Jung und Alt singt und tanzt
31.10.2025 Region Bremgarten, EggenwilVolkstanzgruppe überzeugte mit einem zugkräftigen Herbstfest-Programm
Der Unterhaltungsabend der Volkstanzgruppe Eggenwil war geprägt von Volkstanzdarbietungen mit Kindern und Erwachsenen. Die Ländlermusig «Türmlibuebe» überzeugte ...
Volkstanzgruppe überzeugte mit einem zugkräftigen Herbstfest-Programm
Der Unterhaltungsabend der Volkstanzgruppe Eggenwil war geprägt von Volkstanzdarbietungen mit Kindern und Erwachsenen. Die Ländlermusig «Türmlibuebe» überzeugte durch ihre Ausstrahlung. Zur Abwechslung sang die Bremgarter Kantorei Lieder aus der ganzen Schweiz und darüber hinaus.
Albert Schumacher
Erika am Bühnenrand, Chrysanthemen in Korbballkörben, Sonnenblumen und Reisbesen – die Mehrzweckhalle war aufwendig und originell herbstlich geschmückt. Auf den Tischen standen 3D-Logos der Volkstanzgruppe. Man fühlte sich sofort daheim und wer gut essen wollte, wurde rasch und reichlich bedient. Als der Vorhang aufging, staunte man über die riesige gemalte Kulisse: Die Eggenwiler Kirche und die Dorfumgebung in Herbstfarben verliehen der Bühne den perfekten Hintergrund. Es brauchte keine Videowände und dergleichen.
Moderatorin Claudia Schmid führte sympathisch und informativ durch das Programm und stellte einleitend die gross auftrumpfende Musiktruppe «Türmli Buebe» aus dem Toggenburg vor, sicht- und hörbar erprobte Meister ihres Faches. Ihre Musik gab der Kindervolkstanzgruppe den nötigen Antrieb beim laut beklatschten «Lady Marian», dem Stück «Sibeschritt» und dem Appenzeller Tanz «Ösi Gofe» nach Erwin Alder. Geleitet werden diese Kinder kompetent und einfühlsam durch Sandra und Christa Vogel. Überhaupt taucht dieser Name im Programm häufig auf, und die ganze Familie Vogel scheint irgendwie mit dem Virus Volkstanz infiziert zu sein. Angefangen beim Tanzleiter und Urgestein Werner Vogel– dem ehemaligen Posthalter Eggenwils; mit ihm geht – salopp gesagt – im Dorf immer noch die Post ab.
«Wernicelle-Walzer» statt «Wermicelle-Walzer»
Fürs nächste Set mit der Erwachsenen-Volkstanzgruppe hat Werner Vogel auch den «Vermicelle-Walzer» choreografiert, und zwar so gut, dass man ihn am liebsten «Wernicelle-Walzer» nennen möchte. Bei den erwachsenen Tanzenden fällt auf, dass von Ü70 bis zur Generation Z alle vertreten sind. Das Schöne ist dabei, dass je nach Choreografie der Partner oder die Partnerin auch getauscht wird und so fliegende Kontakte zwischen Generationen stattfinden. Optisch bestechen die Tänze neben den Schrittfolgen auch durch die Trachten und die kunstvollen Frisuren. Wie Werner Vogel erklärte, erscheinen auf der Bühne Freiämter Trachten: Sonntags-, Werktags-, Ausgangs- und Festtracht.
Von «Ade bin i luschtig gsi» bis «Fanfare du printemps»
Als mehrstimmiges Intermezzo sang der Knaben- und Mädchenchor der Bremgarter Kantorei – ergänzt durch einige engagierte Erwachsene – ein Potpourri aus Schweizer Liedern in den vier Landessprachen, was gut in den volkstümlichen Rahmen passte und auch hoch geschätzt wurde.
Das anschliessende Tanzstück «Fäscht-Stimmig» lebt von einem besonderen Anlass. Die Choreografie dazu entwarf Markus Vogel als Geschenk an seine Eltern Werner und Christa zur goldenen Hochzeit (50 Jahre); ein weiterer Stimmungszünder vor der Pause. Kein Wunder, dass die Zugabe sogar mit überschwänglichen Juchzern untermalt wurde.
Auch der zweite Teil hatte seine Höhepunkte. Mit dem Extrastück «Pflotschnass» tanzten und spielten sich die Kleinsten in die Herzen des Publikums. Als Requisiten dienten ein Riesenregenschirm und kleine Giesskannen, die ausgiebig eingesetzt wurden und die feuchtfröhliche Stimmung zünftig anheizten. In einem weiteren längeren Intermezzo bewies die Bremgarter Kantorei nochmals ihr breites Repertoire, auch mit englischen Liedern, und zeigte ihr neues Logo-T-Shirt.
Volkstanz – ein sportliches Metier
Traditionsgemäss fehlten zwei Uraufführungen von Werner Vogel nicht. Der «Wyberklatsch» und «Schifffahrt uf de MS Balsiger» setzten anschaulich um, was der Titel versprach. Auffällig war, wie rhythmisch sauber, wohlgelaunt und körperbeherrscht Musik in Bewegung umgesetzt wurde. Ein Vergleich mit einer anderen Sportart sei erlaubt: Die hinter dem Rücken sorgsam verschränkten Arme erinnerten zeitweise an disziplinierte Fussballverteidiger, die mit dieser Haltung einen Ballkontakt mit der Hand verhindern und einem Penaltypfiff vorbeugen wollen. Volkstanz ist neben allem Vergnügen auch ein Sport, der viel fordert: körperliche und geistige Geschmeidigkeit, Teamgeist, Musikalität, Begeisterung. Dass die Volkstanzgruppe Eggenwil diese Qualitäten hat, wurde eindrücklich bewiesen. Und dass sie auch Volkstanzkurse anbietet, um weitere Menschen zu begeistern, spricht für ihre Weitsicht. (Infos unter www.volkstanzgruppe-eggenwil.ch)
Der Anlass weckte nostalgische Gefühle, vielleicht gar die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Und sicher Vorfreude aufs nächste Herbstfest.

