor spielte dieser noch Konzerte bis in die Bodensee-Region. Der letzte Auftritt anlässlich der Fahnenweihe der Schützengesellschaft Eggenwil konnte 1906 aber nur noch mit Mühe gespielt werden. Zwei Jahre später war dann endgültig Schluss.
Gutes Miteinander
Ans Aufhören denkt der «Nachfolgeverein» jetzt auch nach 100 Jahren nicht. «Unsere Mitgliederzahl bleibt konstant. Es kommt immer mal zu Abgängen, aber bis jetzt konnten wir diese mit neuen Mitgliedern ausgleichen.», ist Stefan Martin dankbar. Ein wichtiger Faktor dafür sei der gute Kontakt zur Musikschule Bremgarten. «Deren Eggenwiler Schüler dürfen an unseren Konzerten immer ein bis zwei Stücke mitspielen. Wir möchten sie so frühzeitig in den Verein integrieren», erklärt Bruno Meier. «Zudem profitieren wir nach wie vor durch unseren vorherigen Dirigenten Daniel Fankhauser, der bei uns Jungbläser ausbildete.»
Gute Kontakte pflegt die Musikgesellschaft auch zu den anderen Vereinen im Dorf. «Wir haben zum Beispiel mit der Volkstanzgruppe die Vereinbarung, dass wir bei ihrem Herbstfest Ende Oktober in der Küche helfen, während sie dasselbe für uns anlässlich unseres Jahreskonzerts im Frühling tut», so Meier. Geprobt wird auf der Bühne der Turnhalle. «Während der Vorbereitungen zum Herbstfest verlegen wir aber diese Proben in die Kirche, damit die Bühne frei ist», weiss Stefan Martin. Er sieht darin auch Vorteile: «Das traditionelle Kirchenkonzert spielen wir ohnehin in der Kirche. Also sind die Proben dort gleich eine ideale Vorbereitung.»
Erneuerung geglückt
Apropos Jahreskonzert: Dieses zieht seit ein paar Jahren wieder mehr Publikum an. «Die Halle ist während dieser Konzerte wieder voll», freut sich Bruno Meier. «Das könnte daran liegen, dass unser Repertoire jetzt anders ausgerichtet ist. Anstelle von Polkas und Walzer spielen wir jetzt ein Unterhaltungsprogramm im Big-Band-Stil. Und das Ganze sehr locker ohne Uniform. Das gefällt den Leuten.» Zumal das Publikum mittlerweile vom Alter her sehr durchmischt sei, auch immer mehr junge Leute kämen. «Märsche haben wir zwar immer noch im Repertoire, spielen sie heute aber weniger häufig wie früher», so Meier.
Zum Schluss fallen den beiden doch noch zwei Höhepunkte des Vereinslebens der letzten Jahre ein. Dazu zählen sie die Neuuniformierung von 2001 und die Fahnenweihe von 2006. «Damals hatten wir jeweils ein dreitägiges Programm. Wir hoffen, dass wir jetzt im August an unseren zwei Tagen viele Gäste begrüssen dürfen, die mit uns diesen runden Geburtstag feiern», freuen sich Stefan Martin und Bruno Meier.


