Jubiläumsjahr fulminant gestartet
31.03.2026 Vereine, Musik, Eggenwil, Region BremgartenGelungener Auftakt
Die Musikgesellschaft Eggenwil feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Den Auftakt zu den Festlichkeiten bildete am Samstagabend ein grandioses Jahreskonzert. Dabei zeigte sich die Musikgesellschaft stilistisch äusserst vielfältig und ...
Gelungener Auftakt
Die Musikgesellschaft Eggenwil feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Den Auftakt zu den Festlichkeiten bildete am Samstagabend ein grandioses Jahreskonzert. Dabei zeigte sich die Musikgesellschaft stilistisch äusserst vielfältig und präsentierte Stücke aus Filmmusik, Pop bis Deutsch- und Hard Rock. Der sehr gute Zusammenhalt der Musikanten war jederzeit zu spüren. Deren Begeisterung steckte an, sodass frenetisch geklatscht wurde. --red
Musikgesellschaft spielte ein Jahreskonzert vom Allerfeinsten
Hundert Jahre ist die Musikgesellschaft Eggenwil, weder alt noch leise, selbstbewusst und richtig gut. Adele, die Pirates of the Carribean, Lady Gaga, Meat Loaf, Hawaii Five-0 und Udo Jürgens – das muss man erst mal wagen. Das Jahreskonzert war ein prächtiger Auftakt. Das Jubiläumsfest am 21./22. August wird ein Versprechen.
Hans Rechsteiner
Schon der Auftakt war verblüffend stark. Da rumorte hinten auf der Bühne ein gewaltiges Schlagwerk, vor dem voll besetzten Saal marschierten die Register auf. Jannis Altschul, mit zwölf der Jüngste im Korps, feierte seine Premiere. Die erfrischende Moderatorin Mélanie Kohler fand die passende Einleitung: «Wenn man so hört, wie lebendig und wie kraftvoll sie Musik machen, dann ist es klar: Diese Geschichte ist noch lange nicht fertig», gab sie dem Hundertjährigen mit ins Jubiläumsjahr. «Sommer, Meer und eine ganze Portion Spannung» versprach sie fürs erste Stück: «Hawaii Five-0», die Titelmelodie der gleichnamigen Kultserie in einem Arrangement des Dirigenten. Lässige Musik. Lady Gaga, der prägenden Kleider-Stilikone, konnte man zum damaligen 40. Geburtstag gratulieren, mit ihrem «Bad Romance».
Präzise, hell volltönende Brassband
«Alegría» gehört zu den beliebtesten Shows des weltberühmten kanadischen «Cirque du Soleil». Es ist das Paradebeispiel, will man die Musikgesellschaft Eggenwil beschreiben. Ein fein austarierter, voller Klangkörper, dynamisches Beben durch die Register, ausgelebtes Rhythmusgefühl, Freude an Zwiegespräch und Zusammenspiel, aufmerksam zum Dirigenten. Durchgehende Spezialität: führendes taktgebendes, kräftiges Schlagwerk und hell klingende Töne vom Xylofon in jedem Stück.
Tim Bergling alias «Avicii», talentierter Musiker und House-DJ, ist eher bekannt mit seinen Songs «Levels», «Wake me up» oder «Hey Brother». Das sind Musik, Energie und einzigartiger Sound. «Addiced to you» präsentierten die Eggenwiler. Dann gab es reines «Kopfkino». Mitkommen auf die Chaos-Abenteuer von Captain Jack Sparrow, mit ihm in See stechen. Pirat Vegezzi zwang es entsprechend kostümiert einigermassen in geordnete Bahnen. Leinen los und viel Spass.
Zwei Ehrenmitglieder und die Sicht des Dirigenten
Zur sichtlichen Freude der Musikkameraden und unter gratulierendem Applaus vom Publikum ehrte Präsident Stefan Martin für je zwanzig Jahre Treue Benjamin Endres und Dominic Meier als neue Ehrenmitglieder.
Die Konzertpause war dann Anlass, dem Dirigenten auf den Zahn zu fühlen. Wie beurteilt er seinen Klangkörper? Riccardo Vegezzi leitet die Eggenwiler Dorfmusik seit 2019. Er lebt in Künten, musizierte während dreissig Jahren im starken Musikverein des Dorfes, arbeitet bei den Verkehrsbetrieben Zürich im Bereich Infrastruktur. Er hat grosse Freude am «coolen Haufen» der 24 Musikanten, spürt den speziellen Spirit, liebt den sehr guten Zusammenhalt. «Da sind viele Junge, ein guter Altersschnitt, sie haben Freude an neuen Projekten und sind jederzeit bereit, Neues auszuprobieren», hält er fest. Ausserdem könne er auf eine sehr gute Besetzung bauen, es fehle derzeit höchstens ein «Es-Alt-Sax». Wieder trommelte der Zwölfjährige die Musikanten auf die Bühne. «Kool and the Gang» mit «Celebration» von 1980 in einem Arrangement von Riccardo Vegezzi. Jannis’ Schlagzeug, die sympathischen tiefen Bässe, Tuben, fehlte nur ein Bombardon, darüber brillante feinfühlige Cornets, zügige Posaunen.
Und dann: Adele! «Rolling in the Deep». Die Sängerin rechnet mit ihrem untreuen Partner ab. Wut, Verrat, doch Rückeroberung eigener Stärke. Adele feiert die emotionale Befreiung mit kräftiger Stimme. Ihr tut es auf der Bühne die einheimische Marina Dobler mit einfühlendem Gesang gleich, begleitet von feinen Rhythmen und tiefgründigem Tuba-Klopfen.
Gas geben bis zur Ohnmacht
Emotionen, Kraft und Ausdruck verlangt auch «Meat Loaf» – berühmtestes Album: «Bat out of Hell». Er gab auf der Bühne Gas bis zur Ohnmacht, hier wurde nun musiziert ohne Gesang, aber mit musikalischer Power. Prächtige, grundtiefe orchestrale Musik, mit Glockenklängen ab dem Xylofon, schnelle brillante Läufe, feine Melodienfolgen der kleinen Saxofone, abwechselnd mit den Hörnern, reines Vergnügen. Man fürchtete ein zerfetztes Schlagzeug. «When the Rain begins to fall» (wenns zu regnen beginnt) ist das wohl spektakulärste Duett der Musikgeschichte, von Jermaine Jackson und Pia Zadora. Gewittriger Auftakt, grosse Töne, farbige Melodiebögen. Hier mit musikalischer Unterstützung von Jan Martin am Flügelhorn.
Schliesslich gab es Tragik zum Mitsingen. «Viva la Vida» (Es lebe das Leben) von Coldplay. Die Sicht eines entthronten Königs von Herrlichkeit zu tiefem Fall, er will das Leben trotz allem Verlust feiern. Es ist der orchestrale Ohrwurm schlechthin, präzis, prätentiös, reines Vergnügen mit grossem Rhythmus und Spielfreude. Zum Schluss beidseitig der Bühne ein Goldregenknall.
Und dann in den Zugaben Udo Jürgens. Der glaubwürdige Star mit dem weissen Bademantel, der in seinen Live-Konzerten noch besser war als auf den CDs. Da sind die Eggenwiler ausgeflippt, musikalisch brillant, rockig, rassig, frisch.
Klatschen war angesagt. Sie konnten nicht lockerlassen. «Spider Murphy Gang»: «Skandal im Sperrbezirk». Brillant, diese Hörner, dieser Rhythmus, wahre Freude. Skandal um Rosi. Fülle und Volumen. Und sogar der «Sternenhimmel, Sternenhimmel, Sternenhimmel». Mitgesungen und überschwänglich ausklingend bis in die Morgenfrühe.


