«Ich wollte gar nie aufhören»
14.03.2025 BremgartenHeimspiel vor Endspurt
Die SP-Bezirksversammlung in Bremgarten war auch ein wenig eine Wahlkampfveranstaltung vor den SP-Aargau-Präsidiumswahlen. Stefan Dietrich genoss dabei Heimvorteil. Wobei auch Kontrahentin Lucia Engeli ihre Co-Kandidatur vorstellen durfte. ...
Heimspiel vor Endspurt
Die SP-Bezirksversammlung in Bremgarten war auch ein wenig eine Wahlkampfveranstaltung vor den SP-Aargau-Präsidiumswahlen. Stefan Dietrich genoss dabei Heimvorteil. Wobei auch Kontrahentin Lucia Engeli ihre Co-Kandidatur vorstellen durfte. --huy
Bezirksversammlung der SP mit Stefan Dietrich im Wahlkampf
Am Mittwochabend traf sich die Bezirkspartei der SP im neuen Haus Allegra der St. Josef-Stiftung. Im Fokus dabei der Bremgarter Stefan Dietrich, der in gut einem Monat erneut – aber diesmal allein – SP-Aargau-Präsident werden will. Die Parteimitglieder erlebten den Direktvergleich mit einer Konkurrentin.
Marco Huwyler
«Wir brauchen wieder einen klaren Auftrag und müssen die Deutungshoheit zurückgewinnen.» Lucia Engeli gab sich durchaus markig in Bremgarten. So manches, das sie in ihrer Rede an die Genossen der hiesigen Bezirkspartei von sich gab, konnte man auch als direkten Angriff an ihre Vorgänger und den jetzigen Konkurrenten verstehen. «Die Lokalpolitik spürt die Kantonspartei zu wenig. Wir müssen ihnen wieder ein griffiges linkes Narrativ an die Hand geben.»
Was die 43-Jährige von sich gab, hätte gewiss in manchen Bezirken gut verfangen und Stefan Dietrich etwas in die Defensive gebracht. Doch in Bremgarten prallen derlei Voten am 50-Jährigen ab. Schliesslich kennt man den Noch-SP-Aargau-Co-Präsidenten und seine Politik hier aus dem Effeff. Auf lokaler und regionaler Ebene hat er die Politik der SP in den letzten Jahrzehnten geprägt und sich grosse Verdienste erarbeitet. Kaum eine Frage deshalb, wer am 26. April die Stimmen der Genossen aus dem Bezirk Bremgarten erhalten wird. Auch wenn sich Engeli – die ohne ihre Co-Kandidatin Anja Gestmann nach Bremgarten gekommen war – weiter wacker schlug. «Ich hoffe, dass wir alle im selben Boot sitzen», schloss sie. Und erntete damit höflichen Applaus.
Biografische Anfänge
Danach ging das Wort an den Einheimischen, der an diesem Tag von zu Hause aus bloss rund 300 Meter zum Versammlungsort zurückzulegen brauchte. «Es ist seltsam für mich, mich euch vorzustellen, die ihr mich doch fast alle schon so gut kennt», lächelte er. Und doch holte Dietrich dann aus in seiner Biografie. Erzählte von seinen politischen Anfängen bei der Juso in Deutschland mit Kerzen anzünden und Sitzstreiks, «wobei ich leider schnell feststellen musste, dass man damit letztlich wenig erreicht». Politisiert hatte ihn damals der Jugoslawienkrieg, «in den ich mich bei der heutigen Weltlage immer wieder schmerzhaft zurückversetzt fühle. Was wir damals im ‹Kleinen› erlebten, scheint sich nun im Grossen zu wiederholen.» Dietrich erzählte vom Wahlkampf für Gerhard Schröder, «wofür man sich damals noch nicht schämen musste», und seinem späteren Umzug in die Schweiz, wo er sich ebenfalls auf Anhieb politisch für die Sozialdemokraten engagierte, «immer angetrieben vom grundsätzlichen Verlangen, den Hass auf dieser Welt zu verstehen und ihm etwas entgegenzusetzen».
«Ich bin der richtige Mann»
Die SP Aargau könne man nicht führen wie eine gut strukturierte Firma mit einem stringenten Leitbild, auch wenn dies vielleicht nett töne, konterte Dietrich seine Kontrahentin Engeli. «Wir sind ganz viele freiwillige Individuen – aus einer Arbeiterbewegung entstanden. Dem muss man gerecht werden.» Dank Herzblut, Ausdauer, Ideen, Erfahrung und Netzwerken sei er der richtige Mann um die SP Aargau in die Zukunft zu führen, befand Dietrich. «Zumal man Zeit braucht, um etwas aufzubauen.» Seine Leidenschaft für das Amt sei ungebrochen. «Ich wollte gar nie aufhören», sagte er. «Aber wenn man als Co-Präsident amtet, muss man auch als Co-Präsident zurücktreten, bevor man allenfalls alleine weitermacht – so sind nun mal die Spielregeln.» Kontinuität durch seine Person würde der SP guttun, findet er. «Schwierige Zeiten stehen bevor mit einer starken Rechten. Und wir müssen den Spagat meistern zwischen Opposition und trotzdem konstruktivem Mitwirken.» Dafür sei er der passende Präsident – auch, da er sich erwiesenermassen immer wieder durch überparteiliche Zusammenarbeit hervorgetan habe, sagte Dietrich. «Jüngst wieder mit dem erfolgreichen Einsatz für den Erhalt der Direktverbindung Bern–Baden. Ich könnte euch einige Schmankerl erzählen, was da hinter den Kulissen zwischen den Parteien abging. Aber weil mit dem ‹BBA› die Presse hier sitzt, muss ich das auf den Apéro verschieben», schmunzelte er.
Viel vor der Brust
Zu diesem gelangte man anschliessend nach den zwei ausführlichen Vorstellungsrunden relativ zügig. Wenngleich der SP-Bezirkspartei die Themen nicht ausgehen. Bald steht mit dem Engagement gegen die kantonale neue Steuergesetzesvorlage ein neuer intensiver Abstimmungskampf bevor, den zu gewinnen für die Linke schwierig werden dürfte.
Für Dietrich und Engeli steht derweil der Endspurt im Wahlkampf um das SP-Aargau-Präsidium an. In den nächsten Wochen folgen zahlreiche Hearings bei den verschiedenen Sektionen. Die Zeiten des angenehmen Heimvorteils sind für Dietrich nun erst mal vorbei. Doch der Bremgarter scheint auch für steifere Brisen gut gerüstet zu sein. Das zeigte der Abend am Ort, wo er lebt und wirkt, bereits eindrücklich.
Hintergrund
Der Bremgarter Stefan Dietrich wurde im April 2022 gemeinsam mit Nora Langmoen ins Co-Präsidium der SP Aargau gewählt. Überraschend gaben die beiden im vergangenen Herbst ihren Rücktritt per April 2025 bekannt. Nach etwas Bedenkzeit hat sich Dietrich dazu entschlossen, allein erneut für das Präsidium zu kandidieren (vgl. dazu «BBA» vom 31. Januar). Dabei sieht er sich der Gegenkandidatur von Anja Geissmann und Lucia Engeli gegenüber. Am 26. April am Parteitag in Lenzburg fällt die Entscheidung. --huy



