Am Sommeranlass des Vereins Energiepool Freiamt wurde rege diskutiert
Der Sommeranlass des Vereins Energiepool Freiamt im Kloster St. Martin Hermetschwil diente der Klärung von aktuellen Fragen zur sicheren Stromversorgung in der Region. Ein gewichtiges Thema, das ...
Am Sommeranlass des Vereins Energiepool Freiamt wurde rege diskutiert
Der Sommeranlass des Vereins Energiepool Freiamt im Kloster St. Martin Hermetschwil diente der Klärung von aktuellen Fragen zur sicheren Stromversorgung in der Region. Ein gewichtiges Thema, das alle angeht.
Alphonse Hauser
Eine umfangreiche und technisch anspruchsvolle Themenliste erwartete die Teilnehmer am Sommeranlass des Vereins Energiepool Freiamt am Tagungsort Kloster St. Martin Hermetschwil. Behandelt wurden dringende technische und rechtlich-administrative Fragen rund um die Energieversorgung in der Region.
Präsident Markus Wey begrüsste mit launigen Worten die 77 Delegierten aus 33 Gemeinden. Im «Grundsatzreferat» kam er dann auf die «offenen Baustellen» in der Sicherstellung der Stromversorgung in der Schweiz und deren hohe administrative Hürden zu sprechen.
Ausufernde Regulierung
Die wachsende Komplexität der Stromversorgung hat verschiedene Gründe. Da ist einmal die Tatsache, dass es trotz nationalem Stromgesetz eine Vielzahl von nachgeordneten Regelungen und Erlassen gibt. Waren es im Jahr 2006 noch rund 230 Rechtsnormen, die es zu befolgen galt, ist deren Zahl bis ins Jahr 2025 auf über 2000 angewachsen. Damit stieg auch die Zahl der Entscheidungsträger auf Staatsebene, wovon 2/3 meist juristische Akademiker sind.
Um in dieser Regelflut den Durchblick zu behalten, hatte der Energiepool Freiamt zur Tagung fünf externe Spezialisten aus der ganzen Schweiz eingeladen; so auch Susanne Obert von der Genossenschaft Elektra Baselland. Sie stellte fest: «Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit.» Diese Fachleute referierten in kleinen Arbeitsgruppen mit den Teilnehmern des Sommeranlasses – wegen der grossen Hitze im etwas kühleren Klostergarten.
Kräfte bündeln
Der Energiepool Freiamt wurde 1996 als lose Interessengemeinschaft von Markus Wey und Josef Füglistaller gegründet. Die Ziele: gemeinsamer Stromeinkauf, gemeinsame Werbung und gegenseitige Unterstützung in technischen, administrativen und kommerziellen Fragen. 2023 entstand daraus aus formalrechtlichen Gründen der Verein Energiepool Freiamt mit 33 Mitglieder-Gemeinden aus dem Freiamt und der Umgebung Die Stromversorgung der Schweizer Endkunden wird laut Information der Axpo durch rund 630 Elektrizitätsversorgungsunternehmen – vor allem Stadt- und Gemeindewerke – sichergestellt. 70 Prozent davon sind reine Verteilunternehmen, die den Strom zu den Kunden transportieren, aber keine Kraftwerke betreiben. Fast 90 Prozent davon sind im Besitz der öffentlichen Hand, sprich Kanton oder Gemeinde, 8 Prozent sind in Schweizer Privatbesitz und 2 Prozent gehören ausländischen Investoren.
Markus Wey erklärte: «Als zusätzliche Lieferanten sind die Besitzer von Solaranlagen mitbeteiligt, durch die Einspeisung von überflüssigem Solarstrom in das Netz. Dies verlangt nach erhöhter Netzregulierung und stellt die Frage nach neuen Speicherkapazitäten, um gefährliche Stromschwankungen zu vermeiden.» In der Schweiz gebe es rund 5,1 Millionen Stromkunden, führte Wey aus: «Seit 2009 ist der Strommarkt teilliberalisiert. Grosse Stromverbraucher (über 100 000 kWh) können ihren Stromlieferanten frei wählen. Alle anderen Verbraucher dürfen den Strom nur vom lokalen Stromversorgungsunternehmen beschaffen.» Die vollständige Liberalisierung des Schweizer Strommarkts sei in der Politik umstritten.
Internationale Verflechtung
Die Schweiz ist die Stromdrehscheibe Europas. 41 grenzüberschreitende Verbindungen zu angrenzenden Ländern zählt das Land. Markus Wey: «Ihre wichtige Rolle verdankt sie neben der zentralen Lage auch ihrer sekundengenau verfügbaren Wasserkraft. 10 Prozent des Stroms, der zwischen den 34 Ländern Europas ausgetauscht wird, fliesst durch die Schweiz.» Aktuell jedoch bestehe eine gewisse Unsicherheit über die Zukunft. Grund dafür seien die stockenden Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über ein künftiges Stromabkommen.