Kampf geht weiter
10.02.2026 Energie, Region Bremgarten, VereineNicht aufgegeben
VSLR kämpft weiterhin für eine Erdverkabelung
Die Swissgrid informierte Mitte Januar, dass die neue 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen Niederwil und Obfelden bald öffentlich aufgelegt wird. Diese sieht nur eine ...
Nicht aufgegeben
VSLR kämpft weiterhin für eine Erdverkabelung
Die Swissgrid informierte Mitte Januar, dass die neue 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen Niederwil und Obfelden bald öffentlich aufgelegt wird. Diese sieht nur eine Teil-Erdverkabelung vor. Der grösste Teil soll als Freileitung gebaut werden. Der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) kämpft weiterhin für eine Erdverkabelung auf der ganzen Strecke. --rwi
Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) glaubt weiterhin an eine Realisierung einer Erdverkabelung
Mitte Januar informierte die Swissgrid darüber, dass die geplante Hochspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden im Februar oder März öffentlich aufgelegt wird. Sie betonte dabei die Vorteile einer Freileitung gegenüber einer Erdverkabelung. Den VSLR konnte sie damit nicht überzeugen.
Roger Wetli
«Ja, wir werden sicher Einsprache erheben», erklärt Stephan Bärtschi, Präsident des Vereins Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR). «Allerdings sind wir gezwungen, das indirekt zu tun, da wir selbst nicht einspracheberechtigt sind.» Der Verein fand eine Familie aus Wohlen, die einsprechen darf. Denn diese ist von der geplanten Freileitung direkt betroffen. Die Freileitung wird über ihre Waldparzelle führen. «Wir unterstützen diese Familie stark und setzen voll auf sie», so Bärtschi. «Ihre Parzelle nimmt eine Schlüsselposition für die ganze geplante Linienführung ein. Sie ist also strategisch wichtig.»
Vorlage für Direktbetroffene
Auch mit den betroffenen Gemeindebehörden ist der VSLR in Kontakt. Diese seien ebenfalls einspracheberechtigt. Zusätzlich schaltet der VSLR auf seiner Website bald eine abgespeckte Variante der Einsprache der Familie Lütolf auf. «Wir hoffen, dass diese von weiteren Direktbetroffenen als Vorlage genutzt wird», sagt Stephan Bärtschi. «Abgespeckt wird diese Variante sein, weil das Original mit all seinen Beilagen rund 400 Seiten stark wird. Man muss die Unterlagen mit der Einsprache voraussichtlich ausgedruckt einreichen.» Der Verein befürchtet, dass diese grosse Vorlage Einsprecher von ihrem Tun abhalten könnte. «Es ist entscheidend, dass der Widerstand gegen die Freileitung eine Breitenwirkung entfaltet.»
Inbetriebnahme im Jahr 2031
Das Projekt der bald einsehbaren öffentlichen Auflage möchte die heutige 220-Kilovolt-Freileitung zwischen Niederwil und Obfelden durch eine 380-Kilovolt-Leitung ersetzen. Sie dient dem internationalen Stromtransport und der Versorgungssicherheit der Schweiz. Vorgesehen sind zwei Freileitungen zwischen Niederwil und Besenbüren/Rottenschwil und zwischen Jonen und Obfelden. Für diese braucht es 35 Masten mit Höhen zwischen 55 und 89 Metern, die auffällig in der Landschaft stehen. Zwischen Besenbüren/Rottenschwil und Jonen wird die Leitung in den Boden verlegt und unterquert auch die Reuss. Die Inbetriebnahme soll 2031 geschehen. Danach werden bis 2033 die alten 220-Kilovolt-Masten zurückgebaut.
Mehr Verlust, um Gewicht zu sparen
Der VSLR kämpft seit Jahren dafür, dass die Kabel auf der ganzen Strecke in den Boden verlegt werden. Die Swissgrid betonte in ihrer Medienkonferenz Mitte Januar die Vorteile einer Freileitung gegenüber einer Erdverkabelung.
Sie erklärte, dass eine Freileitung beim Transport deutlich weniger Energie verliert und damit effizienter ist.
Der VSLR-Präsident widerspricht: «Die Berechnungen der Swissgrid basieren auf einer Leistung von einem Viertel des maximal Möglichen. Da verursachen beide Varianten etwa gleich viele Verluste. Steigt die Leistung, schneidet die Erdverkabelung deutlich besser ab.» Stephan Bärtschi macht einen Vergleich: «Es ist wie bei einem Schlauch. Ein dickerer Schlauch lässt pro Sekunde mehr Wasser durch als ein dünnerer. Hängen die Kabel in der Luft, müssen sie dünner sein als bei einer Erdverkabelung, da sie sonst zu schwer für die Masten werden.» Um die enormen Zugkräfte einer Freileitung auszuhalten, müssen in die Kabel neben Aluminium zusätzliche Stoffe eingebaut werden. «Auch das führt zu höheren Übertragungsverlusten. Der Strom fliesst dann am besten, wenn die Kabel aus möglichst reinem Kupfer oder Aluminium hergestellt sind. Das ist aber nur bei einer Erdverkabelung möglich», so der VSLR-Präsident.
Er betont, dass in der kalten Jahreszeit ein weiteres Problem dazukommt, welches für noch höhere Stromverluste bei Freileitungen sorgt: Eis und Schnee. «Setzen sich diese an den Kabeln an, werden die Kabel noch schwerer. Es drohen Masten zu brechen.» Damit Schnee und Eis sich gar nicht erst an den Kabeln festsetzen können, würden diese bei Freileitungen mit extra viel Strom geflutet, womit sie sich erwärmen. «Auch dieser Strom verpufft in der Luft. Dieses Problem gibt es bei einer Erdverkabelung nicht», erklärt Bärtschi.
Reparaturen in absehbarer Zeit
Ein weiteres Argument der Swissgrid für eine Freileitung sind Kabelbrüche. Deren Reparatur oder Ersatz geschehe bei ihrer Variante innert Stunden, während sie bei einer Erdverkabelung Wochen bis Monate dauere. «Auch das stimmt nicht», ist Stephan Bärtschi empört. «Mit der heutigen Technik können Kabelbrüche in Erdverkabelungen bereits erkannt werden, bevor sie entstehen. Dies aufgrund lokal erhöhter Leittemperatur.» Unterbrüche würden deshalb innert Sekunden geortet. Der Ersatz könne so geplant durchgeführt werden. Der VSLR-Präsident bezweifelt zudem, dass auf einem korrekten Kostenvergleich die Entscheidung für die Teilverkabelung getätigt wurde. Beim Entscheid sollte diese Variante 80 Millionen Franken kosten auf Grundlage von 1,9 Millionen Franken pro Kilometer Freileitung. Diesen tiefen Betrag habe sie aber nie erreicht. Swissgrid-Zahlen zeigen, dass der Abschnitt Beznau– Birr 2,3 Millionen Franken pro Kilometer Freileitung gekostet hat.» Heute spricht Swissgrid auch bereits von 97 Millionen Franken Projektkosten. Dieser Vergleich sei wichtig, weil das den Unterschied zur teureren Erdverkabelungsvariante schmälere. Er betont, dass all seine Zahlen auf Angaben der Behörden basieren. «Unsere Argumente stimmen einfach. Das Bundesverwaltungsgericht wird uns deshalb sicher recht geben.»
Bald in der heissen Phase
Stephan Bärtschi ist gespannt auf die öffentliche Auflage. «Die heisse Phase beginnt dann. Wir sind bereit und werden die einsehbaren Dokumente studieren. Wir schauen, ob wir darin noch weitere Argumente für eine vollständige Erdverkabelung finden.» Er verspricht: «Wir geben nicht auf.»


